Ausgangspunkte. Aus der Einleitung zu „Unpolitische Wissenschaft?“

von Andreas Peglau

Die Psychoanalyse ist, vor allem aber war weit mehr als eine Psychotherapiemethode. Von der Krankenbehandlung ausgehend, entwickelte sich Sigmund Freuds Lehre in wenigen Jahren zu einer spezifischen Möglichkeit, sich selbst und die Welt zu erkennen – und zu verändern. 1917 definierte Freud in seinen Vorlesungen, Psychoanalyse lasse sich »auf Kulturgeschichte, Religionswissenschaft und Mythologie ebenso anwenden […] wie auf die Neurosenlehre« – Themen, denen er sich auch selbst zuwandte. Er setzte fort, die Psychoanalyse »beabsichtigt und leistet nichts anderes, als die Aufdeckung des Unbewußten im Seelenleben« (Freud 1916–17a, S. 403f.). In der Therapie ließ diese Aufdeckung die Patienten neue Möglichkeiten des Handelns erkennen – und neue Notwendigkeiten. Um sich ihre gewachsene psychische Gesundheit zu erhalten, mussten sie weitere Veränderungen, auch in ihrem Umfeld, in Erwägung ziehen. Sich für solche Veränderungen einzusetzen, dafür waren sie durch die Behandlung nun besser gerüstet (Freud 1895d, S. 311f.).1 Doch auch aufseiten der Therapeuten »geht die konsequente psychoanalytische Therapie in Sozialkritik über« (Dahmer 2012f, S. 211). Freud schrieb 1910: »Die Gesellschaft muß sich im Widerstand gegen uns befinden, denn wir verhalten uns kritisch gegen sie; wir weisen ihr nach, daß sie an der Verursachung der Neurosen selbst einen großen Anteil hat« (Freud 1910d, S. 111).

Heute ist von diesem Anspruch der Psychoanalyse nur noch wenig zu spüren. Der Psychoanalytiker Johannes Cremerius urteilte: Die Funktionen, die der Psychoanalyse »einmal Sinn gaben – eine aufklärerische, gesellschaftskritische Wissenschaft am Leben zu erhalten – übt sie nicht mehr aus. Sie ist anachron geworden« (Cremerius 1995, S. 14).

Helmut Dahmer, Soziologe und langjähriger Redakteur der Zeitschrift Psyche, sieht als »vorherrschende[n] Typus des Psychoanalytikers« nicht mehr den des »Kulturkritikers, sondern de[n] des gut verdienenden Kassenarztes, der die Öffentlichkeit meidet, sich vom politischen Leben und von theoretischen Debatten fernhält« (Dahmer 2009f, S. 334f.).

Auch Horst-Eberhard Richter, ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung, Leitfigur der BRD-Friedensbewegung und einer der wenigen Analytiker, die die Psychoanalyse offensiv in politische Zusammenhänge einbrachten, kritisierte die zunehmende »Medizinalisierung« der Psychoanalyse, einschließlich deren weitgehende Reduktion auf Therapie (Richter 2003, S. 33–39, 65–76). Der Mitbegründer der Ethnopsychoanalyse Paul Parin fragte sogar, »ob die Psychoanalyse, so beschädigt, wie sie sei, überhaupt noch in unsere Welt passe« (Cremerius 1995, S. 43).

Eine ganz andere Bewertung prägt die 2011 erschienene offizielle Selbstdarstellung der IPV, Hundert Jahre Internationale Psychoanalytische Vereinigung. Die weltweite Analytikerorganisation findet vorwiegend Gründe, die bisherige Entwicklung zu feiern (Handy 2011, S. XXX, Loewenberg/Thompson 2011a, S. 5). Auch die IPV zeichnet das Bild einer Psychoanalyse ohne gesellschaftskritische Ambition – sie sieht dies jedoch offenbar nicht als Mangel.

