Die Marxistische Arbeiterschule MASCH (Auszug 2 aus „Unpolitische Wissenschaft?“)

von Andreas Peglau

Das Schickler-Haus in Berlin-Mitte, in dem sich die MASCH-Zentrale befand.

Das Schickler-Haus an der Litten-Straße, wenige hundert Meter vom Alexanderplatz entfernt. Eine ganze Etage nahm hier die MASCH-Zentrale ein, in der u.a. Wilhelm Reich Lehrveranstaltungen durchführte. (Foto Gudrun Peters 2007)

1925/26 von der KPD in Berlin initiiert, nahm mit der Gründung der MASCH ein in mancher Hinsicht wohl einmaliges, zu Unrecht fast vergessenes Bildungsprojekt seinen Anfang. Ziel der MASCH war es, Arbeitern Bildung zu vermitteln, vor allem Grundkenntnisse des Marxismus, für den auch hier ein Unfehlbarkeitsanspruch angemeldet wurde: »Keine soziale Frage, die nicht der Marxismus beantwortet, […] keine politische Situation, die nicht der Marxismus aufzuhellen vermöchte« (Gerhard-Sonnenberg 1976, S. 73). Als Gegner bzw. Konkurrenten sah man »die bürgerlichen und sozialistischen sogenannten ›Hochschulen‹«. Offenbar war die MASCH im Vergleich zu diesen recht erfolgreich, zumindest die SPD-nahen Hochschulen wurden wohl nicht in gleichem Maße von der Berliner Bevölkerung genutzt (Glaessner 1989, S. 267)131 – was Vertretern der bis 1930 in Deutschland, bis 1932 in Preußen Regierungsverantwortung (mit-)tragenden Sozialdemokratie negativ aufstieß:

»Beunruhigt über die ›rein zahlenmäßigen Erfolge‹ der MASCH empfahl Leo Friedjung in der Monatsschrift des Reichsausschusses für Sozialistische Bildungsarbeit, ›die nötigen Schlüsse für […] die eigene Schulung der Parteigenossen und der mit der Bewegung Sympathisierenden zu ziehen‹, denn ›tausende junge Arbeiter gehen durch die Kurse der MASCH und werden dort im Sinne der Anweisungen der Komintern dressiert, tausende neuer Propagandisten werden hier gezüchtet‹« (Wollenberg o.J.).

Die Marxistische Arbeiterschule ging aber in der praktischen Arbeit offenbar recht undogmatisch vor. Schon im Untertitel bezeichnete sie sich als »Die Hochschule der Werktätigen«. Sie wurde auch von Angehörigen anderer sozialer Gruppen wie der »Intelligenz« intensiv genutzt, und es wurde offenbar niemand ausgeschlossen, weil er zur »Bourgeoisie« gehörte (Gerhard-Sonnenberg 1976, S. 81, 154). Teilweise wurden sogar »Vertreter gegnerischer Auffassungen« gezielt eingeladen. Ein »interner Bericht« von 1927/28 gab an, dass drei Viertel der Hörer parteilos seien (Krinn 2007, S. 459).

Schnell weitete sich das MASCH-Konzept zu einer »linken« Volksuniversität aus; die Anzahl der Hörer stieg von 25 (1925) auf mehr als 5.000 (1931/32) pro Quartal, die Zahl der Dozenten auf 160 (Gerhard-Sonnenberg 1976, S. 80f.). Teilweise kamen 700 Hörer zu einer einzigen Abendveranstaltung. Allein im Wintersemester 1929/30 fanden 613 Abendvorlesungen statt, 1932 gab es etwa 2.000 Kurse. Sowohl das technische Personal als auch die Lehrkräfte arbeiteten unentgeltlich (ebd., S. 76f.). Ein Teil der Dozenten war weder KPD-Mitglied noch sonst irgendwie parteilich gebunden. Zum entscheidenden Kriterium für die Aufnahme als MASCH-Lehrer sei immer mehr geworden: »Bist auch du gegen den Faschismus?« (ebd., S. 154). Auf der 1932er Januarausgabe der MASCH-Zeitschrift Der Marxist prangte der Spruch: »Gegen die Nazi-Theorien!«

