Maria von Stach (1876‒1948), verheiratete Lessing/Naef/Dingler, Patientin und Freundin von Karen Horney

von Andreas Peglau

Die Informationen, die Stephan von Minden 2011 über Maria Stach von Goltzheim publiziert hat,[1] ermöglichten es mir, in ihrem Lebenslauf weitere Verflechtungen mit der Zeit- und Psychoanalysegeschichte zu entdecken.
Nicht nur ist Maria von Stach selbst eine beeindruckende Frau, auch die Vielzahl ihrer Begegnungen mit wichtigen Zeitgenossen sind bemerkenswert.

Maria von Stach, 1911 auf dem Weimarer IPV-Kongress

Maria von Stach, 1911 auf dem Weimarer IPV-Kongress (Foto: Franz Vältl)

Zunächst wurde ich fündig im Archiv der Universität Münster. Hier lagert der Nachlass der Schriftstellerin Ilse von Stach[2] – wie sich herausstellte: Maria von Stachs[3] Schwester, an die sie hunderte Briefseiten geschickt hat.
In diesem Nachlass fand sich u. a. ein Brief, den Ilse von Stach an Alfred Adler geschrieben, und ein weiterer, den sie 1930 aus Berlin von „Karen Horney, Dr. med., Fachärztin für Psychoanalyse“ erhalten hatte. Doch Maria hatte auch selbst an eine „Karen“ ein 231 (!) A-5-Seiten langes Schreiben gerichtet, begonnen am 4. 12. 1930, beendet am 15. 1. 1931 und offenbar nie abgeschickt, das im Nachlass ihrer Schwester liegt. Tatsächlich handelte es sich bei der Adressatin ebenfalls um Horney.
Da dieser Brief ebenso wie die meisten anderen Dokumente mit Bleistift in Sütterlinschrift geschrieben und nur mit erheblichem Aufwand zu transkribieren war, konnte ich nur auszugsweise „Übersetzungen“ in Auftrag geben.[4]
Zeitgleich erfuhr ich, dass Marias 1917 geborene Tochter Irmgard Dingler noch lebte und in München wohnte. Ich flog in die bayerische Landeshauptstadt und interviewte sie.[5]
Weitere Recherchen und Kontaktaufnahmen erbrachten eine Fülle von Zusatzinformationen. Daraus kann ich im Folgenden nur den Ausschnitt präsentieren, der in eine knappe biografische Skizze passt.

Zeitgenössische Gerüchte, Marias Mutter sei eine illegitime Tochter Kaiser Wilhelms I. gewesen, wurden durch familieninterne Nachforschungen nicht erhärtet.[6] Zutreffend ist jedoch, dass Maria, die 1876 geboren wurde, aus einem alten Adelsgeschlecht stammte, dessen erster Namensträger, auf der Stacherburg in Golzheim bei Düren (Nordrhein-Westfalen) ansässig, bereits 1373 verzeichnet ist (Seeberg 1981, S. 6).

Marias Mutter starb, als die Tochter 11 Jahre alt war. Vom Vater unverstanden und vom „Landleben“ unbefriedigt (ebd., S. 6, 14), ging Maria früh eigene Wege, auch intellektuell. 22-jährig begann sie einen brieflichen Gedankenaustausch mit dem jüdischen Publizisten und Philosophen Theodor Lessing. 1900 heirateten die beiden, was Marias Enterbung zur Folge hatte. Mit ihrem Mann und zwei Töchtern lebte sie zeitweise in Armut. 1902 nahm Lessing eine Lehrerstelle an der Reformschule im thüringischen Haubinda an. Dort begann Maria eine Affäre mit dem 16-jährigen Schüler (und späteren Schriftsteller) Bruno Frank. Die Ehe mit Lessing wurde 1907 geschieden.