Wie kam es dazu, dass sich die Psychoanalyse derartig weit von so wesentlichen ihrer Ausgangspositionen entfernt hat? Die nachhaltigsten Weichenstellungen hin zum Image einer angeblich »unpolitischen« Psychoanalyse erfolgten in der ersten Hälfte der 1930er Jahre. Sie waren eng verbunden mit Freuds widersprüchlicher Haltung zu gesellschaftsveränderndem Engagement, mit der Medizinfixierung insbesondere der US-amerikanischen Psychoanalytiker, aber auch mit dem Versuch der internationalen Analytikerorganisation, Konfrontationen mit den entstehenden oder erstarkenden autoritären Regimes, insbesondere dem NS-Staat, zu vermeiden.

Dass die Alternative einer gesellschaftskritischen Psychoanalyse nach 1933 weiterhin bestand, lässt sich anhand des Wirkens des 1933/34 aus den psychoanalytischen Organisationen ausgeschlossenen Psychoanalytikers Wilhelm Reich nachweisen. Während der Fokus meiner Darstellung zwischen seinem Schicksal und den Entwicklungen im psychoanalytischen Hauptstrom pendelt, werde ich Antworten auf die Frage sammeln, ob die Psychoanalyse – wie verschiedene ihrer Vertreter behaupten – eine unpolitische Wissenschaft war bzw. ist.

(…)

Auch in wissenschaftliche Darlegungen fließen subjektive Faktoren ein. Das gilt erst recht, wenn es darum geht, Ereignisse und Aspekte einer Vergangenheit zu schildern, deren Auswirkungen bis in die eigene Lebensgeschichte reichen. Das ist bei mir auf mindestens zweierlei Weise gegeben. Zum Zeitpunkt meiner Geburt hatte das Dritte Reich zwar seit zwölf Jahren aufgehört zu existieren, doch natürlich beeinflusst(e) es die gesellschaftlichen Entwicklungen in DDR und BRD und damit auch mein Leben (vgl. Peglau 2000d). Zudem ist die Psychoanalyse seit über 30 Jahren eines meiner zentralen Themen – als Student, Journalist, Vorsitzender eines Vereins zur Förderung der Psychoanalyse, Patient, Therapeut und Privatperson (vgl. Peglau 2001). Daher berührt mich vieles von dem, was ich mitzuteilen habe, auch emotional. Doch auch in der Geschichtswissenschaft wird »Subjektivität aus dem Erkenntnisprozeß« nicht ausgeklammert und emotionsgeladenes Interesse, sogar »Leidenschaft« als Triebkraft des Forschens akzeptiert (Sellin 2008, S. 214f.). Statt eine gar nicht einlösbare »Objektivität« zu suggerieren, werde ich ausdrücklich auf Stellen hinweisen, an denen meine spezifische Sichtweise auf die Psychoanalyse und das Menschen- und Weltbild, das ich mir in all der Zeit erarbeitet habe, in starkem Maße in den Text einfließen.

Danksagung

Ohne die Hilfe von vielen anderen wäre mir die Abfassung der vorliegenden Schrift – für deren eventuelle Fehler ich natürlich allein verantwortlich bin – nicht möglich gewesen. Den größten Einfluss auf den Inhalt und die Entstehung des Buches nahmen – in alphabetischer Reihenfolge – Philip Bennett, Helmut Dahmer, Bernd Laska, Knuth Müller, Bernd Nitzschke, Michael Schröter und Werner Treß.

Philip Bennett korrespondierte mit mir intensiv über Aspekte des Reichschen Gesamtwerkes und stellte mir aus seinem Privatarchiv vielfach Dokumente zur Verfügung, ermöglichte oder erleichterte mir Kontakte mit englischsprachigen Fachleuten, begleitete und unterstützte mich bei meiner Recherche im Bostoner Reich-Archiv und nahm mich in diesen Tagen zudem gastlich in seinem Haus in Hamden, Connecticut auf.

Helmut Dahmer hat nach überaus gründlichem Durcharbeiten meines Manuskriptes so zahlreiche und wertvolle Verbesserungsvorschläge gemacht, dass der mir schon als fast fertig erschienene Text noch einmal einen deutlichen Qualitätssprung machen konnte, sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Seine Ermunterung hatte zuvor bereits den Ausschlag gegeben, dass ich mich mit diesem Projekt um eine Promotion bemühte. Seine Schriften und insbesondere seine Charakterisierung der Freudschen Schöpfung als »unnatürliche Wissenschaft« ermöglichten mir, mein Verständnis von Psychoanalyse zu präzisieren.

