Schlagwortarchiv: Nationalsozialismus

Bausteine für eine bessere Gesellschaft, Teil 2. Menschenbilder als Grundlage. Anleihen bei Anthropologie, Archäologie, Psychoanalyse, Reich, Fromm, Goethe – und Open AI.

von Andreas Peglau

 

Einführung.     

In Teil 1 der „Bausteine“ habe ich mich konzentriert auf die Auseinandersetzung mit Marx und Engels – die niemand ignorieren sollte, der ernsthaft eine bessere Gesellschaft anstrebt. Nun werde ich das Thema „Menschenbild“ genauer ausleuchten: Was ist das, wie kommt es zustande, wie sieht ein realistisches Menschenbild aus – und warum ist es unverzichtbar, um uns selbst und die Welt besser zu verstehen und besser zu machen? Weiterlesen →

Bausteine für eine bessere Gesellschaft. Teil 1: Von der Marx-Kritik zur KI-gestützten Utopie

von Andreas Peglau

 

Marx und Freud Foto Andreas Peglau

Funktioniert nur in meinem Bücherregal: die Verschmelzung von Marxismus und Psychoanalyse.

 

Zur Einführung.

Im Jahr 2024 habe ich eine lange aufgeschobene Herausforderung angenommen. Während meines 1976 begonnenen Psychologie-Studiums an der Humboldt Universität war ich enttäuscht von dem, was mir als „marxistische Psychologie“ vermittelt wurde. Die Psychoanalyse dagegen begeisterte mich. Von „Marx plus Freud“ erhoffte ich mir den notwendigen Fortschritt hin zu einer wirklich umfassenden Weltanschauung und zu einem besseren Sozialismus.

Meine freilich schon damals kritische Sicht auf Freuds Menschen- und Gesellschaftsbild erhielt in der Folgezeit reichlich Nahrung. Was den Marxismus betrifft, erzwangen DDR-Zusammenbruch und -Anschluss ebenfalls Neubewertungen. Doch noch lange Zeit akzeptierte ich die von vielen „Linken“ vertretene These, wir im Osten hätten Marx und Engels nur falsch ausgelegt. Das enthielt ja immerhin die frohe Botschaft, in der ursprünglichen Lehre warteten also doch die wesentlichen Antworten.

Obwohl ich auch daran allmählich zweifelte, bin ich dem nie konsequent nachgegangen. So genau wollte ich die Grenzen jener Weltanschauung nicht ausloten, die mir in meiner ersten Lebenshälfte – ich wurde 1957 geboren in Berlin, Hauptstadt der DDR – Halt und Orientierung gegeben hatte.

Warum habe ich das jetzt nachgeholt? Weiterlesen →

HÖRBUCH: Wilhelm Reichs „Massenpsychologie des Faschismus“ (1933). Zum Anhören und kostenlosen Herunterladen

Wilhelm Reich Massenpsychologie des Faschismus 1933 Hörbuch

 

Gesprochen von Sabine Falkenberg und Thomas Nicolai.
Produziert im Oktober 2019 im Hörbuch-Tonstudio Berlin.
Ton und Schnitt: Berthold Heiland.
Hörbuchfassung und Regie: Andreas Peglau.
Covergestaltung: Jan Petzold. Unter Verwendung eines Fotos von Ludwig Gutman, geboren am 23.6.1869 in Horn, ermordet am 18.4.1943 im Ghetto Theresienstadt.

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Psychoanalyse im Nationalsozialismus. Eine Kurzfassung

 von Andreas Peglau (Juni 2019)

Psychoanalyse im Nationalsozialismus

 

 

 

 

 

 

 

 

Bitte zitieren als:

Peglau, Andreas (2019): Psychoanalyse im Nationalsozialismus. Eine Kurzfassung, https://andreas-peglau-psychoanalyse.de/wp-content/uploads/2019/06/Andreas-Peglau-Psychoanalyse-im-Nationalsozialismus.-Eine-Kurzfassung-2019.pdf

Hier kann es kostenlos als pdf heruntergeladen werden.
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Der unten stehende Text entspricht dem im pdf-Dokument enthaltenen; Abweichungen gibt es nur bei den Illustrationen.

