Archiv des Autors: AndreasPeglau

Über AndreasPeglau

1957 geboren in (Ost-)Berlin, Dr. rer. medic., Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychothera-peut und Psychoanalytiker in eigener Praxis in Berlin.

China: Geborgenheit oder Gängelei?

Einige Fragen und Antworten zu den „Zitaten und Notizen zu China“

Es stimmt, die Idee des Sozialismus war und ist nicht tot. Dennoch ist Vorsicht angesagt, in China ein „Frühstadium eines Sozialismus“ zu sehen.

AP: Ich wollte damit nicht sagen, ich wäre mir sicher, wie es in China weiter geht. Aber soweit ich den aktuellen Zustand beurteilen kann – ich war ja noch nicht selbst in China –, bleibe ich bei dieser Einschätzung.
Zudem: Was ist Sozialismus? In der Sicht von Marx und vielen Marxisten sind die Produktionsverhältnisse ja immer mehr zum Selbstzweck geworden. Doch eigentlich sind sie nur Mittel zum Zweck der Ermöglichung sinnvollen Lebens. Allein das, was ich zu Beginn meiner „Notizen“ aus dem ersten Buch von Wolfram Elsner zitiert habe, belegt, dass es in China in diese Richtung geht.
Wenn wir außerdem akzeptieren, dass der Schwerpunkt der Bedürfnisse der allermeisten Chinesen eher ausgerichtet ist auf Sicherheit, Gesundheit, Arbeitsplätze und Bildung als auf freie individuelle Entfaltung „westlicher“ Art, müssen wir auch sagen: Dieser Art von Bedürfnisstruktur trägt die Kommunistische Partei Chinas weitgehend Rechnung.
Schon das ist für mich „sozialistisch“, im Sinne von: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“

Sehr bald verweist Du auf Deine Erfahrung in der DDR, die Du als „Geborgenheit“ beschreibst. Deine Einschätzung kann ich als subjektives Erleben überhaupt nicht in Frage stellen, aber es gilt nicht für den Großteil der Menschen der DDR, die sie wohl sehr unterschiedlich erlebt haben.  – Oder?

AP: Ich glaube schon, dass die meisten DDR-Bürger das Versorgt-Werden, Beschützt-Werden, die Planbarkeit des Lebens, die Sicherheit der Befriedigung sämtlicher materieller Grundbedürfnisse inklusive des Arbeitsplatzes auch als etwas Positives wahrgenommen haben, zumindest unbewusst. Es hatte nur oft zugleich den anderen Aspekt: Gängelei und Kontrolle.

„Patriarchat, Leistungsdenken, Autoritarismus, Abwertung von Psyche und Psychologie“, das zeigt sich aber auch im asiatischen Denken und möglicherweise in der patriarchalisch konzipierten chinesischen Familie – was sich auf die Kommunistische Partei Chinas und ihren Führungsanspruch übertragen lässt.

AP: Da hast Du recht. Aber zum Beispiel, dass sie die Gleichberechtigung der Frauen so sehr voranbringen – siehe Wolfram Elsner –, lässt mich hoffen, auch das ändert sich noch. Und zu diesem patriarchalischen Denken gehört ja nicht zuletzt eine Fortschrittsgläubigkeit, die umweltzerstörend wirkt. Auch da stellt China die Weichen inzwischen anders: in Richtung Ökologie.

Du schreibst, was wir brauchen, ist also „nur“ die – möglichst massenhafte – Bereitschaft, sich auf solche Ideen (erneut) einzulassen … Da schwingt mir zu viel Enthusiasmus mit …

AP: Vielleicht hätte ich die Anführungsstriche um das „nur“ ganz besonders FETT machen sollen …

Du zitierst, Konsens und Harmonie böten sozialen Zusammenhalt in China. Was macht Dich sicher, dass diese „Harmonie“ nicht als Mittel der Machtausübung instrumentalisiert wird und wurde? Auch unter der Kontrolle der KPCH wirkt ja die Widersprüchlichkeit des Kapitalismus, der auf Profitmaximierung und Wachstum ausgerichtet ist.

