120 Jahre Wilhelm Reich

Am 3. November 1957 starb in einem US-amerikanischen Gefängnis der „linke“ Psychoanalytiker, „Vater“ der Körperpsychotherapie und Lebensenergieforscher Wilhelm Reich.

60 Jahre zuvor, am 24. März 1897, war er in Galizien, einem östlichen Teil Österreich-Ungarns, zur Welt gekommen.
Das heißt auch: 2017 hat Wilhelm Reich seinen 120. Geburtstag. Und, am 3. November, seinen 60. Todestag.

Wie auch meine Beiträge über ihn auf dieser Webseite zeigen, hätte er es in mehrerer Hinsicht verdient, dass diesen beiden Daten weit mehr Aufmerksamkeit gezollt würde.

Ich werde mich im Lauf der nächsten Monate bemühen, auf verschiedene Weise auf ihn, sein Werk und dessen aktuelle Bedeutung hinzuweisen und dies an dieser Stelle mitteilen.

Hier findet sich ein kurzer biografischer Abriss zu ihm: https://www.psychosozial-verlag.de/cms/nachrichtenleser/items/ein-streitbares-werk-von-aktueller-brisanz.html, hier ein 2007 gestalteter, bebilderter „Rundgang“ durch sein Leben.

Am 15. Februar 2017 ist mein Buch „Unpolitische Wissenschaft? Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus“ beim Psychosozial-Verlag Gießen in 3., korrigierter und um 40 Seiten mit neuen (Be)Funden erweiterter Auflage erschienen.

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Am 22. April hat es Werner Abel für das Neue Deutschland rezensiert. In der Beilage zur Leipziger Buchmesse wertet er es als

„eines der wichtigsten Bücher zur Geschichte der Psychoanalyse, das deren Niedergang von einer sozialkritischen Theorie und Praxis zur medizinalisierten, angeblich ‚unpolitischen‘ Wissenschaft erstmals detailliert nachvollziehbar macht.“

Hier lässt sich das Vorwort zur Neuauflage nachlesen.

Ein Resümee, das ich dort – 4 Jahre nach Erscheinen der Erstauflage – nun ziehen kann, lautet:

„Wilhelm Reich ist wieder deutlich fester in der Historiografie der Psychoanalyse verankert. Insbesondere wer zu den Entwicklungen bis 1934 seriöse Forschung betreiben will, wird unweigerlich auf ihn stoßen. Wer ihn ausspart, kann die Geschichte der Freud’schen Lehre ohnehin nicht schlüssig erzählen.“

Ein weiteres Buch, dessen Text bereits fertig gestellt ist, wird zur Veröffentlichung vorbereitet.
Sein (Arbeits-)Titel ist:

„Rechtsruck“ im 21. Jahrhundert. Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus als Erklärungsansatz.

Bereits 2015 konnte ich als Gast einer Tagung der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung einen Vortrag über Wilhelm Reich halten, aus dem ich nun einige Anmerkungen mitteilen möchte zur Frage: Wie sähe eine an Wilhelm Reich orientierte Psychoanalyse aus?
Auch daraus ein Zitat:

„Mit Reich wäre ebenfalls kein Katalog seelischer Störungen machbar, in dem zwar Menschen aufgelistet sind, die in belastenden Situationen erröten – nicht aber auch Staatslenker, die ohne jedes Erröten Krieg und Massenmord befehlen, nicht auch US-Präsidenten, die die halbe Welt in Brand setzen oder wöchentlich neue völkerrechtswidrige Drohnen-Exekutionen veranlassen.
Jeder Gedanke daran, Psychoanalytiker könnten eine ‚weiße Leinwand‘ sein – eine Vorstellung, der ja schon Freud nicht entsprochen hat – ließe sich mit Reich erst recht nicht vereinbaren: Wo Analytiker notwendigerweise zu öffentlichkeitswirksamen Kritikern sozialer Missstände werden, ist dafür kein Platz.“

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Über mich.

Ich bin 1957 in Berlin (Ost) geboren.

1981 schloss ich an der Humboldt-Universität das Studium der Klinischen Psychologie mit einem Diplom ab.

Ab 1985 war ich als Redakteur bei Jugendradio DT 64 u.a. für Lebenshilfesendungen zuständig.

Während der DDR-„Wende“ gründete ich mit über 500 interessierten DDR-Bürgerinnen und -Bürgern den Verein „ich-e.V.“ (zunächst „Gemeinschaft zur Förderung der Psychoanalyse“), den ich die nächsten Jahre leitete. Als verantwortlicher Redakteur von „ICH – die Psychozeitung“ schrieb ich zwischen 1990 und 1998 eine Vielzahl von Beiträgen, hielt Vorträge, leitete zeitweise eine Beratungsstelle.

2008 erhielt ich meine Approbation als tiefenpsychologischer und psychoanalytischer Therapeut, praktiziere seitdem in Berlin.

2013 wurde ich an der Berliner Charité zum Dr. rer. medic. promoviert mit einer Arbeit zum Thema „Unpolitische Wissenschaft? Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus“, die im selben Jahr im Psychosozial-Verlag Gießen als Buch erschien.

Insbesondere die Recherchen zu diesem Buch haben mich gezwungen, die Psychoanalyse kritischer zu sehen. Für unverzichtbar halte ich dennoch weiterhin die Aufarbeitung individueller Lebensgeschichte, das Bewusstmachen von Unbewusstem, auch – aber nicht nur – in therapeutischer Form.

Sigmund Freud hat 1917 definiert, die Psychoanalyse lasse sich »auf Kulturgeschichte, Religionswissenschaft und Mythologie ebenso anwenden […] wie auf die Neurosenlehre«, sie »beabsichtigt und leistet nichts anderes, als die Aufdeckung des Unbewussten im Seelenleben«. Psychoanalyse ist also weit mehr als eine Therapiemethode.

Aber es gibt auch keine isolierten seelischen Vorgänge. Sie sind verknüpft mit sozialen, kulturellen, ökonomischen, politischen und ökologischen Prozessen.

Die nicht zuletzt globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts werden sich deshalb nur konstruktiv bewältigen lassen, wenn wir auch den psychischen Aspekten – endlich – die angemessene Aufmerksamkeit widmen.

Dazu einen Beitrag zu leisten, bemühe ich mich seit langem. Auf dieser Webseite habe ich einiges von dem, was dabei herausgekommen ist und mir mitteilenswert erscheint, zusammengestellt. Gelegentlich werde ich es ergänzen.

Andreas Peglau

PS 1: Für Rückmeldungen, gern auch kritische, steht die Email-Adresse
info@andreas-peglau-psychoanalyse.de zur Verfügung.

PS 2: Diese Webseite steht in enger Beziehung zu, überlappt bzw. ergänzt sich wechselseitig mit dieser Webseite: http://weltall-erde-ich.de/

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