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Über AndreasPeglau

1957 geboren in (Ost-)Berlin, Dr. rer. medic., Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychothera-peut und Psychoanalytiker in eigener Praxis in Berlin.

Ein marxistischer Psychoanalytiker jüdischer Herkunft erlebt das Ende der Weimarer Republik.

Nach 87 Jahren erscheint Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus (1933) erstmals im redigierten Originaltext.

von Andreas Peglau

MPF 33 Neuausgabe Werbung

„Die Gesellschaft muß sich im Widerstand gegen uns befinden, denn wir verhalten uns kritisch gegen sie; wir weisen ihr nach, daß sie an der Verursachung der Neurosen selbst einen großen Anteil hat“ (Sigmund Freud, 1910).

Konsequente Psychoanalyse ist gesellschaftskritisch, als Sozialwissenschaft ebenso wie als Therapiemethode. Auch deswegen ist das im Spätsommer 1933 publizierte Original von Reichs Massenpsychologie des Faschismus eines der wichtigsten psychoanalytischen Bücher, die je erschienen sind. Zudem war es innerhalb dessen, was heute Rechtsextremismusforschung genannt wird, die erste Veröffentlichung zu psychosozialen Hintergründen des NS-Systems.

Dennoch ist diese Erstausgabe fast vollständig in Vergessenheit geraten, nur noch als Raubdruck erhältlich oder als teures antiquarisches Angebot. Falls sich jemand auf Reichs Massenpsychologie bezieht, meint er inzwischen fast immer die 1946 erschienene, englischsprachige dritte Auflage, die seit 1971 in Deutsch vorliegt. Doch diese dritte Auflage unterscheidet sich gravierend vom Original.

Ein eigenständiges Werk

Massenpsychologie Originalumschlag

Der Umschlag der 1933er Erstausgabe

 

1933 hatte Reich noch als „linker“ Psychoanalytiker und kritischer Mitstreiter Freuds geschrieben. Sein erklärtes Ziel war es, Elemente aus Psychoanalyse und Marxismus zu etwas Neuem zu verschmelzen, das er „Sexualökonomie“ nannte.

Da er seit 1930 in Berlin lebte, war sein Buch in unmittelbarer Konfrontation mit dem damaligen politischen „Rechtsruck“ entstanden. Als Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands und Sexualreformer war Reich in dessen Abwehr auf vielfältige Weise involviert. Was er dabei erfuhr und begriff, hielt er fest für die Massenpsychologie.

 

 

 

Dieses Buch ist also zugleich ein Zeitzeugenbericht: Ein marxistischer Psychoanalytiker jüdischer Herkunft erlebt, kommentiert und analysiert das Ende der Weimarer Republik und den Siegeszug des Nationalsozialismus. Darüber hinaus deckte Reich psychosoziale Grundzüge des internationalen Faschismus auf.

Fertigstellen konnte er sein Werk erst, nachdem er im Mai 1933 in Dänemark, seinem ersten Exilland, angekommen war. Noch im selben Jahr wurde er sowohl aus den kommunistischen als auch aus den psychoanalytischen Organisationen ausgeschlossen.

Als Reich sich dann 1942, seit drei Jahren in den USA lebend, der Überarbeitung der Massenpsychologie zuwandte, hatte sich nicht nur seine Lebenssituation gründlich gewandelt, sondern auch sein wissenschaftliches und politisches Selbstverständnis.

Er hatte sich von Freud und Marx, erst recht von jeder Art Parteipolitik distanziert. Den Stalinismus ordnete er jetzt als „rote“ Spielart des Faschismus ein. Von Dezember 1941 bis Januar 1942 war er vom FBI mehrere Wochen als „gefährlicher feindlicher Ausländer“ arretiert worden – wobei ihm nicht zuletzt sein kommunistisches Engagement in Europa zur Last gelegt wurde. Und er hatte seiner Tätigkeit einen neuen Schwerpunkt gegeben: die Erforschung der von ihm „Orgon“ genannten Lebensenergie.