AP: Ich denke ebenfalls, dass dieses Harmoniestreben eine Basis schafft für autoritäres Regieren. Deshalb habe ich diese Stelle hervorgehoben im selben Zitat: „In China haben wir somit den Anspruch einer Herrschaft durch eine moralische Elite, die sich als Vertreter auch des gemeinen Volkes verstand und die somit den Ruf nach dessen Selbstbeteiligung nie aufkommen ließ …“
Was den kapitalistischen Sektor betrifft, habe ich den Eindruck: Inzwischen hat die KP den ganz gut unter Kontrolle. Aber klar: Das kann sich ändern.

Ist Herrschaft „für das Volk“ nicht eine andere Form der Herrschaft „über das Volk“?

AP: Ja, aber eben besser als die hiesige Herrschaft gegen das Volk. Und: Nach der mehrtausendjährigen Prägung des Riesenlandes China – und aufgrund der lauernden, mächtigen Gegner – halte ich eine zügige Demokratisierung auch nicht für möglich.
Was geschieht, wenn autoritär Abhängige schnell in die Freiheit entlassen werden, haben wir ja 1990 in der DDR gesehen: Sie können, wollen nicht damit umgehen, suchen sich umgehend neue Herrscher. (Siehe auch Erich Fromms „Furcht vor der Freiheit.“)

Utopie oder Dystopie? Zitate und Notizen zu China, Mai 2020 bis Oktober 2021

von Andreas Peglau

China wird heute meist als Staat dargestellt, der seine Bürgerinnen und Bürger extrem kontrolliert und unterdrückt. Auch denjenigen, die die hiesigen „Corona“-Maßnahmen als Installation eines Polizeistaates werten, gilt China oft als Synonym für das, was uns schlimmstenfalls erwartet. Vielfach wird außerdem vor der Entstehung eines „globalen China“ gewarnt.

Bis vor kurzem habe auch ich China schlicht als weiteren kapitalistisch-autoritären Staat abgetan. Die aktuell in Westeuropa grassierende Entdemokratisierung hat mich dazu gebracht, genauer hinzuschauen. Einiges, was ich seither zu China gelesen,[1] notiert oder auch weitergegeben habe, habe ich hier chronologisch zusammengestellt. Es hat weder den Anspruch auf irgendeine Vollständigkeit noch auf Endgültigkeit – aber es lässt sich nutzen, um eigene Positionen dagegen zu setzen oder zu überprüfen.

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Medien zur Neuerscheinung der „Massenpsychologie des Faschismus“ 2020

Tarek Al-Ubaidi und Andreas Peglau bei CROPfm zur Neuauflage der „Massenpsychologie des Faschismus“. In einem knapp zweistündigen Gespräch haben wir am 27. März 2020 versucht, Inhalt und Aktualität von Reichs Klassiker gerecht zu werden, inklusive kurzer Verständigungen über „Me too“, Homophobie und Corona. Hier kann die Sendung gehört und heruntergeladen werden. 
Das Gespräch beginnt 8 Minuten nach dem Start der Sendung.

https://cropfm.at/images/Peglau-2020-750.jpg

Illustration: Matthias Töpfer >> atelier-toepfer.de

 

Auf hagalil.com (14.12.2019) finden sich neben einer Einführung Auszüge aus Reichs Kapitel zur Rassentheorie.

