Sigmund Freud in Weimar. Ein Foto aus dem Jahr 1911 – und eine Momentaufnahme der psychoanalytischen Bewegung

In der Psychoanalyse-Geschichtsschreibung hat es lange Zeit wenig Beachtung gefunden, dass ihre wichtigsten Vertreter 1911 in der Goethe-und-Schiller-Stadt zusammentrafen. Aber auch dieser Kongress ist aus mehreren Gründen genauerer Betrachtung wert.

von Andreas Peglau [1]

Franz Vältl: Kongressfoto 1911, zur Verfügung gestellt von Michael Schröter.

Franz Vältl: Kongressfoto 1911, Kopie von Michael Schröter nach einem Originalabzug von Tina Joos-Bleuler. Zum Vergrößern bitte hineinklicken: Es lohnt sich!

Es gibt kein zweites Bild, auf dem so viele der wesentlichen frühen Psychoanalytiker versammelt sind. Aufgenommen wurde es in Weimar, am Donnerstag, dem 21. oder Freitag, dem 22. September 1911. An diesen beiden Tagen fand hier der III. Psychoanalytische Kongress statt.

Dass die Entscheidung für Weimar gefallen war, hatte vor allem pragmatische Gründe: Man suchte nach einem Ort, der für die meisten mit der Psychoanalyse Beschäftigten relativ leicht erreichbar war. Da sich diese überwiegend von Berlin, Wien und Zürich aus auf den Weg zu machen hatten, hielt der Berliner Arzt und Analytiker Karl Abraham[2] das zentral gelegene Weimar für „sehr günstig“. Und er ergänzte: „Die Stadt als solche wird allen sympathisch sein“. [3]

Als „Weimarer Hauptquartier“ wählte Abraham das Hotel „Erbprinz“, über das es in einer zeitgenössischen [4] Anzeige heißt: „Haus 1. Ranges am Markt, in unmittelbarer Nähe des Schloßparkes und aller Sehenswürdigkeiten. 60 Zimmer und Salons […]. Vollständig renoviert“.

Der "Erprinz" um 1910. Foto zur Verfügung gestellt von Stephan Liebig.

Der „Erbprinz“ um 1910. Foto zur Verfügung gestellt von Stephan Liebig.

Das Gebäude konnte zudem auf eine bemerkenswerte Geschichte zurück blicken. 1708 bezog hier Johann Sebastian Bach nebst Familie seine Dienstwohnung als Hofmusiker. 1749 entstand in einem Gebäudeteil das Gasthaus „Zum Erbprinzen“, welches später auf das gesamte Haus ausgeweitet wurde und sich „zu einem der bedeutendsten Gasthäuser der Stadt und […] zum Zentrum geistig-kulturellen Lebens“ entwickelte: „Hier saßen unter anderem der Weimarer Großherzog Carl August, Goethe, Schiller und Wieland zusammen“. [5] Auch berühmte Musiker waren weiterhin zu Gast: Franz Liszt, Richard Wagner, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Hector Berlioz, Niccolò Paganini, Carl Maria von Weber. [6]

1911 gesellte sich nun ein 55-jähriger Wissenschaftler hinzu, dessen Ruhm gerade im Entstehen war: Sigmund Freud. Anlässlich des Weimarer Kongresses erhielt er, seinem Wunsch gemäß, „einen Raum mit Badezimmer“ im „Erbprinz[7]

Das von Freud genutzte Zimmer Nr .15, das Adolf-von-Menzel-Zimmer. Foto zur Verfügung gestellt von Carl Vetter.

Das von Freud genutzte Zimmer Nr .15, das Adolf-von-Menzel-Zimmer. Foto zur Verfügung gestellt von Carl Vetter, der dieses Zimmer im 1911 von seinem Großvater geführten Hotel „Erbprinz“ identifizierte.

Vermerk über die Zimmer für Freud und Ferenczi im Gästebuch des "Erbprinz".

Vermerk über die Zimmer für Freud und Ferenczi im Gästebuch des „Erbprinz“. Zur Verfügung gestellt durch Marina Reichhardt (Stadtmuseum Weimar).

Auch im angrenzenden Hotel „Zum Elephanten“ mussten Zimmer bestellt werden, um die insgesamt 55 Kongress-Teilnehmer unterzubringen – so lässt es sich der Einladung zur Tagung entnehmen. [8] Die Anreise erfolgte offenbar am 20. September, [9] da die „Verhandlungen“, am 21. September schon um 8 Uhr beginnen sollten. Um 12 Uhr unterbrach an diesem Tage ein „Gemeinsames Mittagessen“ im Hotel „Erbprinz“ das Programm. Für den Freitag, an dem erneut 8 Uhr als Beginn angesetzt war, wurde kein Mittagessen mehr angekündigt – vermutlich rechnete man damit, schon früher zum Ende zu kommen, weil man für die geplanten fünf Referate dieses Tages eine Vortragslänge von je 20-30 Minuten vorgegeben hatte.