All das schlug sich nicht nur in Inhalt und Vokabular der dritten Ausgabe deutlich nieder, sondern auch in deren Umfang. Dieser wuchs durch das Einfügen von sechs zwischen 1935 und 1945 verfassten Texten auf mehr als das Doppelte. So wertvoll diese Ergänzungen auch waren, da sie bedeutsame Weiterentwicklungen enthielten: Von einem kohärenten Buch konnte nicht mehr die Rede sein.

Damit verschwand nicht nur das Unmittelbare der Erstausgabe. Reichs verständliches Bestreben, nun, dreizehn Jahre später, allgemeingültigere Aussagen zu treffen, ging teilweise zu Lasten der bisherigen Genauigkeit. Er suchte jetzt nach Formulierungen, die sich auf alle autoritär-despotischen, patriarchalischen Systeme – insbesondere auch auf den Stalinismus – anwenden lassen sollten. Doch viele dieser Formulierungen waren nicht geeignet, Kapitalismus, Weimarer Republik und nationalsozialistische Bewegung mit derselben Exaktheit abzubilden, wie es in der 1933er Ausgabe der Fall gewesen war.

Zweifellos stellt die dritte Auflage der Massenpsychologie von 1946 eine auf ihre Art erneut bemerkenswerte Weiterführung dar. Die Lektüre des Originals ersetzt sie jedoch nicht.

 Verdrängt statt verwendet

Ab 1933 entzogen vor allem der Anpassungskurs der psychoanalytischen Institutionen gegenüber dem NS-System und die zeitgleich in den USA erfolgende Medizinalisierung der Freud’schen Lehre den auf Gesellschaftskritik und -veränderung ausgerichteten analytischen Strömungen dauerhaft ihre Basis. Ein psychoanalytisches Buch, das eine auch nur annähernd so gründliche Aufarbeitung psychosozialer Wurzeln faschistischer Strömungen und „rechter Bewegungen“ bietet wie Reichs Massenpsychologie – und wie Erich Fromms Anatomie der menschlichen Destruktivität von 1973 –, ist bis zum heutigen Tag nicht erschienen.

Trotzdem wird Wilhelm Reich im Hauptstrom der Psychoanalyse nach wie vor meist totgeschwiegen, diffamiert oder marginalisiert. Reichs gesamtes sozialkritisches Werk spielt dort so gut wie keine Rolle, angemessene Diskussionen der Massenpsychologie sucht man vergebens.

Auch in aktuellen Publikationen zu Autoritarismus, Faschismus, Holocaust, zur NS-Täterforschung und zum Rechtsextremismus findet diese Schrift nur in Ausnahmen Erwähnung. Das ist erstaunlich, weil sich Reichs Auffassung des Faschistischen als autoritär, nationalistisch, rassistisch – insbesondere antisemitisch –, militant und (Männer-)Gewalt verherrlichend, hochgradig deckt mit als gültig erachteten Definitionen von „rechtsextrem“. Und es ist bedauerlich, weil Reich zusätzlich ausschlaggebende Punkte einbrachte wie die gegenseitige Abhängigkeit von Führern und Geführten und die Mitverursachung „rechter“ Tendenzen durch lust- und körperfeindliche Religionen, durch Unterdrückung von Kindern, Frauen und Sexualität, kurz: durch das Patriarchat. Erst diese „ganz normale“ autoritäre, gefühls- und sexualitätsunterdrückende Sozialisation machte aus psychisch noch recht gesunden Säuglingen zahme Untertanen, Rassisten und zerstörungswillige Fanatiker – und damit: potentielle Faschisten.

Von der Auseinandersetzung mit Reich könnten deshalb zahlreiche Forschungsarbeiten zum Faschismus profitieren, bieten sie doch in aller Regel keine befriedigenden Antworten auf zwei entscheidende Fragen: Welcher psychische Zustand versetzte Menschen in die Lage, sich aktiv an so destruktiven Bewegungen wie der nationalsozialistischen oder gar am Holocaust zu beteiligen – und wie wurde dieser Zustand herbeigeführt?

