Archiv des Autors: AndreasPeglau

Wilhelm Reich und die „Massenpsychologie des Faschismus“ – eine traurige Leerstelle in Münzenbergs „Zukunft“

Im September 2015 fand in Berlin der erste internationale Willi-Münzenberg-Kongress statt zu Leben, Werk und aktueller Bedeutung des außergewöhnlichen „linken“ Multifunktionärs und Internationalisten Münzenberg (1889-1940).

Nun ist der Kongressband erschienen. Er enthält 33 Beiträge, darunter Keynotes, vollständige Artikel, Arbeitspapiere und Abstracts. Er steht als Open-Access-Publikation (E-Book) zum freien Download (im pdf-Format) auf der Homepage des Willi-Münzenberg-Forums zur Verfügung.

Mein Beitrag findet sich hier auf den Seiten 365 – 386:

https://www.muenzenbergforum.de/wp-content/uploads/2018/07/IWMF_V15.pdf

Ein wichtiger Film mit wichtigen Auslassungen: „Love, work and knowledge – the life and trials of Wilhelm Reich” von Kevin Hinchey und Glenn Orkin.

von Andreas Peglau

 

Quelle: http://loveworkknowledge.com/

Am 24. Mai 2018 fand die europäische Premiere des neuen Wilhelm-Reich-Dokumentarfilms statt, an einem ausgesprochen passsenden Ort: der Sigmund-Freud-Universität in Wien.

Rechts im Bild: die Sigmund-Freud-Universität am Wiener Freud-Platz. (Foto: G. Peters)

Etwa 200 Gäste waren gekommen.

Das Publikum. (Foto: G. Peters)

Darunter auch mehrere, die für den Film interviewt worden waren: Helmut Dahmer, Karl Fallend, Havard Friis Nilsen, Bernd Nitzschke, James Strick und ich. Stefan Hampl und Gerhard Benetka von der SFU hatten die Einleitung und die Moderation der anschließenden – ebenso spannenden wie kontroversen – Diskussion übernommen.

Mit Wilhelm Reich im Vorder- und Sigmund Freud im Hintergrund. Stehend von links nach rechts: Stefan Hampl, Havard Friis Nilsen, Andreas Peglau, Helmut Dahmer, Bernd Nitzschke, Karl Fallend, Gerhard Benetka und James Strick. (Foto: M. Nitzschke)

Die dabei geäußerten Meinungen zum Film gingen weit auseinander. Ich will im Folgenden meine – ambivalente – Sicht auf den Film mitteilen. Weiterlesen

Menschenfeindlichkeit 2.0. Die Politik der AfD erinnert an die dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte

von Andreas Peglau

Offenbar aus Sorge über die Reinheit des deutsch-nationalen Genpools hat die AfD im März eine Anfrage im Bundestag eingebracht, die auf die Stigmatisierung von Migranten und Migrantinnen ebenso abzielte wie auf die von Behinderten, insbesondere von behinderten Kindern. Das Lebensrecht behinderter Kinder stellt auch der – in Deutschland 2011 mit einem Ethik-Preis geehrte – australische Bioethiker Peter Singer in Frage.

Wie kurz der Weg von der Stigmatisierung zum Massenmord sein kann, hat die mehr als 200.000 Menschenleben vernichtende NS-Euthanasie gezeigt. In eigens dafür geschaffenen jugendpsychiatrischen „Kinderfachabteilungen“ wurden dabei mehrere tausend Kinder und Jugendliche ermordet. Eines dieser Kinder – und sein Mörder – sollen im Folgenden aus der Anonymität geholt werden.

Weiterlesen: https://www.rubikon.news/artikel/menschenfeindlichkeit-2-0

 

Mythos Todestrieb. Über einen Irrweg der Psychoanalyse

von Andreas Peglau

1932 bezeichnete Freud (1999c, S. 101) „[d]ie Trieblehre“ als „unsere Mythologie“, Triebe als „mythische Wesen“. 1920, in Jenseits des Lustprinzips, hatte er das umstrittenste dieser „Wesen“ erstmals öffentlich vorgestellt: den Destruktions- oder Todestrieb, später Thanatos benannt, nach dem griechischen Todesgott. Noch heute hat die Annahme eines solchen Triebes Einfluss in- und außerhalb der Psychoanalyse – obwohl ihre Realitätsferne längst erwiesen ist.

Weiterlesen: Mythos Todestrieb pid_2018_02_Peglau

Unwertes Leben 2.0. Bayerns Psychiatriegesetz erinnert an die Euthanasie in Nazi-Deutschland

von Andreas Peglau

„Das ist kein Hilfe-, sondern ein Polizeigesetz. (…) Depressive Menschen sollen künftig nach Regeln, die bisher nur für Straftäter galten, in Krankenhäusern festgesetzt werden können – ohne dass (…) eine Straftat vorliegt.” So kommentierte Heribert Prantl am 16. April 2018 in der Süddeutschen Zeitung einen aktuellen Gesetzentwurf der bayerischen Söder-Regierung. Grund genug, darauf hinzuweisen, dass schon einmal in Deutschland – mit Gesetzen flankiert – eine gegen psychisch Kranke gerichtete Entwicklung einsetzte, die zum Massenmord führte. Und das nicht etwa nur an psychisch Kranken.