Möglicherweise gehörte es dann bereits zum Ausklang des Treffens, dass sich 48 der Anwesenden in den Hotelgarten [10] begaben und dort ablichten ließen. Darauf, welche Themen sie während der anderthalb Tage in Weimar beschäftigten, welche Bedeutung dieses Ereignis für die Psychoanalyse hatte und wie das Echo der Weimarer Zeitungen ausfiel, werde ich im Anschluss eingehen. Doch auch das Gruppenbild ist genauerer Betrachtung wert.

Im Zentrum befindet sich angemessener Weise Sigmund Freud.

Freud 1911

Nur elf Jahre zuvor war er mit einer umfassenden Darstellung seiner Schöpfung an die Öffentlichkeit getreten. [11] Erwähnenswerter öffentlicher Erfolg, gepaart mit teils heftiger Ablehnung, stellte sich jedoch erst allmählich ein. 1910 wurde die Internationale Psychoanalytische Vereinigung (IPV) gegründet. Im September 1911 hatte sie 106 Mitglieder. [12]

Als Präsident fungierte der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung – auf dem Foto rechts neben Freud.

Jung

Leicht unterhalb links von Freud steht der Ungar Sándor Ferenczi, einer von Freuds wenigen engeren Freunden – als Therapeut, Autor wie Organisator eine der zentralen Figuren der IPV.

Ferenczi

Lou Andreas-Salomé, die in der untersten Reihe vor Ferenczi sitzt, war bereits eine prominente Schriftstellerin, zudem als zeitweise Begleiterin von Friedrich Nietzsche und Rainer-Maria Rilke bekannt, als sie hier in Weimar erstmals mit Freud zusammen traf.

Lou

Das sollte ihr Leben deutlich verändern. Nur zwei Jahre später war sie eine der ersten weiblichen Psychoanalytikerinnen, bald zudem eine der engsten Vertrauten von Sigmund Freud und dessen Tochter Anna.

Auch alle anderen Damen, einschließlich der einzigen „mitreisenden Ehefrau“, Emma Jung (5. v. r., unterste Reihe), hatten ein eigenes Interesse an der Psychoanalyse bzw. waren bereits oder wurden später therapeutisch tätig.

Um nur eine weitere von ihnen zu benennen: Maria Stach von Goltzheim (4. v. r., sitzend, mit Haarschmuck), ehemalige Gattin des Philosophen Theodor Lessing, betätigte sich „nachweislich bis 1912 journalistisch und essayistisch und zeigte dabei besonderes Interesse für die […] ‚Frauenfrage‘“. [13]

Stach

Dass sie – unter dem Namen Maria von Stach – damit ebenfalls Bekanntheit erlangt hatte, wird dadurch belegt, dass sie in der einzigen ausführlicheren Mitteilung einer Weimarer Zeitung über den Kongress (siehe unten) als „Frau von Stach, eine Führerin der Frauenbewegung, aus Berlin“ gewürdigt wurde.

Internationalen Ruf als Neurologe hatte der aus Boston zur Weimarer Tagung angereiste James J. Putnam (als 3. v. r. in der 2. Reihe stehend).

putnam

Sein Kommen signalisierte zugleich den bevorstehenden Durchbruch der Psychoanalyse in den Vereinigten Staaten von Amerika. Vier Monate zuvor war mit Putnam als Präsident die American Psychoanalytic Association gegründet worden.

Auch C. G. Jungs vormaliger, ebenfalls schon renommierter Chef war zugegen: Eugen Bleuler (2.v. lks. in der untersten Reihe, sitzend).

Bleuler

Er hatte das Wort „Tiefenpsychologie“ eingeführt, das Freud für die Psychoanalyse übernahm. Rang und Namen sollte sich später auch Ludwig Binswanger (2. v.lks., stehend) erwerben: als Begründer der Daseinsanalyse.

An weiteren Analytikern, die für die Entwicklung der Psychoanalyse herausragende Bedeutung hatten, sind hier abgebildet: Max Eitingon [14] (links oberhalb von Ferenczi), Paul Federn [15] (leicht oberhalb rechts von Freud mit langem dunklen Bart), Karl Abraham (rechts neben Jung), Otto Rank [16] (ganz am linken Rand stehend) und Ernest Jones [17] (rechts neben Putnam stehend bzw. 2. v.r. in der 2. Reihe).

Unter den sieben noch immer nicht identifizierten Personen auf der Fotografie dürften sich die beiden in Thüringen tätigen psychoanalytischen Pioniere Ulrich Vollrath (Jena) und Georg Wanke (Friedrichroda) [18] befinden.