Wohl schon 1905 bekam Maria einen Sohn – Harras – von dem Berliner Verleger Hermann Beck (Seeberg 1981, S. 18). Beck gab – zusammen mit Othmar Spann und Hermann Dorn – die Kritischen Blätter für die Gesamten Sozialwissenschaften heraus, in denen die sich nun als Frauenrechtlerin profilierende Maria mehrfach publizierte.[7] Ein über den Weimarer IPV-Kongress berichtender Journalist hob sie denn auch neben Freud, Jung und anderen als „Frau von Stach, eine Führerin der  Frauenbewegung, aus Berlin“ hervor.[8]

Weimarische Landeszeitung 24.9.1911

Weimarische Landeszeitung 24.9.1911

Da Theodor Lessing der Psychoanalyse gegenüber recht kritisch eingestellt war (Jones 1962, S. 193), könnte Marias Erscheinen in Weimar darauf hindeuten, dass sie sich in der Ehe geistige Eigenständigkeit bewahrt hatte.[9] Inzwischen wieder unter ihrem Mädchennamen in Berlin lebend, begab sie sich offensichtlich sogar in psychoanalytische Behandlung: bei Karen Horney. Diese erwähnt am 4. Mai 1912 in ihrem Tagebuch ihre „wunderbare“ Patientin „Frau von Stack“ (Quinn 1988, S. 168 mit S. 434)[10] und kommentiert: „Ob sie von der Analyse etwas hat, weiß ich nicht. Aber ich ganz bestimmt“ (Beuys 2014, S. 247).

Eine Gemeinsamkeit zwischen Behandlerin und Behandelter war ihr Feminismus.

Der freilich hatte bei Maria von Stach teils aristokratisch-konservativ anmutende Züge. 1911 konstatiert sie in „Realität und Gesetzlichkeit im Geschlechtsleben. Eine Auseinandersetzung mit Marie Luise Enckendorff“, S. 891, die Befreiung der Frau könne

„nur erwachsen aus einer Neuregelung ihrer Beziehung zum Mann.  (…) Der Eintritt der Frau in die Welt als selbstschaffende und selbstverantwortende Kraft ist die Voraussetzung der Lösung des Geschlechtsproblems, die Voraussetzung der Lösung des Frauenproblems.“

Dazu ergänzte sie jedoch, der „bedeutendste Repräsentant der Weiblichkeit“ sei der „Typus der heroischen Frau“, dessen „männliches Pendant (…) der natürliche Freund der befreiten Frau“. Ihm sei die Frau – so zitiert sie zustimmend – „keineswegs ausschließlich ‚ein erotisches Wesen, sondern auch zugleich Mutter und Staatsbürgerin“. Es sei „der staatliche, der politische, der männliche Gedankengang“, „der die ‚Frauenbewegung verlangt'“.

1912 erschien Marias letzte bislang nachweisbare Publikation (Minden 2011, S. 105 siehe auch unten: Auflistung ihrer Schriften).

1913 ging sie mit dem Schweizer Zoologen Adolf Naef [11] eine zweite Ehe ein, die 1915 geschieden wurde.

Im selben Jahr heiratete Maria den Mathematiker und Philosophen Hugo Dingler. Sie lebte von nun an in München, wo sie u. a. mit dem Kunsthistoriker Heinrich Wölfflin und dem Komponisten Hans Pfitzner einen gleichberechtigten Umgang pflegte (Interview mit I. Dingler, 26. 4. 2014).

Ähnlich wie wohl schon zuvor in der Ehe mit Lessing gab es auch zwischen Maria und Hugo Dingler lebhaften geistigen Austausch. Die Tochter Irmgard erinnert sich, „dass mein Vater zunächst alle Texte zum Lesen und Kritisieren meiner Mutter gab“ – was diese gründlich erledigt habe (ebd.). 1928 hatte sich die Beziehung jedoch offenbar abgekühlt: Die Briefe Marias, die – mit diesem Jahr beginnend – in Münster archiviert sind, berichten von Ängsten, seelischen Nöten und Einsamkeit.

