Jeder hat den Partner, den er verdient. Hans-Joachim Maaz, befragt von Andreas Peglau

Zu unbewussten Gründen von Partnerschaftskonflikten, Kollusionen in Zweier- und gesellschaftlichen Beziehungen und möglichen Auswegen.

 

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Schlüssel und Schloss

A.P.: Jeder hat den Partner, den er verdient – würden Sie diesen Satz so wie er ist unterstreichen, oder halten Sie ihn doch eher für übertrieben?

Maaz: Das ist für mich schon eine gute Methapher, weil sich da eine tiefe Wahrheit ausdrückt, die in vielen Partnerschaften zum Ausdruck kommt. Bei den Menschen, mit denen ich beruflich zu tun habe, ist das immer so. Dieser Satz hat ja auch etwas Negatives: daß sich Menschen zusammenfinden, die etwas Belastendes, Störendes miteinander austragen – beziehungsweise gerade davon in der Beziehung festgehalten werden. Weiterlesen

Arbeitslosigkeit – Frust oder Chance? Hans-Joachim Maaz, im März 1991 befragt von Andreas Peglau

Einen Monat nach diesem Gespräch war ich zum ersten Mal arbeitslos. Das sollte sich bis 2002 zweimal wiederholen. Im Jahr 2000 schickte mich das Arbeitsamt zum Computer-Kurs. Dort lernte ich, wie ich mich erfolgreich bewerben kann: mit einer selbst gestalteten Visitenkarte. Siehe oben.

Über Arbeitslosigkeit als eine für Ex-DDR-Bürgerinnen und -Bürger ganz neuartige Erfahrung.

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A.P.: In der DDR konnte man zwar auch auf verschiedene Art und Weise von der Gesellschaft ins Abseits gestellt werden, aber zumindest irgendeine Art von Arbeitsplatz war den meisten relativ sicher. Diese massenhafte und auch begründete Angst vor dem Arbeitsplatzverlust ist also für uns Ex-DDR-Bürger etwas Neues. Schlägt sich diese Tatsache in der Therapie nieder, klagen Patienten über entsprechende Ängste vor Arbeitslosigkeit? Oder führt sie vielleicht sogar die Angst davor in die Therapie, kommen sie zum Psychotherapeuten und sagen: Diese Angst, meinen Arbeitsplatz zu verlieren, macht mich krank? Weiterlesen

Spiritualität und Körpertherapie. Hans-Joachim Maaz, befragt von Andreas Peglau

Über Religion und darüber, dass seelische Gesundheit eine notwendige Grundlage authentischer Spiritualität ist.

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A. P.: Sie haben in Ihrem Buch ,,Der Gefühlsstau“ geschrieben, Sie sind religiös und Sie glauben an Gott. Ist es das, was Sie meinen, wenn Sie von Spiritualität sprechen?

Maaz: Ja, schon. Ich will vorausschicken, ich bin auf diesem Gebiet ein Suchender. Das gehört zu den Themen meines Lebens, die noch am allerwenigsten gereift sind oder gar abgeschlossen. Als Kind und Heranwachsender bin ich mit christlicher Religion konfrontiert worden, wie wohl sehr viele von uns. Es war Tradition, auch eine gewisse Pflicht; es hatte etwas Unfaßbares, auch Bedrohliches, aber richtig verstanden habe ich es nie.

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Selbsterkenntnis oder „Flucht nach innen“? Eine Frage, im Sommer 1990 gestellt an Rudolf Bahro

In der gegenwärtigen Situation der DDR scheint alles Mögliche wichtiger zu sein als eine Beschäftigung mit der eigenen Lebensgeschichte oder den eigenen unbewußten Motiven. Welche Bedeutung würdest du trotzdem in dieser Zeit und in diesem Land Fragen der Selbsterkenntnis und -verwirklichung beimessen? Weiterlesen

„Mensch, Mensch: Die Unfähigkeit zu trauern“. Andreas Peglau und Hans-Joachim Maaz im Gespräch (Tondokument)

Zwischen März 1989 und April 1991 führten Andreas Peglau und Hans-Joachim Maaz neunzehn Gespräche, aus denen Sendungen für Jugendradio DT 64 entstanden. Am Montag,  den 19.3.1990 – einen Tag nach der „ersten freien Wahl“ in der DDR – lief zwischen 20.03 und 21 Uhr das drei Tage zuvor aufgenommene Gespräch unter dem Titel „Mensch, Mensch: Die Unfähigkeit zu trauern“.
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Unsere ,,Unfähigkeit zu trauern“. Hans-Joachim Maaz, am 16. 3. 1990 – zwei Tage vor der „ersten freien Wahl“ in der DDR – befragt von Andreas Peglau

Dazu, warum die DDR-Bevölkerung nach dem Ausbruch aus einem autoritären System umgehend nach neuartigen Möglichkeiten suchte, sich unterzuordnen. Und warum die Trauer über den Ausverkauf der DDR ausblieb. 

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Psychische Revolution und therapeutische Kultur – Vorschläge für ein alternatives Leben. Hans-Joachim Maaz, im Februar 1990 befragt von Andreas Peglau

Zu notwendigen psychosozialen Veränderungen für eine tatsächlich bessere Gesellschaft.

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A.P.: Autoritäre Systeme bringen gespaltene Persönlichkeiten hervor. Gespalten in eine angepaßte, gefällige Fassade, unterdrückte Gefühle wie Haß, Wut, Trauer, Schmerz und in ein ungestilltes Bedürfnis nach Liebe und Zuwendung. An diese Erkenntnis Wilhelm Reichs knüpfen Sie an und konnten sie für Ex-DDR-Bürger voll bestätigen. Die Vermutung, daß der „Sozialismus in den Farben der DDR“ allerdings nur eine spezifische Spaltungs-Variante hervorgebracht hat, und ähnliche Verformungen für alle Industrienationen typisch sind, liegt nahe.
Eine solche Analyse des Bestehenden ist notwendig. Aber wo liegt die Hoffnung? Wie könnte – aus psychotherapeutischer Sicht – eine ideale Gesellschaft aussehen?
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