Unter dem Titel „Anatomie des Wahns“ ist bei rubikon.de am 16.1.2020 eine kurze Einführung plus Leseprobe erschienen.

junge Welt, Thema vom 21. Februar 2020: „Verdrängter Klassiker. Nicht nur von historischem Interesse – die vergriffene Originalfassung von Wilhelm Reichs ‚Massenpsychologie des Faschismus‘ ist neu aufgelegt worden“.
Dieser Beitrag hat sich ein ganzes Jahr lang in den Top 20 der junge-Welt-Themenbeiträge der letzten zwölf Monate gehalten und lag am bis zum Ende auf Platz 3:

junge Welt, 18.2.2021, Rubrik „„Die Lesetips unserer Abonnenten der letzten 12 Monate“

In einer Rezension des Buches für Luzifer-Amor, Heft 65, 2020 schreibt Helmut Dahmer:
„Psychoanalytiker wie Stalinisten fanden 1933, gleichermaßen verblendet, auf Reichs Massenpsychologie des Faschismus keine andere Antwort, als diesen Autor zu ächten. Acht Jahrzehnte später taucht nun der lang verdrängte ’nationalsozialistische Untergrund‘ vor unseren Augen gespenstisch wieder auf. Da wird Reichs legendärer Originaltext von 1933 wieder gebraucht.“

Ausführlich würdigt Helmut Dahmer Reichs Werk in einem am 27. Januar 2020 erschienenen Artikel in kritiknetz.de.

Günter Rexilius urteilt in der Neuen Rheinischen Zeitung vom 5. Februar 2020:
„Niemand hat wie Reich mit psycho-analytischer Akribie untersucht, dass und wie patriarchale Gesellschaften auf faschistischem Denken und Handeln fußen: Der sie tragende autoritäre Erziehungsstil, der sexualfeindlich und destruktiv ist, verankert in den kindlichen Individuen Angst, Unterwürfigkeit und Aggressivität als ‚Marschroute‘ durchs Leben. So einfach und eindringlich wie überzeugend beschreibt Wilhelm Reich ein bis heute überdauerndes bürgerliches Gesellschaftsmodell, das sich einer psychischen Dynamik bedient, die wir alle mehr oder weniger gut kennen.“

In socialnet.de zieht Hans-Peter Heekerens am 25. Februar 2020 folgendes Fazit zur Massenpsychologie:
„Das Buch gehört dahin, wovon es die Nazis und ihre allzu willigen Helfer bis in die Spitzen der deutschen Professorenschaft zur klammheimlichen Freude der kommunistischen wie psychoanalytischen Orthodoxie erfolgreich bald neun Jahrzehnte ferngehalten haben: in die Hochschulbibliotheken und sonstige Bibliotheken, die der Bildung in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter dienen.“

Im Blättchen vom 2. März 2020 fasst Wolfgang Brauer wichtige Schlüsse aus Reichs Buch zusammen:
„Erstens sind die neuen nazistischen Bewegungen keine Eintagsfliegen, und sie repräsentieren auch keine vernachlässigbaren Minderheiten. Zweitens scheinen die bislang gewählten politischen Mittel ihrer Bekämpfung einigermaßen hilf- und erfolglos zu sein. Auch wenn sie mit Getöse daherkommen.
Es ist eine medizinische Binsenweisheit, dass vor jeder Therapie eine gründliche Anamnese zu erfolgen hat. Für die Politik gilt das nicht minder. Noch wird das sträflich vernachlässigt. Andreas Peglaus Reich-Edition gibt wertvolle Anregungen, diesen misslichen Zustand zu überwinden.“

Werner Abel verweist im Neuen Deutschland vom 10. März 2020 darauf, dass Reich in seinen  autobiografischen Miteilungen resümiert, „die Sowjetunion sei bereits ‚1936 ein eindeutig imperialistischer Staat‘ gewesen, ‚der nur eines mit dem demokratischen Kommunismus gemein hatte: das Bauen auf die Hoffnung der Menschen auf eine bessere Zukunft‘. Antikommunist wurde Reich nie, aber nachvollziehbarerweise Antistalinist.“ Die Rezension schließt mit dem Satz: „Wer ein ganzheitliches Verständnis des NS-Regimes anstrebt, aber auch wer den gegenwärtigen politischen Rechtsruck durchschauen und bekämpfen will, sollte das Buch lesen.“