Aktuelle Brisanz

„Überholt“ war dieses Werk zu keinem Zeitpunkt. Mittlerweile erhält es erneute Aktualität: durch den nicht nur in Europa zu beobachtenden politischen „Rechtsruck“.

Dass der Psychosozial-Verlag Gießen im Januar 2020 den Originaltext, ergänzt durch einen umfangreichen Anhang inklusive biografisch-zeitgeschichtlicher Einordnung wieder zugänglich macht, ist daher in mehrfacher Hinsicht ein Gewinn.

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Hier kann der oben stehende Text als pdf heruntergeladen werden:
WR Massenpsychologie Neuauflage 2020

Tipp zum Weiterlesen:

Über Freud und Marx hinaus

Verschobene Wut – über eine der Ursachen „rechter“ Wahlerfolge

von Andreas Peglau

(Auszug aus „Rechtsruck im 21. Jahrhundert“)

Schon 1933 waren, wie auch Wilhelm Reich erkannte, Angehörige des Mittelstandes für die faschistische Ideologie besonders anfällig, weil sie fürchteten, ins Elend abzurutschen.[1] Heute ist die deutsche „Einkommensmittelschicht“ ebenfalls gefährdet. 1992 machte sie noch 62% der Bevölkerung aus, 2006 war sie auf 54,1% geschrumpft, zum größeren Teil dem Abstieg „in die armutsgefährdeten Lagen“ geschuldet.[2] Dieser Prozess hält an.[3] Wie es dort, am unteren Ende der Gesellschaft zugeht, lässt sich den jährlichen „Armutsberichten“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes entnehmen. 2016 lautete dessen Bilanz, seit „Bankenrettung und Wirtschaftskrise“ gebe es

„einen stetigen Abbau bei den Hilfen für Langzeitarbeitslose, darunter vor allem ältere Arbeitslose, Menschen mit Behinderungen oder chronischen, auch psychischen Erkrankungen, Migranten und Alleinerziehende. Die Bundesregierung hat spätestens seit 2010 umgeschaltet auf eine Zwei-Klassen-Arbeitsmarktpolitik: gute und schnelle Vermittlung für gut und schnell Vermittelbare, während notwendige Programme und Hilfen für die nur mit größerem Aufwand zu Integrierenden stagnieren, zurückgefahren werden oder sich auf eher symbolische Programme mit geringem Umfang beschränken.“[4]

Auch 2016 waren rechtsextreme Einstellungen bei Erwerbslosen stärker ausgeprägt als bei Erwerbstätigen[5] und eine auf diverse Zielgruppen gerichtete Menschenfeindlichkeit bei Armen verbreiteter als bei Wohlhabenden.[6] Denen, die heute in Deutschland als arm eingestuft werden, geht es zwar im Durchschnitt materiell weit besser, als den ärmeren Schichten am Vorabend des Dritten Reiches und als vielen anderen, die diesen Planeten besiedeln.
Aber ein Blick in die Geschichte oder auf die Verteilungssituation materieller Güter zwischen den Staaten dieser Erde genügt, um zu erkennen: Armut[7] an sich, auch Hunger[8] macht noch keinen Faschismus. Wiederum fördert die bloße Erwartung, in die Armut abgeschoben zu werden – also zu diesem Zeitpunkt ein noch rein psychisches Problem –, hierzulande bereits die Übernahme „rechter“ Einstellungen.[9]
Woran liegt das?

