Schlagwort-Archive: Freud

Mythos Todestrieb. Über einen Irrweg der Psychoanalyse

von Andreas Peglau

1932 bezeichnete Freud (1999c, S. 101) „[d]ie Trieblehre“ als „unsere Mythologie“, Triebe als „mythische Wesen“. 1920, in Jenseits des Lustprinzips, hatte er das umstrittenste dieser „Wesen“ erstmals öffentlich vorgestellt: den Destruktions- oder Todestrieb, später Thanatos benannt, nach dem griechischen Todesgott. Noch heute hat die Annahme eines solchen Triebes Einfluss in- und außerhalb der Psychoanalyse – obwohl ihre Realitätsferne längst erwiesen ist.

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Der Mensch ist dem Menschen kein Wolf – über eine eklatante Freud`sche Fehlleistung

von Andreas Peglau

Die noch immer und nicht nur unter vielen kleinianischen und lacanschen Psychoanalytikern verbreitete Auffassung, es gebe einen Todes-, Destruktions- oder zumindest einen, wie Konrad Lorenz postulierte, Aggressionstrieb, lässt sich mit guten wissenschaftlichen Argumenten bezweifeln.¹ Literatur dazu ist reichlich vorhanden.²

Bemerkenswert und meines Wissens wenig bekannt ist jedoch: Auch dem vielfach als Autoritätsbeweis für die Existenz angeborener Bösartigkeit herangezogenen Satz Sigmund Freuds liegt die krasse Fehlauslegung eines Zitates zugrunde.

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100 JAHRE „URSZENE“. Anmerkungen zu einem strittigen Begriff

von Andreas Peglau

Johannes Cremerius (1995, S. 47) urteilte, die Psychoanalyse habe nur eine Zukunft, wenn sie sich „Aufräumarbeiten“ in der Begriffsbildung unterziehe, statt weiter dahin zu stolpern über „Geröllhalden beliebiger, vieldeutiger Begriffe oder solcher, die nur geheime Vokabeln für Eingeweihte sind“. Sogar „im Zentrum der psychoanalytischen Theoriebildung“ stoße man auf „generalisierende Ideen“, „Privatphilosophien“, nie Geklärtes und unreflektiert Weitergegebenes. Ich teile diese Ansicht. Die als kindliche Beobachtung elterlichen Geschlechtsverkehrs verstandene, angeblich traumatisierende „Urszene“ scheint mir einer der hinterfragenswürdigen Begriffe zu sein. Daher wollte ich wissen: Wie wird in der Psychoanalyse Freuds tatsächlicher Umgang mit diesem Terminus berücksichtigt? Ist die dieser Szene zugeschriebene Wirkung mittlerweile empirisch geprüft? Weiterlesen

Sigmund Freud in Weimar. Ein Foto aus dem Jahr 1911 – und eine Momentaufnahme der psychoanalytischen Bewegung

In der Psychoanalyse-Geschichtsschreibung hat es lange Zeit wenig Beachtung gefunden, dass ihre wichtigsten Vertreter 1911 in der Goethe-und-Schiller-Stadt zusammentrafen. Aber auch dieser Kongress ist aus mehreren Gründen genauerer Betrachtung wert.

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