Die Harmonie, die das Bild ausstrahlt, war jedoch nur eine momentane, eine Ruhe vor und nach dem Sturm. Oder, wie Freud es formulierte: „Die Adlersche Abfallbewegung vollzog sich vor dem Kongress in Weimar 1911; nach dem Kongress setzte die der Schweizer ein“. [19] Das bezog sich zum einen darauf, dass erst im März 1911 Alfred Adler den Kreis der Wiener Analytiker verlassen hatte, anschließend erfolgreich seine Individualpsychologie entwickelte. Wilhelm Stekel (auf dem Foto ganz rechts in der 2. Reihe stehend, mit Bart), enger Mitstreiter Freuds sowie einer der erfolgreichsten Publizisten aus dem Kreis der frühen Analytiker, hatte sich in diesem Loyalitätskonflikt noch für Freud entschieden. Doch schon 1912 sollte es auch zwischen ihm und Freud zum endgültigen Bruch kommen. [20]

Der bedeutsamste jener Schweizer, welche sich im Brennpunkt der nächsten Spaltung befanden, war Carl Gustav Jung. Dieser hatte 1906 den Kontakt zu Freud gesucht, der in ihm binnen Kurzem seinen „Kronprinzen“ und Nachfolger sehen wollte – was Jung sowohl schmeichelte als auch überforderte und in seiner Eigenständigkeit beschnitt. Im September 1911 hatte diese fragile Männerfreundschaft jedoch noch Bestand. Aber schon Jungs Körperhaltung auf dem Foto deutet auf ein Problem hin: Aufgerichtet hätte er Freud deutlich überragt – und dieses Faktum scheinen beide in seiner Symbolträchtigkeit als so störend empfunden zu haben, dass es überspielt wurde. Der 1,85 Meter große Jung beugte sich jedenfalls nach vorn und – so berichtet Ludger Lütkehaus – der nur mittelgroße Freud stellte sich für diese Aufnahme auf eine Kiste oder trat, was wahrscheinlicher ist, einfach eine Treppenstufe höher als alle anderen in seiner Reihe. [21] Wenige Monate nach dem Kongress sollten die Konflikte zwischen Freud und Jung allmählich offen hervor treten und bis 1914 auch hier zu Trennung und erbitterter Gegnerschaft führen. [22]

Darauf, dass das Weimarer Treffen gleichfalls nicht in völliger Eintracht verlief, deutet die Abwesenheit eines Kongressteilnehmers beim Fototermin hin. Der schon damals populäre Sexualforscher Magnus Hirschfeld, 1910 Gründungsmitglied der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung, sah sich im Verlauf des Treffens durch C. G. Jung beleidigt, welcher offenbar auf Hirschfelds Homosexualität angespielt hatte. [23] Im Ergebnis verließ Hirschfeld die Berliner Gruppe. [24]

Auch ein von nun an wiederholt zu Spannungen führender Streitpunkt warf bereits seine Schatten voraus: Die Frage, ob „Laien“, also Nicht-Ärzte, sich als Psychoanalytiker bezeichnen und betätigen dürften, tauchte erstmals in einem Kongressprotokoll auf. Noch hieß es diesbezüglich moderat: „Eine zu große Liberalität ist nicht angezeigt. Der Grundcharakter der Analyse ist ein wissenschaftlicher, darum muss von den Mitgliedern wissenschaftliche Vorbildung und Tätigkeit verlangt werden“. [25] Später sollte Freud, der sich zeitlebens für die „Laienanalyse“ einsetzte, hier eine der empfindlichsten Niederlagen in seinen Auseinandersetzungen mit der IPV einstecken müssen – was dazu beitrug, dass sich die Psychoanalyse zunehmend der Medizin unterwarf.

Jedoch nicht nur die von der Kamera fest gehaltenen Akteure sind bei diesem Gruppenbild von Interesse. Sondern auch derjenige, der hinter der Kamera stand. Nachdem dieses Foto jahrzehntelang ohne Verweis auf dessen Urheber verwendet wurde, gelang es dem Psychoanalysehistoriker Michael Schröter durch den Prägestempel eines Originalabzugs aus dem Besitz der Bleuler-Enkelin Tina Joos-Bleuler den Namen desjenigen zu identifizieren, der das Bild aufgenommen hatte: Franz Vältl (1881-1953).

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Dieser war einer der wichtigsten und bekanntesten Weimarer Fotografen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Franz Vältl (Foto zur Verfügung gestellt von Bernd Mende)

Franz Vältl (Foto zur Verfügung gestellt von Bernd Mende)

Seit 1908 hatte der gebürtige Bayer ein eigenes Atelier in der Stadt und war später Obermeister der Fotografen-Innung.