Mit Bernd A. Laska habe ich über längere Zeit in einem für mich in vielerlei Hinsicht förderlichen Austausch gestanden, der auch mein Wissen über Reichs Leben und Wirken sowie über die – vor allem westdeutsche – Reich-Rezeption nach 1968 erweiterte. Er half mir mehrfach, Dokumente in Reichs Biografie einzuordnen und zu übersetzen und gab mir nach der Lektüre des Manuskriptes zahlreiche wertvolle Hinweise zu Inhalt und Formulierung, die ich mit großem Gewinn eingearbeitet habe.

Knuth Müller hat nicht nur das Manuskript gelesen und mit mir diskutiert, sondern mich auch mit wesentlichen Hinweisen auf aktuelle englischsprachige Literatur versorgt. Seine detaillierten Forschungen zu den Beziehungen zwischen Psychoanalytikern und US-Geheimdiensten einbeziehen zu können, hat meinen Text klar bereichert. Dass wir zeitgleich an miteinander verbundenen Tabu-Themen der Psychoanalysegeschichte arbeiteten, war ermutigend für mich.

Bernd Nitzschke hat schon ganz am Anfang meiner Recherchen durch Zuspruch und Unterstützung dafür gesorgt, dass ich diese überhaupt fortgeführt habe. Er betätigte sich auch danach wiederholt als wichtiger »Geburtshelfer« des Projektes und gut informierter Ansprechpartner und Kontaktvermittler, las das Manuskript und bereicherte es durch verschiedentliche Hinweise, unter anderem auf zusätzliche Quellen und Texte. Schließlich verdanke ich ihm auch die entscheidende Anregung für den Titel, den dieses Buch nun trägt.

Michael Schröter unterstützte mein Projekt in sehr engagierter Weise – und das, obwohl er wusste, dass manche meiner Bewertungen konträr zu seinen Sichtweisen stehen würden: eine Haltung, die ich ausgesprochen schätzenswert finde. Ich habe nicht nur von seinem profunden psychoanalysehistorischen Wissen profitiert, sondern gerade auch von unseren ausführlichen (Streit-)Gesprächen. Auch er hat das Manuskript gründlich gelesen und sich viel Zeit genommen, um mich auf Quellen, weiteres Material, Unstimmigkeiten und Verbesserungsmöglichkeiten hinzuweisen.

Schon als ich noch am Anfang meiner Recherchen zu psychoanalytischer Literatur im Dritten Reich stand, hat mir Werner Treß die Beteiligung an einem von ihm mitverantworteten Buchprojekt angeboten. In der sich daraus entwickelnden Zusammenarbeit habe ich geschichtswissenschaftliche Arbeit erst richtig kennen und schätzen gelernt, konnte mich dabei oftmals an seinen diesbezüglich angelegten Maßstäben orientieren. Er schlug mir als erster vor, zu überdenken, ob ich das Thema nicht zu einer Promotion ausbauen wolle. Von ihm erhielt ich überdies wichtige Hinweise auf mir zuvor unbekannte historische Zusammenhänge und Quellen.

Jan-Pieter Barbian gab mir Auskunft zu einigen wichtigen Aspekten der NS-Literaturzensur.

Almuth Bruder-Bezzel vermehrte mein Wissen über das Schicksal der Individualpsychologie und ihrer Autoren in der NS-Zeit. Jens Dobler unterstützte mich unter anderem mit Literatur und Informationen zu Reichs Rechtsanwalt Fritz Flato, zum Schmutz- und Schundgesetz und zur Homosexuellenverfolgung im Dritten Reich.

Wertvolle Rückmeldungen zum Gesamtmanuskript bekam ich von John Erpenbeck.

Karl Fallend verschaffte mir zusätzliche Einblicke in Reichs Wirken in Wien.

Rainer Funk unterrichtete mich über wenig bekannte Details aus Erich Fromms Leben und erlaubte mir, Fromms digitalisiertes Gesamtwerk zu durchsuchen.

Mit Michael Geyer konnte ich einen hilfreichen Dialog über die Rolle und moralische Verantwortung von Psychotherapeuten führen.

Von Andreas Herbst erhielt ich diverse biografische Informationen zu kommunistischen und anderen »linken« Mitstreitern oder Kontrahenten Reichs.