Am 14. Mai 2020 veröffentlichte Stefan Howald in der in der Schweiz erscheinenden WOZ (Die Wochenzeitung) seine Rezension. Sie ist überschrieben mit: „So züchtet die Kleinfamilie Rechtsextreme. Warum die ArbeiterInnen nicht zwangsläufig links sind: In seiner ‚Massenpsychologie des Faschismus‘ demonstrierte Wilhelm Reich schon 1933 einen facettenreichen Erklärungsansatz.“

Roland Kaufhold hat am 17. Juni 2020 auf hagalil.com seine Funde zu dem „linken“, aus Österreich stammenden Psychoanalytiker Rudolf Ekstein (1912-2005) vorgestellt. Einer der wichtigsten Bezugspunkte für Eksteins 1937 entstandenen Aufsatz „Sexualpolitik des Faschismus“ war Reichs „Massenpsychologie“, wie Kaufhold ausführlich belegt.

Bernd Nitzschke vermeldet in literaturkritik.de vom 21.12.2020 „Die Wiederkehr eines Verdrängten“: „Wollte man bisher die von Wilhelm Reich 1933 formulierte Analyse des realen Faschismus beziehungsweise der Gläubigkeit der Anhänger und Befürworter autoritärer Herrschaft (kirchlicher, politischer oder sonstiger Gruppierungen) nachvollziehen, musste man auf einen der ‚Raubdrucke‘ der Massenpsychologie zurückgreifen, die in der Folge der Wiederentdeckung Reichs durch die 68er-Bewegung erschienen sind, oder man nahm eine Neufassung zur Hand, in die Reich die ‚Orgon‘-Theorie umfangreich eingearbeitet hat. Bis heute zitierten geschichtsvergessene Autoren, die Reich kritisieren wollten, immer wieder spätere Überarbeitungen, ohne auf die Unterschiede zur Originalausgabe der Massenpsychologie zu achten, geschweige denn darauf hinzuweisen. Nun aber hat Andreas Peglau eine sorgfältig editierte Neuausgabe des Originaltextes der Massenpsychologie des Faschismus von 1933 vorgelegt, ergänzt durch das Nachwort zur 2. Auflage von 1934, eine Zeittafel mit den wichtigsten Lebens- und Werkdaten zu Wilhelm Reich sowie einen biographisch-zeitgeschichtlichen Abriss, in dem der Kontext des Werkes vorzüglich erläutert wird. Diese Neuausgabe ist allen Lesern zu empfehlen, die nachvollziehen wollen, wie sich ein jüdisch-marxistischer Psychoanalytiker 1933 in einer Exil-Publikation mit dem sich abzeichnenden Unheil nationalsozialistischer Macht- und Gewaltpolitik auseinandergesetzt hat. Mögen auch manche der Antworten, die Wilhelm Reich damals gab, für unsere Zeit nicht mehr zutreffen – die Fragen, die er stellte, sind auch heute von höchster Aktualität.“
(Eine Kurzfassung dieses Beitrags findet sich in Psychoanalyse aktuell. Onlinezeitung der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung DPV.)

In „Trockenlegung erinnerungspolitischer Sumpflandschaften“ (psychosozial 2021, Heft I, Nr. 163) ergänzt Bernd Nitzschke, „der biografisch-zeitgeschichtliche Kontext dieses Textes wird von Peglau in einem vorzüglich recherchierten Beitrag im Anhang der Neuausgabe erläutert. Wilhelm Reich war – neben Otto Gross (als Vorläufer) und Erich Fromm (als Zeitgenosse) – einer der Pioniere der Autoritarismusforschung.“

Die Diagnose „Rechtsruck“ genügt nicht mehr

von Andreas Peglau, erschienen in amatom, IPPNW-Zeitschrift von und für kritische Medizinstudierende, 32/ 2019

Der Original-Artikel kann hier als pdf heruntergeladen werden: amatom_32_Peglau.