Die Antwort dürfte lauten: Arm zu sein in einer an sich reichen Gesellschaft wie der unsrigen bringt nicht nur materiellen Mangel mit sich. Soziologische Untersuchungen zeigen seit langem, dass Arbeitslosigkeit zumeist „mit einem niedrigen Selbstwert, Motivationsproblemen, schwerwiegenden Isolationsgefühlen, Beziehungsproblemen“, massiven Selbstvorwürfen wegen vermeintlichen Versagens „sowie gesundheitlichen Schäden einhergeht“.[10]
Auch im heutigen Deutschland gilt, wie Zeit online 2016 titelte: „Wer früher stirbt, war länger arm“.[11] Arme Männer leben im Durchschnitt fast elf Jahre kürzer als reiche. Arme Frauen haben eine um mehr als acht Jahre geringere Lebenserwartung als reiche.[12] Das bedeutet, so Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes:

„Die armen Menschen, die ihr Leben lang Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt haben und dann im Durchschnitt vielleicht noch vier oder fünf Jahre die Rente genießen können, finanzieren im Grunde genommen die Rente der Wohlhabenderen, länger Lebenden mit. Und das ist, wenn man genau hinguckt, natürlich ein sozialpolitischer Skandal erster Güte.“[13]

Viele dieser Wohlhabenderen blicken zudem verächtlich herab auf jene, deren Lebenserwartung durch Armut verkürzt ist. „Stigmatisierungen durch die Mehrheitsgesellschaft“[14] und Abwertungen von Arbeitslosen, insbesondere Langzeitarbeitslosen waren auch 2016 in Deutschland weit verbreitet: 49% der Bevölkerung – also fast die Hälfte aller Erwachsenen[15] – meinten, „die meisten Langzeitarbeitslosen“ seien „nicht wirklich daran interessiert, einen Job zu finden“ oder fanden es „empörend, wenn sich Langzeitarbeitslose auf Kosten der Gesellschaft ein bequemes Leben machen“.[16]

All das muss bei solcherart Diskriminierten vielfach Wut oder Hass auslösen – die sich verbinden dürften mit jener Aggressivität, die durch andere Ungerechtigkeiten seit Kindesbeinen angestaut wurde.
Damit korrespondiert, dass „rechte“ Tendenzen gerade in den reichsten Regionen der Erde, in Europa und Nordamerika, um sich greifen – in denen zugleich die extremsten Einkommensunterschiede zwischen Armen und Reichen zu verzeichnen sind.[17]

Halten wir also fest:

Nicht nur die Armut, sondern auch die krassen Einkommensunterschiede in diesem unseren Land müssen reduziert werden, um rechtsextreme Einstellungen zu lindern.
Die Angst vor einem zu erwartendem Abrutschen ins soziale Elend und die Wut darüber, dort längst angekommen zu sein, befeuern „Rechts“-Tendenzen ebenso wie die – berechtigte – Empörung über ungerechte Besitzverteilung.

Doch wer seit der Kindheit darauf getrimmt wurde, sich unter Autoritäten zu ducken, dem muss es schwer fallen, sich mit den tatsächlichen Verursachern dieser Misere zu konfrontieren und die Aggression in Energie zur konstruktiven Veränderung der Gesellschaft umzuwandeln: Das könnte nicht nur Konflikte mit Staatsmacht und -ideologie herbeiführen, sondern auch alte Kinderängste vor Bestrafung und Isolation wecken.
Das Anstreben einer „konservativen Revolution“ – auch so ist ja mehrfach das Ziel von „Rechten“ bezeichnet worden[18] – hat dagegen den neurotischen Vorteil, sich nicht als „Umstürzler“ betrachten zu müssen, da doch angeblich nur das gute Alte bewahrt oder wiedererlangt werden soll.

Um die Konfrontation mit regierungsamtlichen Ersatzeltern und sonstigen Mächtigen zu vermeiden, bietet sich zum einen an, Wut und Hass in depressiver Weise gegen sich selbst zu richten. Nicht umsonst muss von Depression, schon von Sigmund Freud als autoaggressive Selbstabwertung klassifiziert,[19] als deutscher „Volkskrankheit“ gesprochen werden.[20]

Eine zweite Möglichkeit ist, die angestauten aggressiven Impulse auf Schwächere und Sündenböcke umzuleiten. 1933 waren es vor allem die entrechteten Juden, die dafür herhalten mussten. Zurzeit sind es insbesondere diejenigen, die als Flüchtlinge in unser Land kommen, aber auch andere, als „fremd“ eingestufte Menschen wie Muslime, Sinti und Roma sowie Homosexuelle oder Arbeitslose.[21]