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Keine „Liquidierung“, kein Totalverbot, sondern ein hohes Maß an Kollaboration. Der Forschungsstand (Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Teil 1)

von Andreas Peglau

Vorab.

Dieser erste Beitrag folgt im Wesentlichen Teilen der Einleitung zu meinem 2013 erstmals erschienenem Buch Unpolitische Wissenschaft? Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus (Psychosozial-Verlag Gießen).

Abgesehen von meinen eigenen Arbeiten ist der hier von mir geschilderte Forschungsstand meines Wissens seither leider nicht ausgebaut worden. Falls doch, wäre ich für Hinweise auf von mir übersehene Publikationen dankbar.
Das komplette, für die 2017 veröffentlichte dritte und erweiterte Auflage erstellte Quellen- und Literaturverzeichnis findet sich hier: Quellen und Literatur Peglau Unpolitische Wissenschaft, Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Psychosozial-Verlag-Gießen 2017.
Indem ich unter der Überschrift „Psychoanalyse im Nationalsozialismus“ nun neun stark gekürzte und veränderte Auszüge des fast 700-seitigen Buches wiedergebe, hoffe ich, weiterführende Recherchen anzuregen und zu unterstützen.

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Verbrannte Psychoanalyse: pauschaler Bannspruch, vier direkt betroffene Autoren (Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Teil 2)

von Andreas Peglau

*

10. Mai 1933, Berlin

Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten mehrten sich die Zeichen für eine zu erwartende Bedrohung der Psychoanalyse in Deutschland. Das in dieser Hinsicht dramatischte Ereignis fand Anfang Mai in Berlin statt.

Mehr oder weniger spontane Bücherverbrennungen, meist als Begleiterscheinung von SA- und SS-Terror, gab es bereits ab März 1933. Bis zum Oktober des Jahres lassen sich bislang mehr als 100 Verbrennungsakte in 85 deutschen Städten nachweisen (Treß 2011, S. 40f.). Die meisten davon wurden von der Hitlerjugend organisiert und richteten sich gegen missliebige Bestände von Schulbibliotheken (Treß 2008a, S. 14ff., 2008b, S. 52–58). Aber auch der von Alfred Rosenberg geleitete Kampfbund für deutsche Kultur, der Deutsche Handlungsgehilfenverband, die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation sowie Ortsgruppen der NSDAP traten als Träger der Vernichtungsaktionen in Erscheinung (Treß 2008a, S. 24). Ab April 1933 beteiligten sich nationalsozialistische Studenten ebenfalls mit einem Diffamierungs- und Zerstörungskonzept: der Aktion »Wider den undeutschen Geist!«. Die eng mit der SA verflochtene Deutsche Studentenschaft (DSt) wollte damit offenbar auch die eigene Bedeutsamkeit spektakulär demonstrieren (Treß 2008a, S. 53, 2003, S. 61ff.). Als Termin für Hauptakt und Höhepunkt der auf vier Wochen angelegten Kampagne benannte die DSt-Leitung den 10. Mai 1933, als Ort Berlin.