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Er galt als „Pionier der Kleinbildfotografie“ und gab Spezialkurse zur Ausbildung von Fachfotografen in der Kleinbildtechnik an der Staatlichen Hochschule für bildende Kunst. [26]

Kommentare von ihm zu diesem Foto oder gar weitere bei dieser Gelegenheit entstandene Bilder sind bedauerlicherweise nicht überliefert. [27] Aber sicherlich wird Vältl – er starb erst 1953 in Weimar – irgendwann mitbekommen haben, dass zwei der Menschen, denen er 1911 auf dem Innenhof des „Erbprinzen“ gegenüber stand, später Weltgeltung erlangten: Freud und Jung. Die Psychoanalyse entwickelte sich zu einer der wichtigsten Geistesströmungen des 20. Jahrhunderts – und Vältl hatte einen besonderen Moment dieser Entwicklung vor dem Vergessen bewahrt.

Für die damaligen Psychoanalytiker war das Weimarer Treffen „das hervorstechendste Ereignis des Jahres“ und überhaupt „einer der erfolgreichsten“ IPV-Kongresse. [28] Einleitend sprach Carl Gustav Jung von der „unter günstigen Auspizien und unter dem Schutze eines guten Genius loci“ tagenden Versammlung. [29] Hier spielte er sicher nicht zuletzt auf den Geist der Klassik, insbesondere Goethes Wirken in der Stadt an – was Jung umso bedeutungsvoller erschienen sein mag, als er die, offenbar falsche, Vermutung hegte, er sei dessen illegitimer Urenkel. [30] Zu Atmosphäre – und Nachwirkung – des Treffens trug sicherlich der eindrucksvoll ausgestattete große Saal des Hotels bei, in welchem die Vorträge gehalten worden sein dürften.

DEr große Sall des "Erprinzen". Foto zur Verfügung gestellt von Stephan Liebig.

Der große Saal des „Erbprinzen“. Foto zur Verfügung gestellt von Stephan Liebig.

Alle zwölf Referate standen, so Jones, „auf hohem Niveau“. [31] Freud machte Ergänzungen zu einem im selben Jahr erschienenen Buch: der Analyse des unter Paranoia leidenden sächsischen Regierungsbeamten Daniel Paul Schreber. [32] Bei diesem Vortrag erwähnte Freud erstmals bestimmte Hintergründe der Mythenbildung, die er 1912/13 in „Totem und Tabu“ ausführlich darstellen sollte. Jung thematisierte die Bedeutung von Symbolen in Psychose und Mythologie, Bleuler den Autismus, Abraham Aspekte manischer und depressiver Störungen, Sadger die Masturbation, Ferenczi die psychischen Hintergründe von Homosexualität. Nachdem zuvor bereits Putnam über die „Bedeutung der Philosophie für die weitere Entwicklung der Psychoanalyse“ gesprochen hatte, knüpfte auch das Referat von Hanns Sachs dort an: „Die Wechselwirkungen zwischen Psychoanalyse und Geisteswissenschaft“. Das wurde später im IPV-Korrespondenzblatt so zusammengefasst: „Die Psychoanalyse tat den ersten Schritt auf dem Gebiete der Geisteswissenschaften, als ihre Technik auf die biographischen Mitteilungen und die Werke berühmter Dichter angewendet wurde. Eine enge Beziehung entstand, als sich in Sitte und Sprache, Brauch und Religion die Bestätigung der durch die Analyse beim Träumer und Neurotiker gefundenen Resultate nachweisen ließ. Durch systematische Berücksichtigung des Unbewußten, das bei allen diesen Erscheinungen schöpferisch tätig war, und durch die Kenntnis seiner Ausdruckstechnik müssen sich auf zahlreichen Gebieten, wie Etymologie, Religionswissenschaft, Kunst- und Literaturgeschichte, Ästhetik, Folklore, Kultur- und Sittengeschichte, Philosophie, wertvolle Erkenntnisse zutage fördern lassen.“ [33]

Am Ende des Vortrages von Sachs wurde die bevorstehende Neugründung einer Zeitschrift angekündigt, die sich speziell diesen Themenkreisen widmen sollte. Im März 1912 erschien dann das erste Heft von „Imago. Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften“.

In den Weimarer Blättern gab es nur wenig Resonanz auf den Kongress. [34] Dagmar Blaha vom Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar ging auf meine Bitte hin die gesamte lokale Presse durch und fand nur drei Erwähnungen. Am 22. September 1911 wurde sowohl in der „Weimarischen Zeitung“, dem „Amtlichen Nachrichtenblatt für das Großherzogtum Sachsen“ wie auch in der „Weimarischen Landeszeitung Deutschland“ darüber informiert, dass die Tagung stattfand, in Letzterer auf Carl Gustav Jung als Präsidenten verwiesen.