Statt anzuprangern, dass „Topmanger“ und „zehn Prozent der oberen Haushalte“ sich ungerechtfertigt viele Milliarden des gesellschaftlichen Reichtums aneignen, fällt es leichter, sich die Millionen von Euro, die zur Versorgung der Flüchtlinge genutzt werden, als Ursache eigener – tatsächlicher oder befürchteter – Verelendung und Unsicherheit einzureden.[22]

Wobei zusätzlich ausgeblendet wird, dass viele erst zu Flüchtlingen werden durch Kriege, die auch Teile der deutschen Herrschaftselite durch Waffenexporte anheizen.[23]

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Anmerkungen

[1] Reich 1933b, S. 74ff.

[2] Koppetsch 2016, S. 23f.

[3] Das vermeldete 2016 auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, allerdings unter Angabe anderer Zahlen als in Koppetsch 2016 verwendet: „Der Anteil der mittleren Einkommen am Gesamteinkommen […] sank seit 1991“ und bis 2013 „von rund 68 […]% um annähernd zehn Prozentpunkte ab“ (https://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.533695.de).

[4] http://www.der-paritaetische.de/armutsbericht, S. 3.

[5] Decker et al. 2016, S. 40.

[6] Zick et al. 2016, S. 59ff. Nicht erforscht wurde hier, ob die Armen sich auch am meisten politisch „rechts“ betätigen.

[7] https://crp-infotec.de/wp-content/uploads/ldc-oecd-vergleich.gif

[8] http://documents.wfp.org/stellent/groups/public/documents/newsroom/wfp284776.pdf

[9] Heitmeyer 2015, S. 122f.

[10] https://www.uni-bielefeld.de/ikg/zick/Report%20Zick%20Arbeitslose%203_2010.pdf, S. 1. Diese gesundheitlichen Schäden sind oft auch psychische. 50% der chronisch und schwer psychisch Kranken sind arbeitslos, nur 10% von ihnen stehen in einem regulären Beschäftigungsverhältnis (http://www.der-paritaetische.de/armutsbericht/psychisch-erkrankte/). Ursache und Wirkung dürften hier kaum auseinanderzuhalten zu sein: Psychisch Kranke werden häufiger arbeitslos und arm – aber Arbeitslosigkeit und Armut lösen auch schwere seelische Probleme aus oder verstärken sie.

[11] http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-03/lebenserwartung-armut-reichtum-deutschland

[12] http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsGiD/2015/kurzfassung_gesundheit_in_deutschland.pdf?__blob=publicationFile, S. 7-11.

[13] So Rosenbrock am 2.3.2017 in der ARD-Sendung Panorama (http://www.tagesschau.de/inland/lebenserwartung-107.html)

[14] https://www.uni-bielefeld.de/ikg/zick/Report%20Zick%20Arbeitslose%203_2010.pdf, S. 1.

[15] Zick et al. 2016 befragten eine repräsentative Stichprobe „der deutschsprachigen Wohnbevölkerung“ ab 16 Jahren (ebd., S. 24).

[16] Ebd., S. 46, 49.

[17] https://de.statista.com/infografik/2857/verteilung-des-privatvermoegens-weltweit/

[18] https://www.freitag.de/autoren/fpeter/konservative-revolution201d-im-aufwind; https://de.wikipedia.org/wiki/Konservative_Revolution

[19] Freud 1915, S. 429–433. Auch aktuelle Untersuchungen ergeben, dass „depressive Patienten […] gemeinsam mit den depressiven Probanden aus der Allgemeinbevölkerung nicht nur die höchste Selbstaggressivität, sondern zugleich auch die höchste externalisierte Aggressivität in Form von reaktiver und spontaner Aggressivität“ aufweisen (www.thieme-connect.de/products/ejournals/html/10.1055/s-0042-120411?update=true).

