Lasst uns keine Marionetten sein! Plädoyer für Selbstbestimmtheit, Friedensfähigkeit und eine realisierbare Zukunftsvision

von Andreas Peglau

 

Funktioniert nur in meinem Bücherregal: die Verschmelzung von Marxismus und Psychoanalyse.

Im Jahr 2024 habe ich eine lange aufgeschobene Herausforderung angenommen. Während meines 1976 begonnenen Psychologie-Studiums an der Humboldt Universität war ich enttäuscht von dem, was mir als „marxistische Psychologie“ vermittelt wurde. Die Psychoanalyse dagegen begeisterte mich. Von deren Verbindung, von „Marx plus Freud“ erhoffte ich mir den notwendigen Fortschritt hin zu einer wirklich umfassenden Weltanschauung.

Meine freilich schon damals kritische Sicht auf Freuds Menschen- und Gesellschaftsbild erhielt in der Folgezeit reichlich Nahrung. Was den Marxismus betrifft, erzwangen DDR-Zusammenbruch und -Anschluss ebenfalls Neubewertungen. Doch noch lange Zeit akzeptierte ich die von vielen „Linken“ vertretene These, wir im Osten hätten Marx und Engels nur falsch ausgelegt. Das enthielt ja immerhin die frohe Botschaft, in der ursprünglichen Lehre warteten also doch die wesentlichen Antworten.

Obwohl ich auch daran allmählich zweifelte, bin ich dem nie konsequent nachgegangen. So genau wollte ich die Grenzen jener Weltanschauung nicht ausloten, die mir in meiner ersten Lebenshälfte – ich wurde 1957 geboren in Berlin, Hauptstadt der DDR – Halt und Orientierung gegeben hatte.

Warum habe ich das jetzt nachgeholt? Weiterlesen

NuoFlix-Gespräche 2025/26 mit Robert Stein, Henning Rosenbusch, Hans-Joachim Maaz und anderen

Gespräch mit Robert Stein, Henning Rosenbusch und Andreas Peglau, 14. März 2026 (1h, 37 min)

In dieser Ausgabe von Home Office schauen wir auf einen Mann, der eigentlich als Friedenspräsident gestartet ist – und nun mit erstaunlich viel Kriegsrhetorik von sich reden macht: Mr. „Boombastic“ höchstpersönlich. Anlass ist die neue Eskalation rund um den Iran und die Frage, was das politisch – und psychologisch – mit uns allen macht. (1 h, 37 min)

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DDR 2.0? Braucht die Friedensbewegung eine Zukunftsvision?

von Andreas Peglau

Vortrag, gehalten am 28. März 2026 im Brigitte-Reimann-Literaturhaus Neubrandenburg[1]

 


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Was ich Ihnen heute anbieten kann, ist kein wissenschaftlicher Draufblick, sondern eine Mischung aus Fakten, persönlichen Erlebnissen und subjektiven Bewertungen.
Ich nehme an, dass die meisten von Ihnen ebenfalls Wurzeln in der DDR haben. Mir ist bewusst, dass sich damit für Sie ganz andere Erfahrungen verbinden können als für mich. Wahrscheinlich werden Sie deshalb auch nicht allem beipflichten, was ich erzähle, manches vielleicht nicht nur anders wissen, sondern auch besser. Für den Abgleich unserer Sichtweisen können wir dann ja die Diskussion nutzen.

Es ist mir nicht leichtgefallen, das aufzuschreiben, was ich Ihnen nun vorlesen will. Ich habe schon im Dezember begonnen, darüber nachzudenken – und noch gestern an meinem Text gefeilt. Einmal mehr habe ich gemerkt: Ich bin nicht fertig mit der DDR, nicht im Guten, nicht im Schlechten.[2] Weiterlesen

GDR 2.0? Does the Peace Movement Need a Vision for the Future?

by Andreas Peglau

Lecture delivered on March 28, 2026, at the Brigitte Reimann Literature House in Neubrandenburg[1]

 

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What I can offer you today is not an academic overview, but rather a mix of facts, personal experiences, and subjective assessments.

I assume that most of you also have roots in the GDR. I am aware that this may evoke very different experiences for you than it does for me. That is probably why you will not agree with everything I say; you may know some things not only differently, but also better. We can then use the discussion to compare our perspectives.

It was not easy for me to write down what I am about to read to you. I began thinking about this back in December—and was still polishing my text just yesterday. Once again, I realized: I am not done with the GDR, neither in a good way nor in a bad way.[2] Weiterlesen

Menschen sind KEINE Marionetten! Eine Utopie, die über Karl Marx hinausgeht – und deren Verwirklichung heute Abend beginnen kann

von Andreas Peglau

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Wenn wir mit guten Anlagen auf die Welt kommen, müssen wir nur eines tun: dafür sorgen, dass sich diese Anlagen entfalten. Dann werden wir unweigerlich ein diesen Anlagen gemäßes – also ebenfalls gutes – Gemeinwesen errichten. Wer und was sollten uns dann noch daran hindern?

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Es gibt, trotz all ihrer Defizite, keine umfassendere und gründlicher ausgearbeitete Gesellschaftsauffassung als die auf Friedrich Engels und Karl Marx zurückgehende. Sie enthält den detaillierten Nachweis, dass Ausbeuterordnungen wie die kapitalistische zutiefst ungerecht, inhuman und notwendigerweise undemokratisch sind. Seit um 1990 das von der Sowjetunion geführte sozialistische Weltsystem zu Grabe getragen wurde, gelten „linke“, nichtkapitalistische Gesellschaftsentwürfe dennoch zumeist als erledigt. Mein Vorschlag ist, sie stattdessen ganzheitlich zu vervollständigen und grundlegend zu revidieren.

