Rezensionen zum „Rechtsruck“-Buch

In seiner Rezension im „Blättchen“ 8/2017 bilanziert Wolfgang Brauer, dass die von Reich diagnostizierten destruktiven psychischen Konstellationen „erschreckenderweise (…)  immer noch (…) funktionieren“.

Manfred Lotze schreibt in „Ossietzky“ 17/2017, das Buch „stellt die zentralen Fragen, um lebensfeindliche von lebensbejahenden Einstellungen zu unterscheiden, letztlich um im Bemühen für Frieden nicht zu scheitern.“

Kathrin Krüger-Mlaouhia zitiert in der Sächsischen Zeitung vom 28.11.2017: „Die entscheidende Grenze verläuft auch hier nicht zwischen Parteien, sondern zwischen Persönlichkeitsanteilen.“

In der „Melodie & Rhythmus“ 4/2017 hebt Susann Witt-Stahl hervor, dass Reichs Erkenntnisse die Chance bieten, „den  subjektiven Faktor der Geschichte“ endlich angemessen zu würdigen.

Im IPPNW-Forum 152, S. 32, schreibt Günter Rexilius, „Peglau gelingt eine präzise Analyse gesellschaftlicher Dynamik, indem er über unser individuelles Dasein aufklärt“.

Im Neuen Deutschland vom 16.3.2018 urteilt Werner Abel: „Peglau bietet etwas an, was der Marxismus dringend benötigt: eine Ergänzung um fundierte psychosoziale Konzepte.“
Seine Rezension findet sich mittlerweile auch bei amazon:

Für Andreas Peglau, 1957 in Berlin (Ost) geboren, Psychologe und Psychotherapeut, ist seit den 1980er Jahren die Verbindung von linkem Gedankengut und Psychoanalyse ein wichtiges Thema. Folgerichtig stieß er dabei auf den Psychoanalytiker, Sigmund-Freud-Mitstreiter und -Antipoden Wilhelm Reich (1897-1957), der 1927 Mitglied der österreichischen, 1930 der deutschen kommunistischen Partei wurde. Niemand hat sich konsequenter als Reich darum bemüht, den Marxismus um tiefenpsychologisches Wissen zu bereichern. Reichs zähem Kampf gegen die Entpolitisierung der Freud’schen Lehre und seinen Auseinandersetzungen mit dem NS-System hat Peglau ein umfangreiches Buch gewidmet, das 2017 in dritter Auflage erschienen ist: „Unpolitische Wissenschaft? Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus“.
Mit dem „Rechtsruck“ hat der Autor eine Art Fortschreibung dieses Buches vorgelegt. Stellte er zuvor die Entstehung und Wirkung der Reich’schen Erkenntnisse in den Mittelpunkt, wendet er diese Erkenntnisse jetzt auf unsere Gegenwart an und entwickelt sie dabei zugleich weiter.
Auch Peglaus aktuelles Buch beginnt mit einer knappen, pointierten Darstellung von Reichs Biografie und seinem sozialwissenschaftlichem Hauptwerk, der 1933 erstmals erschienenen „Massenpsychologie des Faschismus“. Doch der bei Weitem überwiegende Teil dieses neuen Bandes ist brandaktuell.
Lassen sich doch, so Peglau, weder das Phänomen PEGIDA, die Erfolge der AfD, der europäische Rechtsruck noch die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten verstehen, ohne das Zusammenspiel von Sozialisation und Charakterstrukturen zu berücksichtigen, das rechte Bewegungen begünstigt. Wie dieses Zusammenspiel erfolgt, erklärt Peglau nachvollziehbar, detailliert und durch eine Vielzahl von Quellen belegt.
Reich arbeitete 1933 heraus, dass die NSDAP ihren Siegeszug maßgeblich psychischen Konstellationen verdankte, die Christentum, autoritäre Kleinfamilie, Gefühls- und Sexualunterdrückung seit Generationen erzeugten, dass also die Auseinandersetzung mit der kapitalistischen Wirtschaftsordnung nicht genügt, um den Faschismus aus der Welt zu schaffen. Peglau fragt: Inwieweit leben wir – gemessen an den Faktoren, die Reich erforschte – unter ähnlichen Umständen? Auf welche Weise wurden jene erzogen, sozialisiert, die heute „rechts“ agieren, welche Charakterstrukturen entstanden dabei und wie verbreitet sind diese – auch unter Liberalen, Grünen oder Linken? Was sind die unbewussten Motive hinter Fremdenfeindlichkeit und autoritärer Abhängigkeit? Wie funktionieren heute die Wechselwirkungen zwischen „oben“ und „unten“, zwischen Individuen und Gesellschaft und wie unterstützen sie „Rechts“-Tendenzen? Hat das DDR-System, wie diverse Medien Glauben machen möchten, die Entstehung „rechter“ Einstellungen intensiver gefördert als das der Bundesrepublik? Nein, zeigt Peglau, ganz im Gegenteil – und belegt dies sowohl mit ost- als auch mit westdeutschen Untersuchungen.
Unter ausgiebiger Nutzung sozialpsychologischer und politikwissenschaftlicher Forschungsergebnisse gibt er auch auf die anderen Fragen überzeugende Anworten. Er „psychologisiert“ nicht, sondern bietet etwas, was der Marxismus noch immer dringend benötigt: eine Ergänzung um fundierte psychosoziale Konzepte.
Von der Lektüre dieses Buches dürften alle profitieren, die den aktuellen „Rechtsruck“ begreifen und sich ihm entgegenstellen wollen.