[20] „Derzeit sind ca. 5% der Bevölkerung im Alter von 18-65 Jahren in Deutschland an einer behandlungsbedürftigen Depression erkrankt. Das sind […] ca. 3,1 Millionen Menschen“. Da „in den Gruppen unter 18 und über 65 Jahren ebenfalls Menschen von depressiven Störungen betroffen sind, […] ergibt sich eine geschätzte Anzahl von ca. 4 Millionen. Größer ist die Zahl derjenigen, die irgendwann im Laufe ihres Lebens an einer Depression erkranken.“ (http://www.deutsche-depressionshilfe.de/stiftung/volkskrankheit-depression.php?r=p). Der Gesundheitsbericht des Robert-Koch-Institutes konstatierte 2016: „Als Ursache für Krankschreibungen nehmen Depressionen in Ländern mit mittlerem oder hohem Einkommen weltweit die erste Stelle ein“ (http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsGiD/2015/kurzfassung_gesundheit_in_deutschland.pdf?__blob=publicationFile, S. 44).

[21] Siehe zum Beispiel Decker et al. 2016, S. 82–87.

[22] Auch unter jugendlichen Arbeitslosen begünstigen „kollektive Benachteiligungsgefühle“ „ein fremdenfeindliches Klima“ (Heitmeyer 2015, S. 143f.).

[23] http://www.dw.com/de/waffenverk%C3%A4ufe-weiter-auf-hohem-niveau/a-36620430

 

Tipps zum Weiterhören und -lesen

Produzierte die DDR mehr „rechte“ Einstellungen als die BRD? Nein – ganz im Gegenteil

Kein Mensch wird als Schaf geboren. Zu „Warum schweigen die Lämmer?“ von Rainer Mausfeld.

Anregung zum Weiterforschen/ Quellen-, Literatur- und Personenverzeichnis aus „Unpolitische Wissenschaft?“ (2017)

von Andreas Peglau

Unpolitische Wissenschaft? Anregung zum Weiterforschen QuellenUm weitere Forschungen zur Psychoanalysegeschichte anzuregen, stelle ich das komplette, 28-seitige Quellenenverzeichnis meines Buches zum Download bereit:

Quellen und Literatur Peglau Unpolitische Wissenschaft, Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Psychosozial-Verlag-Gießen 2017.

Zusätzlich kann in diesem  Index (18 Seiten) nachgeschaut werden, wer in meinem Buch auftaucht:

A. Peglau Unpolitische Wissenschaft 2017 Personenregister.

 

Mein Buch endet (S. 673-675) mit dem folgenden

Vorschlag für Weiterführungen

Da für meine spezifischen Fragestellungen oft wenig wissenschaftliche Vorleistungen existierten, hatte meine Arbeit in manchen Punkten den Charakter einer ersten Sondierung. Positiv formuliert: Ich hoffe, neben vielen gesicherten Fakten auch viele Anregungen für weitere Nachforschungen und konstruktiven Streit geliefert zu haben (und bin natürlich sehr interessiert an Hinweisen auf Fehler und an anderweitigen Korrekturvorschlägen). Weiterlesen

Psychoanalyse im Nationalsozialismus. Eine Kurzfassung

 von Andreas Peglau (Juni 2019)

Psychoanalyse im Nationalsozialismus

 

 

 

 

 

 

 

 

Bitte zitieren als:

Peglau, Andreas (2019): Psychoanalyse im Nationalsozialismus. Eine Kurzfassung, https://andreas-peglau-psychoanalyse.de/wp-content/uploads/2019/06/Andreas-Peglau-Psychoanalyse-im-Nationalsozialismus.-Eine-Kurzfassung-2019.pdf

Hier kann es kostenlos als pdf heruntergeladen werden.
Die Weiterleitung und Verbreitung dieses Textes zu nichtkommerziellen Zwecken ist ausdrücklich erwünscht.

Der unten stehende Text entspricht dem im pdf-Dokument enthaltenen; Abweichungen gibt es nur bei den Illustrationen.

