Schlagwort-Archiv: DDR

DDR 2.0? Braucht die Friedensbewegung eine Zukunftsvision?

von Andreas Peglau

Vortrag, gehalten am 28. März 2026 im Brigitte-Reimann-Literaturhaus Neubrandenburg[1]

 


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Was ich Ihnen heute anbieten kann, ist kein wissenschaftlicher Draufblick, sondern eine Mischung aus Fakten, persönlichen Erlebnissen und subjektiven Bewertungen.
Ich nehme an, dass die meisten von Ihnen ebenfalls Wurzeln in der DDR haben. Mir ist bewusst, dass sich damit für Sie ganz andere Erfahrungen verbinden können als für mich. Wahrscheinlich werden Sie deshalb auch nicht allem beipflichten, was ich erzähle, manches vielleicht nicht nur anders wissen, sondern auch besser. Für den Abgleich unserer Sichtweisen können wir dann ja die Diskussion nutzen.

Es ist mir nicht leichtgefallen, das aufzuschreiben, was ich Ihnen nun vorlesen will. Ich habe schon im Dezember begonnen, darüber nachzudenken – und noch gestern an meinem Text gefeilt. Einmal mehr habe ich gemerkt: Ich bin nicht fertig mit der DDR, nicht im Guten, nicht im Schlechten.[2] Weiterlesen

GDR 2.0? Does the Peace Movement Need a Vision for the Future?

by Andreas Peglau

Lecture delivered on March 28, 2026, at the Brigitte Reimann Literature House in Neubrandenburg[1]

 

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What I can offer you today is not an academic overview, but rather a mix of facts, personal experiences, and subjective assessments.

I assume that most of you also have roots in the GDR. I am aware that this may evoke very different experiences for you than it does for me. That is probably why you will not agree with everything I say; you may know some things not only differently, but also better. We can then use the discussion to compare our perspectives.

It was not easy for me to write down what I am about to read to you. I began thinking about this back in December—and was still polishing my text just yesterday. Once again, I realized: I am not done with the GDR, neither in a good way nor in a bad way.[2] Weiterlesen

„Nacht und Träume werden Licht“. Über eine verdrängte Friedenshymne

von Andreas Peglau 

 

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Das übliche, staatlich, medial und „wissenschaftlich“ gestützte DDR-Verteufeln führt dazu, dass gleichzeitig eine Vielzahl bedeutender künstlerischer Leistungen mit in die Verdrängung gerissen werden. Das betrifft auch einen Text, der gerade heute wieder zu Gehör gebracht werden sollte.

Die Grundlage für diesen Text wurde vor mehr als 200 Jahren gelegt – von Ludwig van Beethoven. Weiterlesen

Deutschland auf der Couch

Im Januar 1989, als noch niemand das Herannahen der „DDR-Wende“ ahnte, lernten sie sich kennen: Hans-Joachim Maaz, Chefarzt der Psychotherapeutischen Klinik des Diakoniekrankenauses in Halle a.d. Saale und Andreas Peglau, Redakteur beim DDR-Sender Jugendradio DT 64. Daraus entstand eine außergewöhnliche Sendereihe – und eine lebenslange Freundschaft. In diesem Gespräch berichten sie nicht nur über Befindlichkeiten, Hoffnungen, Enttäuschungen der DDR-Bürger zwischen 1989 und 1991. Sie verweisen auch auf Ähnlichkeiten zur gegenwärtigen Situation: Erneut versucht ein System, dem Zusammenbruch zu entgehen und offenbart dabei seine Schattenseiten in dramatischer Weise. Erneut platzen massenhaft Hoffnungen und Illusionen. Doch wird es diesmal zur notwendigen „Trauerarbeit“ über diese Verluste kommen – oder ziehen wir lieber in den Krieg, um uns mit dieser bitteren Realität nicht zu konfrontieren?

Robert Stein im Gespräch mit Hans-Joachim Maaz und Andreas Peglau, 20. November 2025 (88 Minuten). 

7. Oktober 1949: Vor 76 Jahren wurde die Deutsche Demokratische Republik gegründet.

Daran knüpfte sich die Erwartung, ein menschenwürdigeres System aufbauen zu können als den in der BRD beibehaltenen Kapitalismus. Auch wenn dieser Versuch nur zu Teilen erfolgreich war: Es ist dringend notwendig, ihn angemessen – das heißt fair aber kritisch – auszuwerten.
Denn eine solche Auseinandersetzung mit dem „realen Sozialismus“ verschafft uns die Basis, um Alternativen zum Kriegs-, Unterdrückungs- und Verelendungskurs der gegenwärtigen deutschen Regierung zu entwickeln.

Hier einige Beiträge, die zum (nochmaligen) Nachdenken über die DDR einladen:

 

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Heimatlos im eigenen Land

Deutschland feiert den Tag der Deutschen Einheit – doch was bedeutet diese Einheit wirklich? 36 Jahre nach dem Mauerfall ziehen viele eine ernüchternde Bilanz: Versprechen wurden gebrochen, Hoffnungen enttäuscht, ganze Biografien entwertet. Statt eines echten Zusammenwachsens stehen noch immer Vorurteile, wirtschaftliche Unterschiede und politische Gräben zwischen Ost und West.