Bevor hier an jenem Abend die zentrale Aktion der Bücherverbrennung begann, hielt Alfred Baeumler in der Berliner Universität seine Antrittsvorlesung als neu berufener Ordinarius für Politische Pädagogik (Treß 2003, S. 117). Die Sätze, die er den Studenten am Ende mit auf den Weg gab, dürften sich auch auf Sigmund Freud bezogen haben:[1]

»Sie ziehen jetzt hinaus, um Bücher zu verbrennen, in denen ein uns fremder Geist sich des deutschen Wortes bedient hat, um uns zu bekämpfen […]. Was wir heute von uns abtun, sind Giftstoffe, die sich in der Zeit einer falschen Duldung angesammelt haben. Es ist unsere Aufgabe, den deutschen Geist in uns so mächtig werden zu lassen, dass sich solche Stoffe nicht mehr ansammeln können« (ebd., S. 118). Weiterlesen →

»Die Psychoanalyse bemüht sich, (…) unfähige Weichlinge zu lebenstüchtigen Menschen (…) umzuformen“. Das 1933er »Memorandum« (Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Teil 3)

von Andreas Peglau

Vorab.

Schon bald nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Januar 1933, angetrieben auch von der Bedrohung durch die Bücherverbrennung, bemühten sich Funktionäre der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) darum, die Analyse dem neuen Regime anzudienen. Dabei spielte ein Schriftstück eine Rolle, das im Mittelpunkt des folgenden Beitrags steht. Weiterlesen →

Verbotene Psychoanalyse? Zwischen „soll unangetastet bleiben“ und „ist auszumerzen“ (Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Teil 4)

von Andreas Peglau

Der während der Berliner Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 ausgerufene „Feuerspruch“ Nummer vier war eindeutig auf die gesamte analytische Lehre und ihre Schriften ausgerichtet: »Gegen seelenzersetzende Überschätzung des Trieblebens. Für den Adel der menschlichen Seele. Ich übergebe dem Feuer die Schriften der Schule Sigmund Freuds!«
Doch bereits zwei Monate später, im Juli 1933, wurden für die Verbote analytischer Schiften Kriterien herangezogen, die man – für NS-Verhältnisse – nur als erstaunlich tolerant bezeichnen kann. Nach den fanatisierten NS-Studenten, die die Bücherverbrennung initiiert hatten, kamen nun Bürokraten zum Zuge – und Wissenschaftler.

Verbotene Psychoanalyse DB

Einer der im Original erhalten gebliebenen Karteikästen, anhand derer in der Deutschen Bücherei Leipzig 1933 die Psychoanalyse zensiert wurde (Foto A. Peglau 2012).

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„Vergeßt das Unbewußte nicht!“ Die Neue deutsche Seelenheilkunde (Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Teil 5)

von Andreas Peglau

Hitler und Freud 1937

»An der Wand des Institutes hinge nun wieder das Bild Freuds; allerdings neben dem Bild des Führers«. Diese – unten zitierte – Mitteilung von 1937 hat mich während der Arbeit an „Unpolitische Wissenschaft?“ zu dieser Montage inspiriert – A.P.

Der „Reichsführer“ der Psychotherapie

Matthias Heinrich Göring (1879–1945) war einer derjenigen, die nach der NS-Machtübernahme zu unerwarteter Macht gelangten. Vermutlich gab es im Dritten Reich niemanden, der auf den Umgang mit der Psychoanalyse mehr direkten Einfluss nahm als er. Weiterlesen →

Viel Würdigung, wenig Diffamierung. Psychoanalyse in der deutschen Fachliteratur (Psychoanalyse im Nationalsozialismus, Teil 6)

von Andreas Peglau

*

Veröffentlichungen von (ehemaligen) DPG-Mitgliedern

Zwischen 1930 und 1938 – dem Jahr ihrer Auflösung – hatte die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG) insgesamt 89 Mitglieder. Waren es 1932 noch 56 Mitglieder gewesen, hatten 1934 bereits 32 von ihnen Deutschland den Rücken gekehrt. 27 nichtjüdische DPG-Mitglieder schlossen sich ab 1936 dem Deutschen Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie (DIPFP) an, das unter der Leitung von M.H. Göring, eines Vetters des »Reichsmarschalls« Hermann Göring, stand und sich um eine »neue deutsche Seelenheilkunde« bemühte (Lockot 2002, S. 149f.). Weiterlesen →