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Offener Brief zum Thema C. G. Jung und „Afrikaner“

Der Europäer, unbekümmert um seine geistige Höhe, kann nicht “ungestraft” in Afrika unter Negern leben, denn unbemerkt geht deren Psychologie in ihn ein, und er wird – dagegen hilft kein Sträuben – unbewußt zum Neger. Dafür existiert in Afrika der wohlbekannte technische Ausdruck “going black” [sic; schwarzwerden]. Es ist kein bloßer Snobismus des Engländers, wenn ihm der in den Kolonien, vielleicht aus bestem Blut Geborene als “slightly inferior” [sic; leicht minderwertig] gilt. Dahinter stecken Tatsachen.
(C. G. Jung, Gesammelte Werke 10, para. 249, 1927 geschrieben)

DIES IST DIE PUBLIKATION EINES OFFENEN BRIEFES AUF DEUTSCH, ITALIENISCH, FRANZÖSISCH , SPANISCH UND ENGLISCH (ZUERST VERÖFFENTLICHT IN ENGLISCHER SPRACHE IN THE BRITISH JOURNAL OF PSYCHOTHERAPY, UND IN DER FOLGEZEIT IN VERSCHIEDENEN SPRACHEN IN MEHR ALS ZEHN ZEITSCHRIFTEN).

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„Der Europäer kann nicht ‚ungestraft‘ in Afrika unter Negern leben“. Textbeispiele für C. G. Jungs Rassismus

ERLÄUTERUNGEN  ZUM  OFFENENEN  BRIEF  ZUM  THEMA  JUNG  UND  ‘AFRIKANER’, DER IM NOVEMBER 2018 IM  BRITISH JOURNAL OF PSYCHOTHERAPY  VERÖFFENTLICHT WORDEN  IST. 

von ANDREW SAMUELS

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Was Jung über ‘Afrikaner’ und ‘Amerikanische Neger’ geschrieben hat, hat viele Leser und Kommentatoren beunruhigt. Er hat über sie kaum etwas Positives zu sagen.

Für diejenigen von Ihnen, die mit diesen Belangen nicht vertraut sind, folgen hier einige Beispiele. Weiterlesen

Keine „Liquidierung“, kein Totalverbot, sondern ein hohes Maß an Kollaboration. Der Forschungsstand (Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Teil 1)

von Andreas Peglau

Vorab.

Dieser erste Beitrag folgt im Wesentlichen Teilen der Einleitung zu meinem 2013 erstmals erschienenem Buch Unpolitische Wissenschaft? Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus (Psychosozial-Verlag Gießen).

Unpolitische Wissenschaft? Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im NationalsozialismusAbgesehen von meinen eigenen Arbeiten ist der hier von mir geschilderte Forschungsstand meines Wissens seither leider nicht ausgebaut worden. Falls doch, wäre ich für Hinweise auf von mir übersehene Publikationen dankbar.
Das komplette, für die 2017 veröffentlichte dritte und erweiterte Auflage erstellte Quellen- und Literaturverzeichnis findet sich hier: Quellen und Literatur Peglau Unpolitische Wissenschaft, Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Psychosozial-Verlag-Gießen 2017.
Indem ich unter der Überschrift „Psychoanalyse im Nationalsozialismus“ nun neun stark gekürzte und veränderte Auszüge des fast 700-seitigen Buches wiedergebe, hoffe ich, weiterführende Recherchen anzuregen und zu unterstützen.

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Verbrannte Psychoanalyse: pauschaler Bannspruch, vier direkt betroffene Autoren (Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Teil 2)

von Andreas Peglau

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10. Mai 1933, Berlin

Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten mehrten sich die Zeichen für eine zu erwartende Bedrohung der Psychoanalyse in Deutschland. Das in dieser Hinsicht dramatischte Ereignis fand Anfang Mai in Berlin statt.