  • War die Wiedervereinigung ein Erfolg oder ein groß angelegter Ausverkauf?
  • Wie wurden Menschen aus der DDR tatsächlich behandelt?
  • Und warum sind die Folgen bis heute in Politik und Gesellschaft spürbar?

Ein kritischer Blick auf ein Kapitel deutscher Geschichte, das offiziell als Erfolgsgeschichte erzählt wird – doch im Alltag vieler Menschen ganz anders aussieht.

Robert Stein im Gespräch mit Andreas Peglau (62 Minuten) am 7. Oktober 2025, dem 76. Gründungstag der DDR.

DDR 2.0 – oder wo leben wir heute?

Gespräch mit Andrea Drescher

 

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In vielen alternativen Online-Medien heißt es, wir leben in der DDR 2.0. – eine Behauptung, die in meinen Augen fragwürdig ist. Die Journalisten der meist konservativen Medien sprechen dabei auch oft von sozialistischer Politik der heutigen Regierungen. Wie stimmig ist diese Gleichsetzung?

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Menschen als Marionetten? Wie Marx und Engels die reale Psyche in ihrer Lehre verdrängten. Teil 9: Vulgärpsychologie, halbherzige Abschwächungen und Bilanz

von Andreas Peglau

Vulgärpsychologie

In seiner 1933 erschienenen Massenpsychologie des Faschismus setzte sich Wilhelm Reich mit dem „Vulgärmarxismus“ auseinander – den er als Gegensatz zur Lehre von Marx und Engels verstand. Vulgärmarxisten trennten, so Reich, „schematisch das gesellschaftliche, meist das wirtschaftliche Sein vom Sein überhaupt ab“,[1] behaupteten, Ideologie und Bewusstsein wären „durch das wirtschaftliche Sein allein und unmittelbar bestimmt“,[2] negierten die Beschäftigung mit Trieben, Bedürfnissen, seelischen Prozessen als idealistisch. Weiterlesen

Mensch, Mensch – brauche ich ein Vorbild? DT-64-Sendung vom 5.9.1988

Dass in dieser Sendung Jugendliche u.a. erzählten, Ernst Thälmann könne für sie kein Vorbild sein, weil es einen so fehlerlosen Menschen doch gar nicht gegeben haben könne, wurde damals von einer Westberliner Zeitung zustimmend aufgegriffen. Das führte dazu, dass alle Abteilungen des DDR-Rundfunks sich diese Sendung anhören mussten, um sich kritisch mit ihr auseinanderzusetzen und trug dazu bei, dass meine Chefin strafversetzt wurde. Dass mir der Rauswurf aus dem DDR-Rundfunk erspart blieb, lag wohl nur nur an der Prominenz meines damaligen Gesprächspartners Reiner Werner.

Länge: 52 Minuten

Tipp zum Weiterhören:

„Mensch du“, „Mensch, Mensch“, „Menschenskinder“ und „Stand up“: Hans-Joachim Maaz im Gespräch mit Andreas Peglau bei Jugendradio DT 64

„Eine sozialistische Protestdemonstration“: Berlin-Alexanderplatz, 4. November 1989

von Andreas Peglau

Zusatz 30. April 2020: Wir sollten uns darauf besinnen, dass vor etwas mehr als 30 Jahren schon einmal gelungen ist, mutige Menschen zu vereinen, um „mehr Demokratie“ einzufordern. Das ist heute nicht minder notwendig als 1989 in der DDR. Auch damals ging es nicht zuletzt darum, ein verfassungsmäßig zugestandenes aber durch den Staat in Wirklichkeit unterlaufenes Demonstrationsverbot durchzusetzen.

Während der 9. November 1989 regelmäßig als neuer „Tag der Befreiung“ zelebriert wird, bleibt ein anderes Datum weiterhin vergessen und verdrängt. Dabei war es der Höhepunkt des Bemühens, im Osten Deutschlands etwas zu errichten, was noch immer eine gute Idee ist: demokratischer Sozialismus.
Ich habe mich bemüht, das entscheidende Ereignis dieses Tages zu rekonstruieren.

Fragwürdiger Mauerfall-Kult

Fragt man heute nach dem Ablauf der DDR-„Wende“, erhält man oftmals in etwa diese Beschreibung: Die DDR-Bürgerinnen und -Bürger, von denen ja bereits tausende über Prag oder Ungarn das Land verlassen hatten, hatten von ihrem Staat die Schnauze voll und gingen dafür auf die Straße, auch so leben zu können wie im Westen; dann öffnete sich die Mauer; dann kam die ersehnte Wiedervereinigung.

Diese Fehldarstellung oder Fehlerinnerung wird auch dadurch gestützt, dass zum entscheidenden „Wende“-Ereignis der 9. November, der Tag der Maueröffnung hochstilisiert wurde – der aber in Wirklichkeit das Ende der Versuche einläutete, innerhalb der DDR eine politische „Wende“ herbeizuführen. Weiterlesen