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Wilhelm Reich arbeitete 1933 in der „Massenpsychologie des Faschismus“(1) heraus, dass „Rechts“-Entwicklungen“ nicht möglich sind ohne massenhaft herbeisozialisierte autoritär-destruktive Charakterstrukturen. Diese Sicht teilend, plädiere ich – neben den notwendigen politischen, ökonomischen, kulturellen und ökologischen Umwälzungen – für eine psychosoziale Revolution.(2) Dafür wesentlich sind unter anderem: möglichst konflikt- und angstfreie Schwangerschaften/ natürliche statt medizinalisierter Geburten/ nichtautoritäre Erziehung und Bildung/ erfüllende Sexualität, gleichberechtigte Partnerschaft/ ein sich ausweitendes Angebot qualifizierter, insbesondere psychodynamischer Therapie und Körperpsychotherapie. Bemerkenswerterweise sind in den letzten Jahren in Deutschland Negativtrends zu verzeichnen, die all diese Punkte berühren.
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HÖRBUCH: Wilhelm Reichs „Massenpsychologie des Faschismus“ (1933). Zum Anhören und kostenlosen Herunterladen

Wilhelm Reich Massenpsychologie des Faschismus 1933 Hörbuch

 

Gesprochen von Sabine Falkenberg und Thomas Nicolai.
Produziert im Oktober 2019 im Hörbuch-Tonstudio Berlin.
Ton und Schnitt: Berthold Heiland.
Hörbuchfassung und Regie: Andreas Peglau.
Covergestaltung: Jan Petzold. Unter Verwendung eines Fotos von Ludwig Gutman, geboren am 23.6.1869 in Horn, ermordet am 18.4.1943 im Ghetto Theresienstadt.

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„Eine sozialistische Protestdemonstration“: Berlin-Alexanderplatz, 4. November 1989

von Andreas Peglau

Zusatz 30. April 2020: Wir sollten uns darauf besinnen, dass vor etwas mehr als 30 Jahren schon einmal gelungen ist, mutige Menschen zu vereinen, um „mehr Demokratie“ einzufordern. Das ist heute nicht minder notwendig als 1989 in der DDR. Auch damals ging es nicht zuletzt darum, ein verfassungsmäßig zugestandenes aber durch den Staat in Wirklichkeit unterlaufenes Demonstrationsverbot durchzusetzen.

Während der 9. November 1989 regelmäßig als neuer „Tag der Befreiung“ zelebriert wird, bleibt ein anderes Datum weiterhin vergessen und verdrängt. Dabei war es der Höhepunkt des Bemühens, im Osten Deutschlands etwas zu errichten, was noch immer eine gute Idee ist: demokratischer Sozialismus.
Ich habe mich bemüht, das entscheidende Ereignis dieses Tages zu rekonstruieren.

Fragwürdiger Mauerfall-Kult

Fragt man heute nach dem Ablauf der DDR-„Wende“, erhält man oftmals in etwa diese Beschreibung: Die DDR-Bürgerinnen und -Bürger, von denen ja bereits tausende über Prag oder Ungarn das Land verlassen hatten, hatten von ihrem Staat die Schnauze voll und gingen dafür auf die Straße, auch so leben zu können wie im Westen; dann öffnete sich die Mauer; dann kam die ersehnte Wiedervereinigung.

Diese Fehldarstellung oder Fehlerinnerung wird auch dadurch gestützt, dass zum entscheidenden „Wende“-Ereignis der 9. November, der Tag der Maueröffnung hochstilisiert wurde – der aber in Wirklichkeit das Ende der Versuche einläutete, innerhalb der DDR eine politische „Wende“ herbeizuführen. Weiterlesen

Ein marxistischer Psychoanalytiker jüdischer Herkunft erlebt das Ende der Weimarer Republik.

Nach 87 Jahren erscheint Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus (1933) erstmals im redigierten Originaltext.

von Andreas Peglau

MPF 33 Neuausgabe Werbung

„Die Gesellschaft muß sich im Widerstand gegen uns befinden, denn wir verhalten uns kritisch gegen sie; wir weisen ihr nach, daß sie an der Verursachung der Neurosen selbst einen großen Anteil hat“ (Sigmund Freud, 1910).