Mit Ludger M. Hermanns, der mich auch auf zusätzliche Quellen und Texte hinwies und mir ermöglichte, Dokumente aus seinem Privatarchiv und aus dem Archiv zur Geschichte der Psychoanalyse zu nutzen, konnte ich ausgewählte strittige Thesen diskutieren.

Rainer Herrn erläuterte mir im Zusammenhang mit dem Institut für Sexualwissenschaft in Berlin stehende Geschehnisse.

Manfred Herzer verhalf mir zu einem besseren Verständnis der Auffassungen von Magnus Hirschfeld.

Gerhard Keiper war mir ein kompetenter Ansprechpartner im politischen Archiv des Auswärtigen Amtes in Berlin.

Gertrud Lenz stellte mir vorab Teile ihrer Dissertation zur Verfügung und sensibilisierte mich für das Beziehungsgeflecht zwischen Wilhelm Reich, Willy Brandt und Gertrud Meyer.

Regine Lockot ermunterte mich 2007 zur Beteiligung an der Gedenktafeleinweihung für Wilhelm und Annie Reich in Berlin, gab mir wichtige Literaturempfehlungen und stellte mir neben weiteren Quellen die aufschlussreichen Tagebücher des in NS-Deutschland publizierenden Psychoanalytikers Alexander Mette zur Verfügung.

Thomas Mueller informierte mich unter anderem über Details aus dem Leben von Henry Lowenfeld.

Heinz Peter las und kommentierte das Buchmanuskript und gab mir die Möglichkeit, eine der offenbar ganz wenigen noch existierenden Tarnausgaben von Reichs Massenpsychologie des Faschismus zu sichten und zu fotografieren.

Steffen Theilemann brachte mir das Werk Harald Schultz-Henckes näher und lieh mir rare Publikationen über ihn.

Von Urban Zerfaß’ umfangreichem Wissen über psychoanalytische Veröffentlichungen einschließlich deren Entstehung und Verbreitung profitierte ich mehrfach. Er verschaffte mir auch Originalausgaben hier abgehandelter Schriften.

Dankbar hervorheben möchte ich zudem, dass mir Marc Rackelmann gestattete, sein Privatarchiv zu Reichs Wirken in Berlin zu nutzen.

Marianne Baeumler sandte mir Informationen über ihren verstorbenen Mann, Alfred Baeumler, und nahm sich Zeit für zwei längere Telefonate.

Mit Gregor von Kursell konnte ich mich mehrmals über seinen Großvater, Otto von Kursell, verständigen, mit Wolff-Dietrich Webler über seinen Vater Heinrich Webler.

Lore Rubin Reich gab mir in persönlichen Gesprächen und im E-Mail-Austausch die Chance, ihren Vater Wilhelm Reich aus einer zusätzlichen Perspektive wahrzunehmen. Mehrere Begegnungen mit ihr im Jahr 2007 waren zudem eine entscheidende Inspiration für mich, das Thema Wilhelm Reich in Berlin systematisch anzugehen.

Nellie Thompson verhalf mir zu dem im Anhang abgebildeten Foto von Wilhelm Reich, Simone Faxa und Peter Nöemaier unterstützten mich bei der Suche nach einem passenden Freud-Foto.

Christian T. Flierl, Grit Sündermann und Melanie Fehr waren mir kompetente und jederzeit ansprechbare Partner und Lektoren bei der Kooperation mit dem Psychosozial-Verlag. Dessen Leiter Hans-Jürgen Wirth habe ich ohnehin für einen inzwischen langjährigen konstruktiven Kontakt zu danken und für seine Geduld und Unterstützung beim langwierigen Entstehungsprozess dieses Buches.

Dem Betreuer meiner Dissertation Volker Hess und seiner Sekretärin Stefanie Voth möchte ich ebenfalls für ihre Hilfe beim Erarbeiten der dieser Publikation zugrunde liegenden Promotionsschrift Dank sagen.

Jan Petzold danke ich dafür, dass er mit viel Engagement und Können den Dokumenten-Anhang des Buches gestaltet hat.