Als Dozenten betätigten sich zum Beispiel die Architekten Bruno Taut, Walter Gropius, der Regisseur Erwin Piscator, die Schauspielerin Helene Weigel, der Fotokünstler John Heartfield, die Schriftsteller Egon Erwin Kisch, Erich Weinert, Ludwig Renn und Anna Seghers, der Arzt und Schriftsteller Friedrich Wolf, der Komponist Hanns Eisler, der Physiker Albert Einstein, der Jurist Felix Halle, der Soziologe Karl August Wittfogel sowie prominente Theoretiker und Praktiker kommunistischer Politik wie Franz Dahlem, Hermann Duncker, Fritz Heckert, Edwin Hörnle, Alfred Kurella, Jürgen Kuczynski, Willi Münzenberg, Theodor Neubauer und Ernst Schneller. Die Psychotherapeuten waren zusätzlich zu Wilhelm Reich unter anderem vertreten durch zwei weitere »Links-Freudianer« – Barbara Lantos und Annie Reich –, durch den späteren »Vater« der Gestalttherapie Fritz Perls und den Kommunisten und Individualpsychologen Manès Sperber (Gerhard-Sonnenberg 1976, S. 195f.; Bocian 2007, S. 276ff.; Patka/Stančić 2005, S. 52f., 186). Künstler wie Bertolt Brecht und Kurt Weill unterstützten die MASCH, indem sie ihre Wohnungen zur Verfügung stellten, nachdem die SA 1931 mehrere Vorlesungsräume zerstört hatte (Gerhard- Sonnenberg 1976, S. 75). Direktor der MASCH war der Ehemann von Anna Seghers, Johann-Lorenz Schmidt.

Aus dem Verzeichnis der Lehrerinnen und Lehrer 1931/32

Lehrkräfteverzeichnis 1931/32

Zu den vielfältigen Kursthemen gehörten neben dem Marxismus Sozial- und Kommunalpolitik, Recht, Kultur, Künste, Literatur, Film, Radio, Fotografie, Theater, Musik, Naturwissenschaften (Einstein sprach darüber, »Was der Arbeiter von der Relativitätstheorie wissen muss«), Medizin, Sport, Sexualität, Kinder, Erziehung, die Sowjetunion, Fremdsprachen (einschließlich Chinesisch, Japanisch und Esperanto), Psychoanalyse und Individualpsychologie, Rhetorik, Bibliothekswesen, Maschinen- schreiben, Orthografie und Grammatik, Rechnen sowie Probleme von Frauen und Jugendlichen. Auch der Faschismus in seiner italienischen und deutschen Ausprägung wurde immer wieder analysiert (ebd., S. 124, 136, 172). Diavorführungen, Touren durch Museen, Ausstellungen, Fabriken oder durch Magnus Hirschfelds Institut für Sexualforschung ergänzten das Angebot. In diesen Kontext passte Reich mit seiner Sexualökonomie gut hinein. Bei Gabriele Gerhard-Sonnenberg (ebd., S. 127) erfährt man dazu:

»Im Bereich Naturwissenschaften und Medizin konnte der bekannte marxistische Psychoanalytiker Wilhelm Reich für die Kurse ›Marxismus und Psychologie‹ und ›Die Geschichte der Sexualmoral‹ gewonnen werden. Außerdem leitete er eine Arbeitsgemeinschaft zur Ausbildung von Referenten für marxistische Sexualpolitik, wozu jedoch die Teilnahme an marxistischen Grundkursen notwendig war.«

Wie schnell Reich auch hier Anschluss fand, belegen Mitteilungen in KPD- bzw. KPD-nahen Zeitungen. Am 8.3.1931 wies das KPD-Zentralorgan Rote Fahne auf den an der MASCH fortgesetzten (!) Kurs »Psychoanalyse und Marxismus: Dr. Reich« hin. Gleiches war am 9.3.1931 in der Welt am Abend zu lesen. Am 11.4.1931 kündigte die Rote Fahne unter der Überschrift »Marxistische Sexualpolitik« an:

»Dr. Wilhelm Reich, der Verfasser zahlreicher sexualtheoretischer Schriften, der gewesene Leiter der Wiener Sexualberatungsstelle, beginnt am Montag, den 13. April, abends, Punkt 20 Uhr, im Zentralschullokal der Marxistischen Arbeiterschule, Gartenstraße 25, am Stettiner Bahnhof, seine Vortragsreihe über marxistische Sexualökonomie und Sexualpolitik. Heute, wo der Kampf um den §218, im Zusammenhang mit der Verhaftung und empörenden Behandlung von Dr. Friedrich Wolf und Frau Dr. Kienle, aktueller und notwendiger als je zuvor sind, werden die Vorträge von Dr. Wilhelm Reich bestimmt ein besonderes Interesse erwecken. Hörgebühr Mitglieder proletarischer Organisationen 30 Pf. [Pfennig], Erwerbslose 20 Pf., sonst 50 Pf.«

Auf dem Hof dieses Schulkomplexes in der Gartenstraße (Berlin-Mitte) befand sich 1931 noch das zentrale MASCH-Schulungslokal. Im Zweiten Weltkrieg wurde Letzteres zerstört.

Auf dem Hof dieses Schulkomplexes in der Gartenstraße (Berlin-Mitte) befand sich 1931 noch das zentrale MASCH-Schulungslokal. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört.

Möglicherweise enthält diese Ankündigung die erste öffentliche Erwähnung der Reichschen Wortschöpfung »Sexualökonomie« im Sinne einer vom ihm entwickelten, Aspekte von Psychoanalyse und Marxismus zu etwas Neuem verbindenden Theorie. Parallel dazu verwandte er aber den Begriff auch weiter im Freudschen Sinne. Dieser hatte vielfach von »ökonomischen« Verhältnissen in der Seele gesprochen und damit die energetischen Wechselwirkungen seelischer Instanzen wie Ich, Es, Über-Ich (vgl. Nagera 1974, S. 348–354) gemeint. Am 13.4.1931 war von Reich als »Verfasser zahlreicher bekannter Werke« die Rede, als das KPD-Zentralorgan erneut auf seine Veranstaltungsreihe in der MASCH hinwies.

RF MASCH 1 Kopie

Die von der Roten Fahne geäußerte Erwartung, Reichs Kurs dürfte auf besonderes Interesse stoßen, scheint berechtigt gewesen zu sein. Reich schrieb (und das ist auch schon fast alles, was man bei ihm selbst über seine MASCH-Aktivitäten erfährt):

»Die Marxistische Arbeiterschule […] veranstaltete Kurse über die Themen ›Marxismus und Psychologie‹ und ›Sexuologie‹. Im Sommersemester 1931 hielt ich in einer Schule in der Gartenstraße den ersten, im Herbst den zweiten Kurs ab. Die Teilnehmerzahl stieg von Stunde zu Stunde. Im Sexuologiekurs erreichte sie die Höhe von 250 Hörern aus allen Schichten. Im ersten Kurs, der schwieriger war, saßen politische Funktionäre, Studenten, Lehrer etc. Es waren ungefähr 80 bis 100. Meine Schriften wurden durch den Apparat der MASCH ins ganze Reich geleitet« (Reich 1995, S. 153).

Im MASCH-Programmheft für das Wintertrimester 1931/32 wurde Reichs »Geschichte der Sexualmoral« (vermutlich die Fortführung des »Sexuologiekurses«) mit einer Dauer von vier Doppelstunden ausgewiesen. Auch der »schwierigere« Kurs scheint weitergeführt worden zu sein: Das Programm verzeichnete elf von Reich geleitete Doppelstunden innerhalb der »Arbeitsgemeinschaft zur Ausbildung von Referenten für marxistische Sexualpolitik«. Dafür war als »Vorbedingung« die »Teilnahme an marxistischen Grundkursen« verlangt (MASCH-Programmheft 1931/32, S. 15f., in LA A Pr.Br.Rep. 030/95/21756).

MASCH-Programm-Auszug

Andieser Stelle befand sich das ebenfalls durch Kriegseinwirkung zerstörte Schulungslokal "Rosenthaler Platz". Die Bezeichnung ist allerdings nicht korrekt. Aus Sicherheistgründen wurde zumeist die tatsächliche Adresse - Kastanienallee - nicht angegeben.