Thüringer Illustrierte

Weimarische Landeszeitung 22.9.1911

In der Ausgabe vom 24. September 1911 findet sich ein etwa 30zeiliger Bericht. Hier wurde mitgeteilt, dass „viele berühmte Gelehrte, darunter auch besonders ausländische“ zugegen waren. Die meisten Referenten und einige weitere Teilnehmer wurden aufgezählt, Freud und Hirschfeld als bekannteste Personen hervorgehoben, abschließend Lou Andreas-Salomé und Maria von Stach gesondert benannt. Darüber hinaus hieß es: „Der Inhalt der Verhandlungen betraf neben rein fachwissenschaftlichen Fragen auch brennende Tagesfragen, z. B. über das Motiv der Nacktheit in Dichtung und Sage sowie über den mittelalterlichen § 175 des Strafgesetzbuches. Man sprach sich natürlich gegen ihn aus, so daß es auch die Rechtswissenschaft endlich tun muß, wenn sie sich nicht den Vorwurf zuziehen will, daß sie die Frage, was natürlich oder widernatürlich sei, sich statt von den Naturwissenschaftlern von den Theologen beantworten lassen will […].“ [35]

Weimarische Landeszeitung 24.9.1911

Weimarische Landeszeitung 24.9.1911

Auch in Weimar, so lässt sich daraus schlussfolgern, gab es Kreise, die der Psychoanalyse bereits Bedeutung beimaßen und die sie als auch sozialpolitisch relevant einstuften. Dass die Tagung für den sachsen-weimarischen Hof dagegen nicht von sonderlichem Interesse war, lässt sich aus dem ableiten, was mir Dagmar Blaha am Rande ebenfalls übermittelte: „Großherzog und Großherzogin waren an diesen Tagen nicht in Weimar anwesend, sondern hielten sich […] im Jagdhaus in Zillbach auf“. [36]

Leider gibt es kaum Mitteilungen darüber, was am Rande des Kongresses geschah, in welcher Weise man sich mit Weimar einließ oder wie man die Abende verbrachte. [37] Dem Tagebuch des sich allerdings eher als Außenseiter fühlenden Eugen Bleuler [38] lässt sich immerhin das Folgende entnehmen:

„20. [September 1911] 718 nach Weimar. […] Nachtessen (Hotel Erbprinz). Mäßig kurzweilig, machten ‚Conversation‘. War c. 11 [23 Uhr] der erste, der zu Bett gieng.

Do 21. [September 1911] Vorm.[ittags] & dann Nachm[ittags] 4 Uhr Sitzung Analytisch. Congress. Nachmittags & auch Ab[en]ds nach Nachtessen nicht mit den andern in’s Kaffee, um zu lesen.

Fr. 22. [September 1911] N[ach]m.[ittags] & Ab[en]ds mit den Andern, doch mäßig unterhalten am besten mit der Amerikanerin, Frau Hinkel.“ [39]

Ernest Jones teilt zudem mit, dass er und Hanns Sachs „Nietzsches Schwester und Biografin, Elisabeth Förster-Nietzsche“ im Nietzsche-Archiv aufsuchten: „Sachs erzählte ihr von dem Kongress und wies auf die Ähnlichkeit mancher Ideen von Freud mit denen ihres berühmten Bruders hin.“ [40]

Freud blieb nach Abschluss der Tagung noch in Weimar und verbrachte dort am 23. September 1911 noch einige Zeit mit Karl Abraham. [41] Nahezu unvorstellbar erscheint mir, dass Freud den offenbar einzigen Aufenthalt in Weimar während seines gesamten Lebens nicht auch genutzt haben sollte, um zumindest Goethes Wohn- oder Garten-Haus zu besuchen. Sah er doch in Goethe einen seiner Heroen, verarbeitete dessen „Dichtung und Wahrheit“ in einem Text, [42] zitierte den Weimarer Klassiker bis zu seinem Lebensende immer wieder und umgab sich mit dessen Büchern. [43] Gerade aber aus der Zeit des Kongresses liegen für beide Goethe-Erinnerungsstätten leider keine Besucherbücher bzw. Eintragungen vor. [44]

Auch nachdem die Beteiligten wieder in ihre Heimatorte zurückgekehrt waren, wirkte der Kongress noch nach. Karl Abraham schrieb Freud Ende Oktober 1911, dass er „mit großer Freude“ an die Weimarer Zeit zurück denke und dort erhaltene Inspirationen ausarbeite. Freud antwortete am 2. November 1911: „Auch ich zehre noch an den schönen Tagen“. [45]

Epilog

2011 jährte sich der Kongress zum 100. Mal. Eine Gruppe von Psychotherapeuten und anderweitig an der Psychoanalyse Interessierten, zu der auch ich gehörte, bemühte sich, aus diesem Anlass an der Mauer um das ehemalige „Erbprinz“-Gelände (das Gebäude wurde 1989 abgerissen, das Gelände als Parkplatz für das Hotel „Elephant“ genutzt) eine Gedenktafel anzubringen. [46] Leider war dies aufgrund der geltenden rechtlichen Bestimmungen letztlich nicht möglich.

