Archiv des Autors: AndreasPeglau

Über AndreasPeglau

1957 geboren in Berlin/ DDR, Dr. rer. medic., Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut und Psychoanalytiker in eigener Praxis.

No socialism without slavery, war as a great communal work. Addendum to my critique of Marx

by Andreas Peglau

 

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In “People as puppets? How Marx and Engels suppressed the real psyche in their teaching“ I demonstrated, using his endorsement of child labor as an example, that Marx’s belief in progress could lead to inhumane conclusions.[1] In the “Instructions for the Delegates of the Provisional Central Council” of the International Workingmen’s Association, written by Marx in 1866, it was stated:

“We regard the tendency of modern industry to enlist children and adolescents of both sexes in the great work of social production as a progressive, healthy, and justified tendency, although the manner in which this tendency is realized under the rule of capital is abhorrent.”[2]

As Marx knew and had documented himself on several occasions, every month of child labor cost thousands of children their health or their lives. Nevertheless, as late as 1875, he still considered a “general ban on child labor” to be

“incompatible with the existence of large-scale industry and therefore nothing more than a pious wish. Its implementation—if possible—would be reactionary, since, with strict regulation of working hours according to different age groups and other precautionary measures to protect children, the early combination of productive work with education is one of the most powerful means of transforming today’s society.”[3]

Marx must have known how futile adequate child protection was in the capitalism of 1875, especially within “large-scale industry.” Yet he gave priority to the future social transformation he hoped for over the real child poverty of his time.

The fact that a fundamental stance on the part of Marx and Engels came into play here is evident in their treatment of other, no less controversial topics. Weiterlesen

Ohne Sklaverei kein Sozialismus, Krieg als große Gesamtaufgabe. Ergänzung zu meiner Marx-Kritik

von Andreas Peglau

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In „Menschen als Marionetten? Wie Marx und Engels die reale Psyche in ihrer Lehre verdrängten“ habe ich anhand seiner Befürwortung von Kinderarbeit belegt, dass Marx‘ Fortschrittsglaube zu inhumanen Schlüssen führen konnte.[1] In den 1866 von Marx verfassten „Instruktionen für die Delegierten des Provisorischen Zentralrats“ der Internationalen Arbeiterassoziation hatte es geheißen:

„Wir betrachten die Tendenz der modernen Industrie, Kinder und Jugendliche beiderlei Geschlechts zur Mitwirkung an dem großen Werk der gesellschaftlichen Produktion heranzuziehen, als eine fortschrittliche, gesunde und berechtigte Tendenz, obgleich die Art und Weise, auf welche diese Tendenz unter der Kapitalherrschaft verwirklicht wird, eine abscheuliche ist.“[2]

Wie Marx wusste und mehrfach selbst dokumentiert hatte, kostete jeder Monat Kinderarbeit tausende Kinder Gesundheit oder Leben. Dennoch hielt er 1875 noch immer ein „Allgemeines Verbot der Kinderarbeit“ für

„unverträglich mit der Existenz der großen Industrie und daher leerer frommer Wunsch. Durchführung desselben – wenn möglich – wäre reaktionär, da, bei strenger Regelung der Arbeitszeit nach den verschiednen Altersstufen und sonstigen Vorsichtsmaßregeln zum Schutz der Kinder, frühzeitige Verbindung produktiver Arbeit mit Unterricht eines der mächtigsten Umwandlungsmittel der heutigen Gesellschaft ist“.[3]

Wie chancenlos im Kapitalismus des Jahres 1875 angemessener Kinderschutz war, erst recht innerhalb der „großen Industrie“, dürfte Marx gewusst haben. Doch der von ihm erhofften künftigen Gesellschaftsumwandlung räumte er Priorität ein gegenüber dem realem Kinderelend seiner Zeit.

Dass hier eine grundsätzliche Haltung von Marx und Engels zum Tragen kam, zeigt sich an ihrem Umgang mit anderen, nicht weniger brisanten Themen. Weiterlesen

Menschenbilder als Grundlage gesellschaftlicher Veränderungen

von Andreas Peglau[1]

 

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Was ist das: ein Menschenbild?