Weiterlesen: https://www.rubikon.news/artikel/unwertes-leben-2-0

 

Vom Nicht-Veralten des „autoritären Charakters“. Wilhelm Reich, Erich Fromm und die Rechtsextremismusforschung

von Andreas Peglau

Bereits 1913 schrieb Otto Gross (1877–1920), sämtliche bisherigen Revolutionen seien

„zusammengebrochen, weil der Revolutionär von gestern die Autorität in sich selbst trug. Man kann erst jetzt erkennen, daß in der Familie der Herd aller Autorität liegt, daß die Verbindung von Sexualität, wie sie sich in der Familie mit dem noch geltenden Vaterrecht zeigt, jede Individualität in Ketten schlägt“.

Damit und mit weiteren Passagen seiner Artikel war Gross der erste Psychoanalytiker, der tiefgründige Erkenntnisse über das Problem des familiären wie gesellschaftlichen Autoritarismus publizierte.

Ab 1929 erfasste dann der Psychoanalytiker Erich Fromm (1900–1980) in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Institut für Sozialforschung autoritäre Einstellungen durch einen Fragebogen.

 

Weiterlesen in Sozial.Geschichte Online (Heft 22/ 2018): https://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-45266/05_Peglau_Autoritarismus.pdf

 

Will B. Famous. Ein Theaterstück von Andreas Peglau

Die ersten Entwürfe für dieses Stück entstanden bereits in den 1980er Jahren. Seit 1997 habe ich mich dann mehrmals für längere Zeit damit befasst. Seither haben Freunde, Freundinnen, Bekannte, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Verlagen und Theatern den Text gelesen und mit Kommentaren und Kritiken bereichert. Ihnen allen möchte ich danken.

Für eine Aufführung hat es bisher dennoch nicht gereicht.

Aber nachdem ich so viel Energie dafür verwendet habe – und weil ich mit dem Ergebnis ganz zufrieden bin –, möchte ich es nun wenigstens in dieser Weise öffentlich machen.

Bis zu einer etwaigen Aufführung nehme ich mir allerdings die Freiheit, bei Bedarf weiter daran zu arbeiten.

Andreas Peglau, 7.2.2018

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Kleiner Fund: Wilhelm Reichs erster Vortrag in der MASCH

Vielleicht interessant für alle, die es – wie ich – genauer wissen wollen: In der KPD-Zeitung „Rote Fahne“ habe ich nun entdeckt, wann Wilhelm Reich erstmals in der Marxistischen Arbeiterschule (MASCH) in Berlin einen Vortrag hielt. Es war Montag, der 23. Februar 1931. Dazu teilt die „Rote Fahne“ mit: „Es beginnt ferner: Psychoanalyse und Marxismus. 4 Abende: Dr. Reich“. Ort war das damalige zentrale Schulungslokal in der Gartenstraße 25 im heutigen Berlin-Mitte.

Rote Fahne, 22. Februar 1931, S. 12

Damit war es Reich gelungen, nur etwa drei Monate nach seiner Übersiedlung von Wien nach Berlin in die Reihe der MASCH-Dozenten aufgenommen zu werden, zu denen Prominente wie der Komponist Hans Eisler (siehe Zeitungsausschnitt) oder Albert Einstein gehörten.

Ausführlicher zu Reichs Engagement in der MASCH: hier.

 

Hurra – die Überwachungspille ist da!

Entmündigung kommt im Gewand des medizinischen Fortschritts daher.

Es gibt Meldungen, die muten an wie unzeitgemäße Aprilscherze – und sind doch bittere Wahrheit. Obwohl unsere Gesellschaft längst an einem Übermaß von Überwachung leidet, kommt nun ausgerechnet aus dem Bereich, der die Bezeichnung „Gesundheitswesen“ trägt, eine weitere perfide Methode hinzu.

Weiterlesen hier:

https://www.rubikon.news/artikel/hurra-die-uberwachungspille-ist-da

 

 

Rechtsruck im 21. Jahrhundert. Interview mit „Talk Together!“

Im Oktober 2017 wurde ich interviewt von „Talk Together! Zeitung von und für Migrant_innen und Nicht-Migrant_innen“. Sie wird herausgegeben vom Verein Salzburg – Kommunikation und Kultur.
Das Gespräch ist in der Ausgabe November-Dezember 2017 erschienen.

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Talktogether: In Ihrem Buch „Rechtsruck im 21. Jahrhundert“ beschäftigen Sie sich mit Wilhelm Reichs „Massenpsychologie des Faschismus“. Was war für Sie das Motiv, sich mit Wilhelm Reich zu beschäftigen?

Kompletter Text: Talk together Rechtsruck-Interview