Archiv des Autors: AndreasPeglau

Über AndreasPeglau

1957 geboren in Berlin/ DDR, Dr. rer. medic., Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut und Psychoanalytiker in eigener Praxis.

Schlangenbader Str. 87, 14197 Berlin: das Geburtshaus der Körperpsychotherapie

von Andreas Peglau

Im November 1930 zog Reich von Wien nach Berlin. Die deutschen Psychoanalytiker, schreibt er dazu, »waren in sozialen Fragen weit fortschrittlicher als die Wiener. Die Jugend atmete freier«. Er erhielt auch hier berufliche Anerkennung, wurde erneut Lehranalytiker, außerdem Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG). Insbesondere der Kreis »linker« Analytiker um Otto Fenichel, zu dem auch Edith Jacobssohn und – zeitweise – Erich Fromm gehörten, ermöglichte ihm den Meinungsaustausch unter weitgehend Gleichgesinnten.

Reichs Ruf als potenzieller Querulant, der die Aufrechterhaltung des erwünschten psychoanalytischen Images gefährdete, war ihm freilich nach Berlin vorausgeeilt.
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Die Einheitsverbände für proletarische Sexualreform und Mutterschutz und Wilhelm Reichs tatsächliche Rolle in der deutschen „Sexpol“

von Andreas Peglau

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KP-Massenorganisationen

Durch die Schaffung von Massenorganisationen versuchte die KPD ab 1924, breitere Bevölkerungskreise zu erreichen und sie gleichzeitig der SPD abspenstig zu machen. Mit dieser Zielsetzung entstanden beispielsweise die »Kampfgemeinschaft der Arbeitersänger«, die »Arbeitermandolinisten« oder der »Verband Proletarischer Freidenker Deutschlands«. Das ging nicht immer einher mit großen Mitgliederzahlen, was vielfach kaschiert wurde durch »korporative Mitgliedschaften«: weitere Vereine traten als Mitglieder ein – was die Mitgliederzahlen auf dem Papier emporschnellen ließ. Weiterlesen

Keine „Vernichtungsaktion“ sondern heimliche Kooperation. Reichs „Charakteranalyse“ und der Internationale Psychoanalytische Verlag

von Andreas Peglau

Bereits in Wien hatte Reich damit begonnen, in die Psychoanalyse das einzubringen, was er als Charakteranalyse bezeichnete. Der Grundgedanke dahinter war, dass es nicht nur einzelne neurotische Symptome gibt, sondern auch eine grundsätzliche Art, wie wir dem Bewusstwerden von Unbewusstem Widerstand leisten: unseren Charakter. Nach Reichs Auffassung würde der psychisch gesunde Mensch flexibel, situationsangemessen fühlen und handeln, wäre also eben gerade nicht auf das festzulegen, was gemeinhin „Charakter“ genannt wird. Wer stattdessen in vorhersagbarer Weise zumeist beispielsweise devot, angepasst, aufopferungsvoll oder auch draufgängerisch, dominant, aggressiv reagiere, zeige damit seine grundsätzliche, charakteristische seelische Störung. Weiterlesen

Wilhelm Reich als Kandidat für den österreichischen Nationalrat

von Andreas Peglau

Im September 1930 trafen Reich und Freud letztmalig zusammen. Reich berichtet, dass dieses Unter-vier-Augen-Gespräch die schärfste Auseinandersetzung war, die sie hatten. Ein ausgesprochen wütender Freud habe ihm vorgeworfen, dass er mit seinen politischen Aktivitäten »den mittleren Weg der Psychoanalyse« verlasse, und gemeint, es sei nicht ihrer beider Aufgabe, die Welt zu retten. Wahrscheinlich war es auch dieses Treffen, bei dem sie sich darauf einigten, dass es besser sei, wenn Reich sein Wirken für einige Zeit nach Berlin verlege.Dass Reich dennoch bei seinem politischen Engagement blieb, ist bekannt. Gänzlich unbekannt war bis vor kurzem, wie weit sein Engagement auch bezüglich der Bereitschaft zur Übernahme offizieller Ämter gegangen war.
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Ein bislang weitgehend unbekannter Wilhelm-Reich-Text: Vorschläge für den Arbeitsplan der Arbeitsgemeinschaften der Weltliga für Sexualreform (1930/31)

von Andreas Peglau

Die KPD-nahe Massenorganisation ARSO verfolgte 1930 das Ziel, einen – durch Kommunisten geführten – deutschlandweiten Sexualreformverband zu gründen. An diesen Aktivitäten war bald auch Wilhelm Reich beteiligt.
Im September 1930, noch in Wien, war er vom Komitee der Weltliga für Sexualreform beauftragt worden, eine »sexualpolitische Plattform« für einen internationalen sexualreformerischen Zusammenschluss zu erstellen. Weiterlesen

Zu Besuch im Bostoner Wilhelm-Reich-Archiv (2012)

von Andreas Peglau

Bevor Wilhelm Reich am 3.11.1957 in den USA starb, hatte er testamentarisch festgelegt, dass seine Hinterlassenschaft erst 50 Jahre nach seinem Tode der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Im November 2007 war es soweit.
Im Rahmen meines Buch- und Dissertationsprojektes „Unpolitische Wissenschaft? Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus“ habe ich im Januar 2012 – offenbar als erster deutschsprachiger Forscher – dieses nun in der Medical School der Bostoner Harvard University befindliche Archiv besucht.
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Eine kleine Sensation: Die Tarnausgabe von Wilhelm Reichs „Massenpsychologie des Faschismus“ (1933) ist aufgetaucht

von Andreas Peglau

Deutsche Leserinnen und Leser, die Ende 1933 oder später Mystische Erhebung. Ein Buch für junge Männer von Pastor Friedrich Traub aufschlugen, hatten fürs erste keinen Anlass, sich zu wundern: ein Kirchenvertreter mehr, der dem NS-Regime huldigte. Hieß es doch gleich zu Beginn: „Mit starker Hand hat der Nationalsozialismus unter Gottes Führung Materialismus und Bolschewismus, Individualismus und Liberalismus, überhaupt alles undeutsche und unchristliche aus unserm öffentlichen Leben hinweggefegt.“ Brachen sie die Lektüre an dieser Stelle ab und verzichteten auf weitere Nachforschung, dürften sie keinen Grund gesehen haben, warum sie der Besitz dieser Schrift gefährden könnte. Bei genauerer Betrachtung wären sie jedoch zu einem ganz anderen Resultat gekommen.
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Anregungen zu einer Psychoanalyse des europäischen „Rechtsrucks“

Basierend auf Erkenntnissen Erich Fromms und Wilhelm Reichs sowie auf Forschungen zu rechtsextremen Einstellungen in Deutschland habe ich 2014 nach Hintergründen der aktuellen politischen Entwicklung Europas, letztlich auch des immer globaler werdenden „Rechtsrucks“ gesucht.
Drei Jahre später entstand daraus mein Buch „Rechtsruck im 21. Jahrhundert. Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus als Erklärungsansatz“.


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