Hier in der Kastanienallee 63 befand sich das im Programmheft aus Sicherheitsgründen mit „Rosenthaler Platz“ angegebene Schulungslokal: eine Gaststätte des Sportvereins „Fichte“. Sie wurde ebenfalls im Krieg zerstört.

Da auch für andere MASCH-Kurse ähnlich hohe Hörerzahlen angegeben werden (Kinner/Müller 1976, S. 5; Gerhard-Sonnenberg 1976, S. 125, 173), erscheinen Reichs obige Mitteilungen dazu glaubhaft. Und was den landesweit wirkenden »Apparat der MASCH« betrifft: Auch diese Formulierung ist nicht übertrieben. MASCH-Lehrräume waren über ganz Berlin verstreut, ab 1932 befand sich nicht nur die MASCH-Zentrale mitten in der Berliner Innenstadt, im repräsentativen Schickler-Gebäude, sondern auch die zwei große Räume umfassende Bibliothek, die intensiv genutzt wurde (ebd., S. 116).

Fernkurse wurden eingerichtet, Lehrmaterial zum Selbststudium herausgegeben und verschickt (ebd., S. 112). Und das MASCH- Konzept weitete sich schnell aus: 1932 gab es von der Berliner MASCH koordinierte und angeleitete MASCH-Ableger in 36 großen deutschen Städten sowie zahlreiche Filialen in Kleinstädten. MASCH-Neugründungen in Zürich, Wien und Amsterdam waren erfolgt, Vorbereitungen unter anderem für London getroffen (ebd., S. 95; Kinner/Müller 1976, S. 10f.).

Dass hier also eine effektive Weitergabe Reichscher Schriften an aufnahmebereite Leserinnen und Leser erfolgte, ist plausibel. Dabei dürfte es sich unter anderem um jene Schriften gehandelt haben, welche auch die KPD in ihren internen Vertrieb aufnahm: Der Einbruch der Sexualmoral, Der sexuelle Kampf der Jugend, Sexualerregung und Sexualbefriedigung sowie Annie Reichs Wenn dein Kind dich fragt und Das Kreidedreieck, ebenfalls eine – wohl kollektiv erarbeitete – Aufklärungsbroschüre (Reich 1995, S. 167f.).

Bereits 1931 wurde Reich zu den »besten Lehrkräften« der MASCH gezählt (Der Marxist 1971, erste Umschlagseite) und ins Redaktionsgremium der MASCH- Publikation Der Marxist aufgenommen, an der unter anderem Hermann Duncker, Felix Halle und Jürgen Kuczynski mitarbeiteten.

Der Marxist, Reprint 1971

Der Marxist, Reprint 1971

Dass Reich größere Zuhörermengen anzog und fesselte, dürfte der Grund gewesen sein, ihn im 700 Gäste fassenden, großen Vortragssaal der MASCH136 einen der seltenen »Diskussionsabende« gestalten zu lassen, zu denen »auch die Vertreter der gegnerischen Anschauungen eingeladen« wurden. Am 4.3.1932 sollte er hier zum Thema »Kapitalistische und sozialistische Sexualpolitik« sprechen (MASCH-Programmheft 1931/32, S. 21) – was dann jedoch wegen »Verhinderung des Referenten auf April verschoben« wurde (Berlin am Morgen, 4.3.1932).

Da Reich zumindest bis November 1932 an der MASCH lehrte (noch am 31.10.1932 begann er einen auf fünf Doppelstunden angelegten Kurs »Marxismus und Psychoanalyse«), konnte er hier insgesamt sicherlich mehreren Tausend Menschen aus dem »links«-demokratischen Spektrum, darunter etlichen »Multiplikatoren«, seine Standpunkte ausführlich darlegen und einer noch größeren Zahl in gedruckter Form zugänglich machen.

Die freundschaftliche Beziehung, die zwischen ihm und dem ebenfalls als MASCH-Dozent tätigen Manès Sperber entstand, ermöglichte Reich zusätzliche öffentliche Wirksamkeit: Im Rahmen der KPD-nahen »Arbeitsgemeinschaft marxistischer Sozialarbeiter« diskutierten beide am 18.1. und 1.2.1933, möglicherweise aber auch schon zuvor, vor 300 bzw. 400 Zuhörern über »Die sexuelle Frage in der bürgerlichen Gesellschaft«.