PS 2014:

Im Mai 2013 konnte aber immerhin, initiiert vom Berliner Forum zur Geschichte der Psychoanalyse, in der Raucher-Lounge des Hotels „Zum Elephanten“ ein ausgesprochen passendes Foto angebracht werden: Sigmund Freud mit Zigarre. Die Bildunterschrift erinnert an den Anlass seines Kommens: den dritten IPV-Kongress.

Foto: Gudrun Peters.

Foto: Gudrun Peters.

Vielleicht trägt dieses Foto und der vorliegende Artikel dazu bei, dass der von der Gedenk-Tafel erhoffte Effekt doch noch eintritt. Ich hielte es jedenfalls für ausgesprochen erfreulich, wenn sich unter den Bewohnern und Besuchern Weimars herumspräche, dass auch Sigmund Freud und die Elite der frühesten Psychoanalytiker einmal in dieser Stadt weilten.

 

(Zur Ergänzung: Eine “unerfüllbare Forderung” an die “Gesetzgeberin des Philosophierens”. Die erste öffentliche Weltanschauungsdebatte der Psychoanalytiker)

 

[1] Der Beitrag erschien zuerst in der Zeitschrift Weimar-Jena. Die große Stadt, Jahrgang 5, Heft 3/2012, Verlag Vopelius/Jena, S. 228-238. Er wurde in dieser Qualität nur möglich durch die gute Zusammenarbeit mit Volker Wahl, für die ich mich noch einmal herzlich bedanken möchte. Mein Dank gilt ebenfalls Dagmar Blaha, Albrecht Hirschmüller, Paul Kahl und Michael Schröter. Ich danke Stephan Liebig für die Möglichkeit, historische Fotos aus der Sammlung Madlung zu verwenden:  http://www.weimar-historischefotos.de/weimarfotos/intro.html

Gemeinsam mit Michael Schröter entstand daraus 2013 ein umfassenderer Beitrag zum selben Kongress:  Die Ruhe vor und nach dem Sturm. Der III. Psychoanalytische Kongress in Weimar, in Luzifer-Amor. Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse 52, Jg. 26, S. 126-157.

[2] Abraham war 1910 Begründer und bis zu seinem Tod 1925 Präsident der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung.

[3] Sigmund Freud/ Karl Abraham. Briefwechsel 1907-1925, Bd. 1, hg. von E. Falzeder und L. M. Hermanns. Wien 2009, S. 239f.

[4] Die zeitliche Zuordnung nahm Volker Wahl vor, der diese Anzeige im Weimarer Stadtführer des Verkehrs- und Verschönerungs-Vereins fand. Die betreffende ist undatiert. In der Anzeige des Hotels heisst es „neuer Besitzer: Carl Vetter“. Aus einer späteren Anzeige geht hervor, dass er das Hotel 1903 übernommen hatte.

[5] Alexander Ferdinand Grychtolik, J. S. Bachs Wohnhaus in Weimar (Manuskript), veröffentlicht auf der Internetseite des 2006 gegründeten Vereins „Bach in Weimar“, http://www.bachhausweimar.de/media/pdf/Baugeschichte_Bachhaus.pdf.

[6] Ebd.

[7] Wie Anm. 2, S. 243, 245.

[8] Mitteilung über den Kongress im IPV-Korrespondenzblatt (künftig KB) 6/1911, S. 6. Vermutlich wurden auch weitere Quartiere angemietet. In der Einladung heißt es, die Unterkunft finde sich „in erster Linie“ in den beiden Hotels. Aus dieser Mitteilung stammen auch die folgenden Angaben.

[9] Auch Abraham kündigte gegenüber Freud seine Ankunft für den „20. mittags in Weimar“ an (wie Anm. 2, S. 246).

[10] Dass es tatsächlich der Hotelgarten war, geht aus dem Vergleich mit einer anderen Fotografie, aber auch aus der Abbildung von der Gartenseite des Hotels in der Anzeige des Stadtführers (wie Anm. 3) hervor. Dazu heißt es dort: „Speisesaal mit Terrasse nach 1200 qm großem Hotelgarten“.

[11] Mit „Die Traumdeutung“. 1911 war sie gerade in dritter Auflage erschienen.

[12] So C.G. Jungs Mitteilung auf dem Kongress. 1914 war dann allerdings rückwirkend von 114 Mitgliedern die Rede (KB 2/1912, S. 233, 2/1914, S. 407).

[13] Stephan von Minden, Viktor Emil v. Gebsattel und Maria v. Stach: Neue Aufschlüsse über zwei Teilnehmer am 3. Psychoanalytischen Kongress in Weimar (1911), in: Luzifer-Amor. Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse, Jg. 24/2011, Heft 48, S. 99-105, Zitat S. 100.

[14] Eitingon sollte in den 1920er Jahren einige der wichtigsten psychoanalytischen Posten in sich vereinen, unter anderem als IPV-Präsident, Geldgeber und Gesellschafter des Internationalen Psychoanalytischen Verlages, Vorsitzender der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft, Direktor des Berliner Institutes.