Etwas, das jeder und jede in sich trägt – oftmals eher unbewusst als bewusst.
Es ist die Summe von Annahmen darüber, wie Menschen im Allgemeinen sind, welche Eigenschaften sie verbinden, was daher von ihnen zu erwarten, zu erhoffen, zu befürchten ist.
Eine dabei zentrale Frage lautet:

Sind Menschen gut – oder böse?

Dazu gibt es vier Grundpositionen, die sich vereinfacht so darstellen lassen: Weiterlesen

Die psychosoziale Revolution. Tarek Al-Ubaidi im Gespräch mit Andreas Peglau

Freitag, 15. Mai 2026, 19:00 bis 21 Uhr.
Im CROPfm-Archive anhören; https://cropfm.at/archive/show/psychosozial

https://cropfm.at/images/570-Psychosoziale-Revolution-750.jpg

Illustratiion: Matthias Töpfer, https://atelier-toepfer.de/

 

Wenn wir, wie sich nicht nur augenscheinlich, sondern letztlich auch wissenschaftlich belegen lässt, als sensible, mitfühlende, liebevolle, liebenswerte, neugierige, kreative und nicht zuletzt auch prosoziale Wesen auf die Welt kommen, wieso sieht die Welt dann so aus, wie sie es gerade tut?

 

Andreas Peglau ist überzeugt, dass die Gesellschaft nicht nur durch ökonomische Bedingungen geformt wird, sondern auch der psychische Zustand der einzelnen Individuen unser Zusammenleben maßgeblich prägt. Er fordert eine Psychosoziale Revolution, die auch politisch-ökonomische Umwälzungen enthält.

 

 

Lasst uns keine Marionetten sein! Plädoyer für Selbstbestimmtheit, Friedensfähigkeit und eine realisierbare Zukunftsvision

von Andreas Peglau

 

Funktioniert nur in meinem Bücherregal: die Verschmelzung von Marxismus und Psychoanalyse.

Im Jahr 2024 habe ich eine lange aufgeschobene Herausforderung angenommen. Während meines 1976 begonnenen Psychologie-Studiums an der Humboldt Universität war ich enttäuscht von dem, was mir als „marxistische Psychologie“ vermittelt wurde. Die Psychoanalyse dagegen begeisterte mich. Von deren Verbindung, von „Marx plus Freud“ erhoffte ich mir den notwendigen Fortschritt hin zu einer wirklich umfassenden Weltanschauung.

Meine freilich schon damals kritische Sicht auf Freuds Menschen- und Gesellschaftsbild erhielt in der Folgezeit reichlich Nahrung. Was den Marxismus betrifft, erzwangen DDR-Zusammenbruch und -Anschluss ebenfalls Neubewertungen. Doch noch lange Zeit akzeptierte ich die von vielen „Linken“ vertretene These, wir im Osten hätten Marx und Engels nur falsch ausgelegt. Das enthielt ja immerhin die frohe Botschaft, in der ursprünglichen Lehre warteten also doch die wesentlichen Antworten.

Obwohl ich auch daran allmählich zweifelte, bin ich dem nie konsequent nachgegangen. So genau wollte ich die Grenzen jener Weltanschauung nicht ausloten, die mir in meiner ersten Lebenshälfte – ich wurde 1957 geboren in Berlin, Hauptstadt der DDR – Halt und Orientierung gegeben hatte.

Warum habe ich das jetzt nachgeholt? Weiterlesen

NuoFlix-Gespräche 2025/26 mit Robert Stein, Henning Rosenbusch, Hans-Joachim Maaz und anderen

Gespräch mit Robert Stein, Henning Rosenbusch und Andreas Peglau, 14. März 2026 (1h, 37 min)

In dieser Ausgabe von Home Office schauen wir auf einen Mann, der eigentlich als Friedenspräsident gestartet ist – und nun mit erstaunlich viel Kriegsrhetorik von sich reden macht: Mr. „Boombastic“ höchstpersönlich. Anlass ist die neue Eskalation rund um den Iran und die Frage, was das politisch – und psychologisch – mit uns allen macht. (1 h, 37 min)