Konsequente Psychoanalyse ist gesellschaftskritisch, als Sozialwissenschaft ebenso wie als Therapiemethode. Auch deswegen ist das im Spätsommer 1933 publizierte Original von Reichs Massenpsychologie des Faschismus eines der wichtigsten psychoanalytischen Bücher, die je erschienen sind. Zudem war es innerhalb dessen, was heute Rechtsextremismusforschung genannt wird, die erste Veröffentlichung zu psychosozialen Hintergründen des NS-Systems.

Dennoch ist diese Erstausgabe fast vollständig in Vergessenheit geraten, nur noch als Raubdruck erhältlich oder als teures antiquarisches Angebot. Falls sich jemand auf Reichs Massenpsychologie bezieht, meint er inzwischen fast immer die 1946 erschienene, englischsprachige dritte Auflage, die seit 1971 in Deutsch vorliegt. Doch diese dritte Auflage unterscheidet sich gravierend vom Original. Weiterlesen

Verschobene Wut – über eine der Ursachen „rechter“ Wahlerfolge

von Andreas Peglau

(Auszug aus „Rechtsruck im 21. Jahrhundert“)

Schon 1933 waren, wie auch Wilhelm Reich erkannte, Angehörige des Mittelstandes für die faschistische Ideologie besonders anfällig, weil sie fürchteten, ins Elend abzurutschen.[1] Heute ist die deutsche „Einkommensmittelschicht“ ebenfalls gefährdet. 1992 machte sie noch 62% der Bevölkerung aus, 2006 war sie auf 54,1% geschrumpft, zum größeren Teil dem Abstieg „in die armutsgefährdeten Lagen“ geschuldet.[2] Dieser Prozess hält an.[3] Weiterlesen

Anregung zum Weiterforschen/ Quellen-, Literatur- und Personenverzeichnis aus „Unpolitische Wissenschaft?“ (2017)

von Andreas Peglau

Unpolitische Wissenschaft? Anregung zum Weiterforschen QuellenUm weitere Forschungen zur Psychoanalysegeschichte anzuregen, stelle ich das komplette, 28-seitige Quellenenverzeichnis meines Buches zum Download bereit:

Quellen und Literatur Peglau Unpolitische Wissenschaft, Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Psychosozial-Verlag-Gießen 2017.

Zusätzlich kann in diesem  Index (18 Seiten) nachgeschaut werden, wer in meinem Buch auftaucht:

A. Peglau Unpolitische Wissenschaft 2017 Personenregister.

 

Mein Buch endet (S. 673-675) mit dem folgenden

Vorschlag für Weiterführungen

Da für meine spezifischen Fragestellungen oft wenig wissenschaftliche Vorleistungen existierten, hatte meine Arbeit in manchen Punkten den Charakter einer ersten Sondierung. Positiv formuliert: Ich hoffe, neben vielen gesicherten Fakten auch viele Anregungen für weitere Nachforschungen und konstruktiven Streit geliefert zu haben (und bin natürlich sehr interessiert an Hinweisen auf Fehler und an anderweitigen Korrekturvorschlägen). Weiterlesen

Psychoanalyse im Nationalsozialismus. Eine Kurzfassung

 von Andreas Peglau (Juni 2019)

Psychoanalyse im Nationalsozialismus

 

 

 

 

 

 

 

 

Bitte zitieren als:

Peglau, Andreas (2019): Psychoanalyse im Nationalsozialismus. Eine Kurzfassung, https://andreas-peglau-psychoanalyse.de/wp-content/uploads/2019/06/Andreas-Peglau-Psychoanalyse-im-Nationalsozialismus.-Eine-Kurzfassung-2019.pdf

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Der unten stehende Text entspricht dem im pdf-Dokument enthaltenen; Abweichungen gibt es nur bei den Illustrationen.

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