Mit Karen Horney blieb Maria befreundet. Irmgard Dingler sagte „Tante Karen“ zu der Berliner Analytikerin; Mutter und Tochter erhielten von ihr manches geschenkt, was Maria sich nicht leisten konnte (ebd.).
1932, mit dem Weggang Horneys in die USA, müssen die Zuwendungen weniger geworden sein. Doch noch nach 1945 sandte Horney Care-Pakete nach München.
Diese Beziehung dürfte dazu beigetragen haben, dass Marias Interesse an der Psychoanalyse nicht erlosch. Irmgard Dingler meint sogar, es sei weit mehr gewesen als Interesse: „Sie lebte die Psychoanalyse“ (ebd.).

Im Mittelpunkte des oben erwähnten 231-seitigen Briefes von 1930/31 an Horney (siehe Faksimile) steht freilich nichts Tiefenpsychologisches, sondern eine schwere persönliche Kränkung.

Stach an Horney Faksimile

Maria hatte Ende 1928 den Philosophen und Pädagogen Eduard Spranger kennengelernt und sich ihm sofort geistig verbunden gefühlt. Spranger jedoch reagierte auf das Treffen mit einer kurzen, distanzierten Mitteilung – auf die Maria umgehend mit 46 Briefseiten antwortete. [12] Was sie damit bei Spranger auslöste, lässt sich dessen Austausch mit seiner Vertrauten Käthe Hadlich entnehmen. Am 10. Februar 1929 charakterisiert er Marias Schreiben als „voll von Vertrauen, Neigung, herzzerreißenden Hilferufen und scharfer Kritik an mir“.
Weiter heißt es:

„Sie ist unterwegs nach Berlin und erwartet zum 17. II in Münster bei ihrer Schwester meine Antwort, wann wir uns in Berlin ‚aussprechen‘ können. Das ist nun das Resultat der 2 Seiten, die ich aus Empörung über ein Abendgespräch schnell hingeworfen habe. Ich muß auf manche Frauen eine ebenso unheimliche wie völlig ungewollte Wirkung ausüben. Denn der reale Ausgangspunkt war doch nur Protest gegen das Erlebte u. Gehörte.
Lange bin ich nicht so ratlos gewesen. […] Ich kann diese Begegnung unter gar keine[n] Umständen haben. Denn sie führt zum Unheil oder zu schweren Konflikten. Frau Prof. D.[ingler]  bedeutet für mich – ich muß es so kraß sagen ‒ schon deshalb nichts, weil ich sie garnicht kenne.“

Sprangers erneute Zurückweisung – die er Ende Februar 1929 dann kurz und knapp zu Papier brachte[13] – wühlte Maria so intensiv und nachhaltig auf, dass sie noch fast zwei Jahre später ihre Gedanken und Gefühle in jenem langen, sich inhaltlich endlos wiederholenden Schreiben an Horney zu Papier hatte. Zuvor hatte Ilse von Stach Spranger aufgesucht, um zu vermitteln. Auch Karen Horney startete einen entsprechenden Versuch, wurde aber von Spranger gar nicht erst vorgelassen. An Käthe Hadlich schrieb er dazu, Maria habe sich im Januar 1930 „durch eine Freundin, psychoanalytische Ärztin hier, bemerkbar [gemacht], deren Wunsch nach Unterredung ich ablehnte.“[14]
Am 30. 9. 1930 urteilte Horney in einem Brief an Ilse von Stach, natürlich wisse Maria „intellektuell, dass Spr.[anger] ein schwer gehemmter Mensch ist und eine Riesenangst vor der Frau hat – aber diese Einsicht hilft ihr nichts“. Sie habe den Eindruck, dass „etwas“ in Maria nicht ertrage, zurückgewiesen zu werden, „dass ihr sonst so schönes und scheinbar sicheres Selbstgefühl daran zerbräche.“ Sie werde Maria „heute oder morgen“ auch selbst schreiben, glaube aber nicht, viel ausrichten zu können.[15]