Es ist zu anzunehmen, dass Reichs Konflikte mit der KPD-Führung spätestens im Januar 1933 seiner Lehrtätigkeit ein Ende setzten. Im Februar 1933, in einem der letzten MASCH-Programmhefte, war er dann nicht mehr als Dozent verzeichnet.

Schon 1932 war die MASCH zunehmend Ziel staatlicher Repressionen geworden. Am 25.11.1932 wurde das Zentralgebäude von »Schupo« und »Politischer Polizei« besetzt, mehrere Personen verhaftet, das Lehrerverzeichnis beschlagnahmt. Hausdurchsuchungen bei Dozenten folgten (Gerhard-Sonnenberg 1976, S. 141). Im Frühjahr 1933 lösten die Nationalsozialisten die Marxistischen Arbeiterschulen auf.

Wahrscheinlich gehörte auch Bertolt Brecht zu Reichs MASCH-Hörern. Schon 1930 hatte Brecht Reichs Aufsatz Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse durchgearbeitet (dokumentiert in Johler 2007, S. 170). In Berlin angekommen, besuchte Brecht MASCH-Kurse. In der ersten Hälfte der 1930er Jahre standen er und seine Partnerin Helene Weigel mit einigen Mitgliedern von Reichs skandinavischer Sex-Pol-Gruppe in losem Kontakt (Rothländer 2010, S. 117f.). 1942, längst im (in- zwischen US-amerikanischen) Exil, erinnerte sich Brecht an Reich: In seinem eigenen Typoskript der Flüchtlingsgespräche nahm er noch einmal Bezug auf ihn. Unter den wohl auf die Psychoanalyse abzielenden Satz »Eine Zeit lang waren die Intellektuellen auch froh, gegenüber den stark langweiligen Nachweisen der Marxisten, dass das Ekonomische alles bestimmt, eine Konkurrenztheorie zu haben, nachdem das Geschlechtliche alles bestimmt«, schrieb Brecht mit der Hand: »W. Reich Vater- komplex der S.P.D.« (Brecht-Archiv Berlin 161/25). Dies bezog sich vielleicht auf eine Überlegung, die sich auch bei Ossip Flechtheim findet:

»Ja, wie in der Familie die Tochter (und noch öfter der Sohn!) zwar gegen Mutter oder Vater rebelliert, dabei aber doch Zeit ihres Lebens, wenn auch negativ, von dem Elternteil, gegen den sie sich auflehnt, bestimmt bleibt, so kommt auch die spätere KPD nie ganz vom ›Vater- oder Mutterkomplex‹ los« (Flechtheim 1976, S. 289).

Da aber nicht nur die KPD 1919 aus der SPD hervorgegangen war, sondern die SPD selbst wiederum im 19. Jahrhundert aus einer Bewegung herauswuchs, die »ursprünglich sich selbst als kommunistisch bezeichnete« (ebd., S. 77), gab es hier vielfältige »Eltern-Kind«-Verstrickungen. Möglicherweise hatte ja auch Reich in seinen MASCH-Vorlesungen auf Ähnliches hingewiesen.

Noch weit größeres Gewicht als in der MASCH sollte Reich jedoch in einer anderen KP-nahen Organisation erlangen.

 


 

Einer der wenigen Orte, die noch an die MASCH erinnern:  Hermann-Duncker-Denkmal am S-Bahnhof Karlshorst, an der ehemaligen Hermann-Ducker-Straße., jetzigen Treskow-Allee (Foto: A. Peglau 2015)

Einer der wenigen Orte, die noch an die MASCH erinnern: Hermann-Duncker-Denkmal am S-Bahnhof Karlshorst, an der ehemaligen Hermann-Ducker-Straße., jetzigen Treskow-Allee (Foto: A. Peglau 2015).

Andreas Peglau: Unpolitische Wissenschaft?
Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus

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Buchreihe: Bibliothek der Psychoanalyse
Verlag: Psychosozial-Verlag
635 Seiten, Gebunden, 148 x 210 mm
Erschienen im August 2013
Mit einem Vorwort von Helmut Dahmer und einem ausführlichen Dokumentenanhang
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