Davon, wie eine bessere Gesellschaft zu erlangen und zu gestalten sei, hatten Marx und Engels nur recht allgemeine, unausgegorene Vorstellungen. Im Glauben an ein vermeintliches Primat der Ökonomie bekämpften sie jede davon abweichende Sichtweise. Während ihre Lehre immer „ökonomistischer“ wurde, verschwand in ihr das, was das Wesenhafteste am Menschen ist: die Psyche.
In dem Beitrag Menschen als Marionetten? Wie Marx und Engels die reale Psyche in ihrer Lehre verdrängten,[1] habe ich diesen Sachverhalt 2024 ausführlich dargelegt. Im nun vorliegenden Text nehme ich den Faden noch einmal auf: Wie kommen wir zu einer menschenwürdigen Gesellschaftsordnung? Weiterlesen

People are NO puppets! A utopia that goes beyond Karl Marx—and whose realization can begin tonight

by Andreas Peglau

 

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If we are born as good beings, there is only one thing we need to do: ensure that these predisposition is allowed to flourish. Then we will inevitably build a community that is in accordance with these predisposition—and thus a good one as well. Who or what could possibly stand in our way?

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Despite all its shortcomings, there is no more comprehensive and thoroughly developed conception of society than the one traceable to Friedrich Engels and Karl Marx. It provides detailed proof that exploitative systems such as the capitalist one are profoundly unjust, inhumane, and necessarily undemocratic. Since the socialist world system led by the Soviet Union was laid to rest around 1990, “left-wing,” non-capitalist social models have nevertheless been largely dismissed as obsolete. In doing so, something was wrongly discarded that should, however, have been holistically completed—and fundamentally revised.

Marx and Engels had only rather general, half-baked ideas about how to achieve and shape a better society. Believing in a supposed primacy of the economy, they fought against any perspective that deviated from it. As their doctrine became increasingly “economistic,” what is most essential to human beings—the psyche—disappeared from it.
In the article People as Puppets? How Marx and Engels Suppressed the Real Psyche in Their Teaching,[1] I elaborated on this point in detail in 2024. In the present text, I take up the thread once again: How do we arrive at a humane social order? Weiterlesen

„Nacht und Träume werden Licht“. Über eine verdrängte Friedenshymne

von Andreas Peglau 

 

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Das übliche, staatlich, medial und „wissenschaftlich“ gestützte DDR-Verteufeln führt dazu, dass gleichzeitig eine Vielzahl bedeutender künstlerischer Leistungen mit in die Verdrängung gerissen werden. Das betrifft auch einen Text, der gerade heute wieder zu Gehör gebracht werden sollte.

Die Grundlage für diesen Text wurde vor mehr als 200 Jahren gelegt – von Ludwig van Beethoven. Weiterlesen

Les êtres humains comme marionnettes? Comment Marx et Engels ont refoulé la psyché réelle dans leur doctrine

par Andreas Peglau

 

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Il s’agit d’une traduction DeepL que je n’ai pas vérifiée. Je vous prie de m’excuser pour les éventuelles erreurs et imprécisions qui ont certainement été commises. Veuillez utiliser le texte original allemand de 2024 à titre de comparaison: https://andreas-peglau-psychoanalyse.de/menschen-als-marionetten-wie-marx-und-engels-die-reale-psyche-in-ihrer-lehre-verdraengten/).
A.P

 

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Points de départ

Aujourd’hui, alors que « l’Occident » dirigé par les États-Unis accepte de détruire la planète entière pour préserver son hégémonie « fondée sur des règles », il est plus que jamais nécessaire de trouver des alternatives à la soif irresponsable de profit et de pouvoir, au bellicisme et à la hostilité envers la vie.

Le socialisme, qui a fait ses preuves dans plusieurs pays, au moins dans une certaine mesure, se présentait comme une telle alternative. Son principal fondement théorique était la doctrine de Karl Marx (1818-1883) et Friedrich Engels (1820-1895), souvent présentée de manière déformée dans le cadre du « marxisme-léninisme » . Le « socialisme réel » a été très tôt discrédité, notamment par la terreur d’État sous Staline, puis sous Mao Tsé-Toung et Pol Pot, avant de s’effondrer vers 1990. Depuis lors, ces concepts sont généralement considérés comme définitivement discrédités et le capitalisme comme sans alternative. Weiterlesen

Deutschland auf der Couch

Im Januar 1989, als noch niemand das Herannahen der „DDR-Wende“ ahnte, lernten sie sich kennen: Hans-Joachim Maaz, Chefarzt der Psychotherapeutischen Klinik des Diakoniekrankenauses in Halle a.d. Saale und Andreas Peglau, Redakteur beim DDR-Sender Jugendradio DT 64. Daraus entstand eine außergewöhnliche Sendereihe – und eine lebenslange Freundschaft. In diesem Gespräch berichten sie nicht nur über Befindlichkeiten, Hoffnungen, Enttäuschungen der DDR-Bürger zwischen 1989 und 1991. Sie verweisen auch auf Ähnlichkeiten zur gegenwärtigen Situation: Erneut versucht ein System, dem Zusammenbruch zu entgehen und offenbart dabei seine Schattenseiten in dramatischer Weise. Erneut platzen massenhaft Hoffnungen und Illusionen. Doch wird es diesmal zur notwendigen „Trauerarbeit“ über diese Verluste kommen – oder ziehen wir lieber in den Krieg, um uns mit dieser bitteren Realität nicht zu konfrontieren?

Robert Stein im Gespräch mit Hans-Joachim Maaz und Andreas Peglau, 20. November 2025 (88 Minuten).