Ein zweites Hauptstück im Münsteraner Archiv, das von Maria stammt, ist ein auf „ca. 1933/34“ datiertes, ganz sicher vor Juli 1934[16] verfasstes mehr als hundertseitiges Manuskript „Der Weg zu den Müttern“.
Es macht klar, wo die Autorin zu dieser Zeit politisch stand: „Völkische“ Ansichten und kämpferischer Feminismus gehen Hand in Hand.[17] Philosophisch hochgebildet, befasst sie sich u. a. mit Alfred Rosenberg, Nietzsche, Scheler, Hegel – und mit Freud.
Sie teilt sowohl ihre Hoffnung mit, Hitler möge, germanischen Traditionen gemäß, Mütter und Frauen wieder in ihre „alten Rechte“ einsetzen, wie auch ihre Befürchtung, er könne stattdessen homosexuell geprägten Männerbünden den Vorrang geben. In diesem Zusammenhang verweist sie auf die von ihr vehement abgelehnte Männerverherrlichung Hans Blühers. Dessen Ansichten über Sexualität knüpften zwar an Freud an, doch dürfe man

„Freuds hohen sittlichen und wissenschaftlichen Ernst […] niemals verantwortlich machen für diese Jüngerschaft Blühers, der die selbe Mischung aus Kynismus und sachlicher Ungediegenheit aufweist, die leider so manchem Abkömmling der Psychoanalyse zu eigen ist“.

Das Manuskript endet mit dem Satz:

„Eine Auseinandersetzung mit Blüher setzt natürlich in aller Tiefe die mit der Freudschen Libidotheorie voraus, – die sicher eine der schwersten Aufgaben ist, die mir noch bevorstehen.“

Ob sie sich dem gestellt hat, bleibt unklar. Im Nachlass Ilse von Stachs jedenfalls findet sich nichts in dieser Richtung.

Am 31. August 1933 wurde Theodor Lessing, mit dem Maria durch die gemeinsame Tochter Judith weiter in indirektem Kontakt stand, von Nationalsozialisten ermordet.
Am 18. September reagierte Maria darauf voller Erschütterung in einem Brief an Ilse. Da sie gegenüber Judith die Gefahr, in der Lessing schwebte, heruntergespielt habe, trage sie eine Mitschuld an seinem Tod.
Darauf, dass dem wohl (noch?) kein grundsätzliches Umdenken gegenüber dem NS-Regime folgte, deutet der letzte archivierte Brief Marias hin, am 16.  Mai 1940 an den Gatten der todkranken Schwester Ilse geschrieben. Darin ist von den „großen Ereignissen im Westen“ die Rede, womit sicherlich der am 10. Mai erfolgreich begonnene deutsche Westfeldzug gemeint war.

Maria Dingler, geborene von Stach, starb am 5. Januar 1948 in München.

*

 

Publikationen Maria Stach von Goltzheims (1905 bis 1912, so weit ermittelt), eine Auflistung von Stephan von Minden

Lessing, Maria (1905): Rez. Clara Viebig 2 Werke in: Kritische Blätter für die Gesamten Sozialwissenschaften, 1. Jg.: 231-233.
Lessing, Maria (1906): 2 Rez. u. 1 Lit.bericht in: Kritische Blätter für die Gesamten Sozialwissenschaften, 2. Jg.: 390-392, 434-435, 557-566. („Neuere Beiträge zur Frauenfrage“)
Stach, M. v. (1907): Aus der deutschen Frauenbewegung. Dokumente des Fortschritts. Internat. Revue, 1 (1): 72-74.
Stach, M. v. (1908a): Zur Reform des Hebammenwesens. Dokumente des Fortschritts. Internat. Revue, 1 (3): 276 f.
Stach, M. v. (1908b): Aus der Erziehungsschule Friedenau. Dokumente des Fortschritts. Internat. Revue, 1 (5): 507 f.
Stach, M. v. (1911): Realität und Gesetzlichkeit im Geschlechtsleben. Eine Auseinandersetzung mit Marie Luise Enckendorff. Archiv Sozialwiss. Sozial pol., 33: 858-891.
Stach, M. v. (1912): Mutterschaft und  Bevölkerungsfrage. In: Schreiber, A. (Hg.): Mutterschaft. München (Langen): 186-200.