[15] Federn war einer der frühen, tonangebenden Wiener Anhänger Freuds, fungierte nach Freuds Krebserkrankung auch lange Zeit als stellvertretender Obmann der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung.

[16] Rank war damals Sekretär der IPV, wirkte nach dem 1. Weltkrieg als Freuds rechte Hand, leitete bis 1924 den Internationalen Psychoanalytischen Verlag.

[17] Später langjähriger IPV-Präsident und einer der bis heute wichtigsten Freud-Biografen.

[18] Die ausführlichsten Mitteilungen zu Wankes Biografie finden sich in Maren Holmes/Thomas Müller, Ein Brief vom Außenposten der psychoanalytischen Bewegung, Georg Wanke an Max Eitingon, 2. April 1926, in: Luzifer-Amor. Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse, Jg. 24/2011, Heft 47, S. 75-83. Im Korrespondenzblatt ist später vermerkt, dass „Sanitätsrat Dr. G. Wanke“ am 27. Oktober 1924 in Weimar „gelegentlich der Tagung der ‚Schopenhauer-Gesellschaft‘ einen Vortrag über ‚Psychoanalyse und Schopenhauer‘“ gehalten habe. Nachdem er am 18. Oktober 1928 im Alter von 62 Jahren verstorben war, wurde er im Korrespondenzblatt gewürdigt als „einer der ältesten und treuesten Anhänger der Psychoanalyse“, der diese „als einer der ersten in Sanatoriummilieu und -behandlung hineingenommen hat“ (KB 10/1924, S. 347, 15/1929, S. 142, 534.). Im Gegensatz zu Wanke zog es Vollrath bald nach dem Kongress nach Berlin-Brandenburg (KB 2/1913, S. 112).

[19] Sigmund Freud, Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung, in: ders., Gesammelte Werke, Band 10. Frankfurt a. M., S. 43-113, Zitat S. 102.

[20] Ernest Jones, Sigmund Freud. Leben und Werk, Bd. 2, München 1984, S. 168.

[21] Ludger Lütkehaus, Der andere Analytiker. Deirdre Bairs biografische Studie über C. G. Jung, o. S., literaturkritik.de, Nr. 1, Januar 2006. Die zweite Erklärungsmöglichkeit (Treppenstufe) habe ich nachträglich in den Text eingefügt – A.P.

[22] In Bezug auf Jung dokumentiert das Foto einen zusätzlichen, allerdings privaten Spannungsherd. Zwei Plätze rechts neben Jungs Frau Emma sitzt Antonia Wolff (3. v. rechts), damals noch Jungs Patientin, spätestens drei Jahre später seine Geliebte, die bis zu ihrem Tod im Jahr 1953 Jungs halboffizielle Zweitpartnerin bleiben sollte. Vgl. Deirdre Bair, C. G. Jung. Eine Biographie. München 2007, S. 354ff.

[23] Dass Hirschfeld – ebenso wie zwei weitere, wahrscheinlich ebenfalls von Jungs Vorgehen brüskierte Analytiker (Koerber und Juliusburger) – sich nicht auf dem Foto befinden, legt die Vermutung nahe, dieses sei erst nach dem Eklat aufgenommen worden.

[24] Wie Anm. 2, S. 247-250, Sigmund Freud/C. G. Jung, Briefwechsel, hg. von W. McGuire/W. Sauerländer. Frankfurt a. M. 1974, S. 468. S. 468, 501.

[25] KB 1912, S. 236.

[26] Lexikon zur Stadtgeschichte, hg. von Gitta Günther, Wolfram Huschke und Walter Steiner. Weimar 1998, S. 466.

[27] Leider existiert kein Nachlass von ihm; auch in den Weimarer Archiven und Museen wurden kaum Aufnahmen von ihm nachgewiesen. 1988 erinnerten Beiträge der Fotografen J. Böhm, Martin Hansch und Ernst Schäfer an ihn: Franz Vältl, Weimar – ein Pionier der Kleinbildphotographie. In: Photo-Antiquaria. Mitteilungen des Clubs Daguerre Nr. 1/1988, S. 13-16.

[28] Wie Anm. 19, S. 108.

[29] KB 2/1912, S. 231.

[30] Wie Anm. 21, S. 16, 73, 78.

[31] Wie Anm. 19, S. 109, vgl. auch KB 2/1912, S. 100-104. Dort finden sich auch die im Folgenden angegebenen Zitate.

[32] „Psychoanalytische Bemerkungen über einen autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia.“

[33] KB 2/1912, S. 102f.. Der Text des Vortrages, der im Programm Sachs zugeschrieben wurde, war vermutlich eine Gemeinschaftsarbeit mit Rank (siehe die Veröffentlichung von Rank und Sachs: Die Bedeutung der Psychoanalyse für die Geisteswissenschaften. Wiesbaden 1913). Er wurde in Weimar auch von Rank verlesen (KB 2/1912, S. 232).