Mehr oder weniger spontane Bücherverbrennungen, meist als Begleiterscheinung von SA- und SS-Terror, gab es bereits ab März 1933. Bis zum Oktober des Jahres lassen sich bislang mehr als 100 Verbrennungsakte in 85 deutschen Städten nachweisen (Treß 2011, S. 40f.). Die meisten davon wurden von der Hitlerjugend organisiert und richteten sich gegen missliebige Bestände von Schulbibliotheken (Treß 2008a, S. 14ff., 2008b, S. 52–58). Aber auch der von Alfred Rosenberg geleitete Kampfbund für deutsche Kultur, der Deutsche Handlungsgehilfenverband, die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation sowie Ortsgruppen der NSDAP traten als Träger der Vernichtungsaktionen in Erscheinung (Treß 2008a, S. 24). Ab April 1933 beteiligten sich nationalsozialistische Studenten ebenfalls mit einem Diffamierungs- und Zerstörungskonzept: der Aktion »Wider den undeutschen Geist!«. Die eng mit der SA verflochtene Deutsche Studentenschaft (DSt) wollte damit offenbar auch die eigene Bedeutsamkeit spektakulär demonstrieren (Treß 2008a, S. 53, 2003, S. 61ff.). Als Termin für Hauptakt und Höhepunkt der auf vier Wochen angelegten Kampagne benannte die DSt-Leitung den 10. Mai 1933, als Ort Berlin.

Bevor hier an jenem Abend die zentrale Aktion der Bücherverbrennung begann, hielt Alfred Baeumler in der Berliner Universität seine Antrittsvorlesung als neu berufener Ordinarius für Politische Pädagogik (Treß 2003, S. 117). Die Sätze, die er den Studenten am Ende mit auf den Weg gab, dürften sich auch auf Sigmund Freud bezogen haben:[1]

»Sie ziehen jetzt hinaus, um Bücher zu verbrennen, in denen ein uns fremder Geist sich des deutschen Wortes bedient hat, um uns zu bekämpfen […]. Was wir heute von uns abtun, sind Giftstoffe, die sich in der Zeit einer falschen Duldung angesammelt haben. Es ist unsere Aufgabe, den deutschen Geist in uns so mächtig werden zu lassen, dass sich solche Stoffe nicht mehr ansammeln können« (ebd., S. 118). Weiterlesen

»Die Psychoanalyse bemüht sich, (…) unfähige Weichlinge zu lebenstüchtigen Menschen (…) umzuformen“. Das 1933er »Memorandum« (Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Teil 3)

von Andreas Peglau

Vorab.

Schon bald nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Januar 1933, angetrieben auch von der Bedrohung durch die Bücherverbrennung, bemühten sich Funktionäre der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) darum, die Analyse dem neuen Regime anzudienen. Dabei spielte ein Schriftstück eine Rolle, das im Mittelpunkt des folgenden Beitrags steht. Weiterlesen

Verbotene Psychoanalyse? Zwischen „soll unangetastet bleiben“ und „ist auszumerzen“ (Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Teil 4)

von Andreas Peglau

Der während der Berliner Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 ausgerufene „Feuerspruch“ Nummer vier war eindeutig auf die gesamte analytische Lehre und ihre Schriften ausgerichtet: »Gegen seelenzersetzende Überschätzung des Trieblebens. Für den Adel der menschlichen Seele. Ich übergebe dem Feuer die Schriften der Schule Sigmund Freuds!«
Doch bereits zwei Monate später, im Juli 1933, wurden für die Verbote analytischer Schiften Kriterien herangezogen, die man – für NS-Verhältnisse – nur als erstaunlich tolerant bezeichnen kann. Nach den fanatisierten NS-Studenten, die die Bücherverbrennung initiiert hatten, kamen nun Bürokraten zum Zuge – und Wissenschaftler.

Verbotene Psychoanalyse DB

Einer der im Original erhalten gebliebenen Karteikästen, anhand derer in der Deutschen Bücherei Leipzig 1933 die Psychoanalyse zensiert wurde (Foto A. Peglau 2012).

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