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DDR 2.0? Braucht die Friedensbewegung eine Zukunftsvision?

von Andreas Peglau

Vortrag, gehalten am 28. März 2026 im Brigitte-Reimann-Literaturhaus Neubrandenburg[1]

 


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Was ich Ihnen heute anbieten kann, ist kein wissenschaftlicher Draufblick, sondern eine Mischung aus Fakten, persönlichen Erlebnissen und subjektiven Bewertungen.
Ich nehme an, dass die meisten von Ihnen ebenfalls Wurzeln in der DDR haben. Mir ist bewusst, dass sich damit für Sie ganz andere Erfahrungen verbinden können als für mich. Wahrscheinlich werden Sie deshalb auch nicht allem beipflichten, was ich erzähle, manches vielleicht nicht nur anders wissen, sondern auch besser. Für den Abgleich unserer Sichtweisen können wir dann ja die Diskussion nutzen.

Es ist mir nicht leichtgefallen, das aufzuschreiben, was ich Ihnen nun vorlesen will. Ich habe schon im Dezember begonnen, darüber nachzudenken – und noch gestern an meinem Text gefeilt. Einmal mehr habe ich gemerkt: Ich bin nicht fertig mit der DDR, nicht im Guten, nicht im Schlechten.[2] Weiterlesen

GDR 2.0? Does the Peace Movement Need a Vision for the Future?

by Andreas Peglau

Lecture delivered on March 28, 2026, at the Brigitte Reimann Literature House in Neubrandenburg[1]

 

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What I can offer you today is not an academic overview, but rather a mix of facts, personal experiences, and subjective assessments.

I assume that most of you also have roots in the GDR. I am aware that this may evoke very different experiences for you than it does for me. That is probably why you will not agree with everything I say; you may know some things not only differently, but also better. We can then use the discussion to compare our perspectives.

It was not easy for me to write down what I am about to read to you. I began thinking about this back in December—and was still polishing my text just yesterday. Once again, I realized: I am not done with the GDR, neither in a good way nor in a bad way.[2] Weiterlesen

Menschen sind KEINE Marionetten! Eine Utopie, die über Karl Marx hinausgeht – und deren Verwirklichung heute Abend beginnen kann

von Andreas Peglau

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Wenn wir mit guten Anlagen auf die Welt kommen, müssen wir nur eines tun: dafür sorgen, dass sich diese Anlagen entfalten. Dann werden wir unweigerlich ein diesen Anlagen gemäßes – also ebenfalls gutes – Gemeinwesen errichten. Wer und was sollten uns dann noch daran hindern?

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Es gibt, trotz all ihrer Defizite, keine umfassendere und gründlicher ausgearbeitete Gesellschaftsauffassung als die auf Friedrich Engels und Karl Marx zurückgehende. Sie enthält den detaillierten Nachweis, dass Ausbeuterordnungen wie die kapitalistische zutiefst ungerecht, inhuman und notwendigerweise undemokratisch sind. Seit um 1990 das von der Sowjetunion geführte sozialistische Weltsystem zu Grabe getragen wurde, gelten „linke“, nichtkapitalistische Gesellschaftsentwürfe dennoch zumeist als erledigt. Mein Vorschlag ist, sie stattdessen ganzheitlich zu vervollständigen und grundlegend zu revidieren.

Davon, wie eine bessere Gesellschaft zu erlangen und zu gestalten sei, hatten Marx und Engels nur recht allgemeine, unausgegorene Vorstellungen. Im Glauben an ein vermeintliches Primat der Ökonomie bekämpften sie jede davon abweichende Sichtweise. Während ihre Lehre immer „ökonomistischer“ wurde, verschwand in ihr das, was das Wesenhafteste am Menschen ist: die Psyche.
In dem Beitrag Menschen als Marionetten? Wie Marx und Engels die reale Psyche in ihrer Lehre verdrängten,[1] habe ich diesen Sachverhalt 2024 ausführlich dargelegt. Im nun vorliegenden Text nehme ich den Faden noch einmal auf: Wie kommen wir zu einer menschenwürdigen Gesellschaftsordnung? Weiterlesen