Für unterschiedlichste Unterstützung bedanke ich mich ferner bei Sigrun Anselm, Henry Biebaß, Bernd Bocian, Volker Böhnigk, Michael B. Buchholz, James DeMeo, Klaus Dörner, Ralf Dose, David J. Fisher, Michael Giefer, Hans Hautmann, Roland Kaufhold, Frank Thomas Koch, Carsten Krinn, Michael Kohlstruck, Hermann Kurzke, Harald Jenner, Michael Laschke, Wolfgang Leuschner, Einhart Lorenz, Marie Luniak, Hans-Joachim Maaz, Wolfgang Maderthaner, Angela Mai, Ulrike May, Anneros Meischner-Metge, Peter Nasselstein, Annegret Neupert, Gerda Pagel, Ernst Piper, Ute Räuber, Johannes Reichmayr, Steffie Richter, Volker Roelcke, Bernd Rother, Gerhard Sauder, Hans-Rudolf Schiesser, Andreas Schmeling, Melanie Scholz, Bettina Schröder, Hubert Speidel und Sybille Steinbacher.

Nicht zuletzt danke ich für gute Zusammenarbeit dem Wilhelm Reich Infant Trust, Rangeley, Maine (USA), insbesondere dessen Vorstandsmitgliedern Mary Boyd Higgins, Kevin Hinchey und James Strick. Hilfe erhielt ich auch von den freundlichen Archivaren der Countway Library of Medicine an der Bostoner Harvard University, wo der Reich-Nachlass lagert.

Im Berliner Forum zur Geschichte der Psychoanalyse hatte ich die Möglichkeit, Teile der Arbeit vorab zu diskutieren und von dem in diesem Kreis angesammelten Wissen wesentlich zu profitieren.

Mein besonderer Dank gilt meiner Partnerin Gudrun Peters.

Andreas Peglau, Berlin im Juni 2013

 

 

 

»Die Psychoanalyse ist selbstverständlich ›unpolitisch‹. Sie […] ist […] eine naturwissenschaftliche Disziplin, die schon durch ihr Forschungsobjekt in die großen sozialen Fragen nur als unparteiliche, der Wahrheit dienende Instanz einzutreten vermag«

Felix Schottlaender (1931, S. 387).

 

»Der Wissenschaftler, der glaubt, durch Vorsicht und ›Unpolitischsein‹ seine Existenz zu retten und durch die Verjagung und Einkerkerung auch der Vorsichtigsten nicht eines besseren belehrt wurde, verwirkt den Anspruch, jetzt ernst genommen zu werden und später einmal am wirklichen Neubau der Gesellschaft mitzuwirken«

Wilhelm Reich (1933b, S. 9).

 

»Unsere [ärztliche – A.P.] Gesellschaft sieht es als eine ihrer vornehmsten Aufgaben an, den Ärzten, den Pädagogen, überhaupt allen Volksgenossen, die sich mit Menschenführung befassen, nicht zuletzt auch in der Wehrmacht und in der Wirtschaft, zuzurufen: Vergeßt das Unbewußte nicht! Glaubt doch nicht den Menschen als Ganzes zu erfassen, wenn ihr vor dem Unbewußten die Augen schließt!«

Matthias Heinrich Göring (1940, zitiert in Bilz 1941, S. 8).

 

»Seit der letzte [psychoanalytische – A.P.] Kongreß vor elf Jahren stattfand, haben große und furchtbare Ereignisse die Welt erschüttert. […] Natürlich ist die Versuchung groß, neben denjenigen Faktoren, denen unser spezielles Interesse gilt, auch noch sozio-politische Faktoren zu berücksichtigen und unsere Ergebnisse soziologisch zu reformulieren. Doch können wir stolz darauf sein, dieser Versuchung – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen – energisch widerstanden zu haben«

Ernest Jones (1949, zitiert in Dahmer 2009g, S. 352).

 

Andreas Peglau: Unpolitische Wissenschaft?
Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus

unpol_wissenschaft

Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse
Verlag: Psychosozial-Verlag
635 Seiten, Gebunden, 148 x 210 mm
Erschienen im August 2013
Mit einem Vorwort von Helmut Dahmer und einem ausführlichen Dokumentenanhang
ISBN-13: 978-3-8379-2097-0, Bestell-Nr.: 2097