[34] In der „Jenaischen Zeitung“ und im „Jenaer Volksblatt“ wurde der Kongress nicht erwähnt – persönliche Auskunft von Volker Wahl.

[35] Auf diesen Report muss sich Jones bezogen haben, wenn er in seiner Freud-Biografie schrieb, Otto Ranks Kongress-Vortrag „Die Nacktheit in Sage und Dichtung“ habe zur Folge gehabt, dass eine Lokalzeitung berichtete, man habe „interessante Vorträge über die Nacktheit und andere aktuelle Themen“ gehalten. Diese Angelegenheit sei, so Jones offenbar etwas süffisant weiter, der Anlass gewesen, „daß wir an den weiteren Kongressen nach Möglichkeit Reporter fernhielten“ (wie Anm. 19, S. 109). Darüber, warum Jones dies verzerrt erinnerte und/oder wiedergab, lassen sich nur Mutmaßungen anstellen. Hatte ihm missfallen, dass der Psychoanalyse eine so pauschale Gegnerschaft gegen den Homosexuellenparagraphen bescheinigt wurde? War ihm, als er dies in den 1950er Jahren reflektierte, unangenehm, dass die Psychoanalyse früher weit öfter zu „brennenden Tagesfragen“ Stellung genommen hatte? Oder behagte ihm die Erwähnung nicht, dass Freud und Hirschfeld gleichermaßen bekannt waren? D. Bair gestaltet Jones‘ inkorrekte Mitteilung noch aus. Bei ihr wurden angeblich anfangs eingeladene Pressevertreter schon „tags darauf wieder verbannt, als eine Zeitung berichtet hatte, dass ‚interessante Vorträge über die Nacktheit und andere aktuelle Themen‘ gehalten worden waren“ (wie Anm. 21, S. 277). Der besagte Vortrag Ranks fand aber erst am zweiten Tag statt (KB 2/1912, S. 232). Und, wie erwähnt: Der Zeitungsbericht erschien erst zwei Tage nach Kongressende.

[36] Auskunft des Thüringischen Hauptstaatsarchivs Weimar vom 4. September 2007.

[37] Albrecht Hirschmüller suchte mir sämtliche Stellen in Briefen von und an Freud heraus, in denen Weimar erwähnt wurde – doch auch hier fanden sich diesbezüglich keine relevanten Zusatzinformationen.

[38] Ich danke Michael Schröter für die Mitteilung dieser Stellen und die Erlaubnis, bereits vor Erscheinen des von ihm herausgegebenen Buches (siehe Fn 39) daraus zitieren zu dürfen.

[39] Aus: Tagebuch von Eugen Bleuler, Auszüge abgedruckt in: S. Freud u. E. Bleuler (2012): „Ich bin zuversichtlich, wir erobern bald die Psychiatrie“. Briefwechsel 1904–1937, hg. von M. Schröter. Basel. – Mit „Frau Hinkel“ ist die amerikanische Psychiaterin/Psychologin Beatrice Moses Hinkle gemeint, die im Gefolge Jungs erschienen war (wie Anm. 23, S. 486, Fn 7). Auf dem Kongressfoto sitzt sie zwischen Lou Andreas-Salomé und Emma Jung.

[40] Wie Anm. 19, S. 110.

[41] Wie Anm. 2, S. 246 und Fn 1. Dort erfährt man auch, dass Freud in dieser Zeit mit Zahnschmerzen zu kämpfen hatte (ebd., S. 248/250), was auch Bleuler erinnert (wie Anm. 39). Dass dies Freuds Aktivitäten in Weimar überschattete, bestätigte er am 2. November 1911 im Brief an Abraham: „Mein Zahn ist vergessen, es war ärgerlich, daß er mir in Zürich“ – wo sich Freud zuvor aufhielt – „und Weimar soviel weggenommen hat“ (wie Anm. 2, S. 250).

[42] Eine Kindheitserinnerung aus „Dichtung und Wahrheit“ (1917).

[43] Noch 1938, in seinem erzwungenen Londoner Exil sollte Freud Goethes Gesammelten Werken einen zentralen Platz in seiner Bibliothek zuweisen: direkt hinter seinem Schreibtisch.

[44] Das Gästebuch, das im Goethe-Schiller-Archiv aufbewahrt wird, endet am 14.9.1911, weitere Bände sind unbekannt – persönliche Information von Paul Kahl vom 19. Oktober 2011. Volker Wahl suchte auch in dem im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar überlieferten Besucherbuch von Goethes Gartenhaus nach solchen Eintragungen – leider ebenfalls vergeblich.

[45] Wie Anm. 2, S. 247, 249.

[46] Für die engagierte Kooperation bei diesem Vorhaben möchte ich bei dieser Gelegenheit noch einmal insbesondere Andrea Dietrich und Ursula Seeger danken.