Anmerkungen

* Erstveröffentlichung in Luzifer-Amor 2016/2 (Heft 58), S.  165-170. Für die obige Publikation geringfügig ergänzt.

[1] Stephan von Minden, Viktor Emil v. Gebsattel und Maria v. Stach: Neue Aufschlüsse über zwei Teilnehmer am 3. Psychoanalytischen Kongress in Weimar (1911), in: Luzifer-Amor. Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse, Jg. 24/2011, Heft 48, S. 99-105.
Der Austausch mit Stephan von Minden und diverse Informationen von ihm haben auch den vorliegenden Beitrag wesentlich bereichert.
Ohne die intensive Unterstützung Reinhild Rubans, der Enkelin Ilse von Stachs, wäre mein Münchener Interview mit Irmgard Dingler nicht möglich gewesen. Frau Ruban stellte mir auch umfangreiches Material zur Familiengeschichte zur Verfügung.
Für genaue und sensible Transkriptionen danke ich Kirsten Juhl.
Unterstützung bei meinen Recherchen bekam ich zudem von Ingeborg Dingler, Galina Hristeva, Karin Kuhn, Rainer Marwedel, Gudrun Peters, Johann-Albrecht Stach von Goltzheim, Christian Heppner, Michael Schröter, Heiner Terroerde, Ulrich Weiß.

[2] www.ulb.uni-muenster.de/sammlungen/nachlaesse/nachlass-stach.html.

[3] Zum Publizieren griff sie meist auf diesen Namen zurück, privat unterschrieb sie auch „Maria Stach“. Um der irritierenden Verwendung ihrer verschiedenen Nachnamen auszuweichen, bleibe ich im Weiteren bei „Maria“.

[4] Zusätzlich habe ich allerdings sämtliche „Maria Dingler“ zugeordneten Briefe digitalisieren lassen. Sie sind nun zu Forschungszwecken für insgesamt 5 Euro in Kopie erhältlich: Universität Münster, Dezernat Historische Bestände, Krummer Timpen 3, 48143 Münster, Tel.: 0251/83-24070.

[5] Zusammen mit Ulrich Weiß. ‒ Inzwischen erfuhr ich, dass Irmgard Dingler am 19. 2. 2016 im Alter von 98 Jahren in München verstorben ist.

[6] Persönl. Mitteilung R. Ruban, 25. 4. 2014.

[7] Minden (2011) nennt fünf Veröffentlichungen von ihr zwischen 1907 und 1912 und eruierte später Publikationen, die sie noch als Maria Lessing für die Kritischen Blätter etc. geschrieben hatte: eine Rezension zu Werken von Clara Viebig (1. Jg. [1905]: 231–233) sowie zwei Rezensionen und einen Literaturbericht (2. Jg. [1906]: 390‒392, 434‒435, 557‒566).

[8] Dokumentiert in: andreas-peglau-psychoanalyse.de/sigmund-freud-in-weimar/.

[9] Vorstellbar ist, dass sie dort auch zu Lou Andreas-Salomé Kontakt aufnahm, die durch ihre Bekanntschaft mit Lessing bereits 1906 von dessen schwieriger Beziehung zu Maria erfuhr (Nekula 1997, S. 80).

[10] Möglicherweise beruht diese Namensform auf einer fehlerhaften Transkription des handschriftlichen Tagebuchtextes. ‒ Zumindest zu Beginn dürfte die Analyse im Privatsanatorium James Fraenkels in Berlin-Lankwitz stattgefunden haben, wo Horney bis Ende 1912 tätig war (Rubins 1980, S. 53 f.).

[11] Rieppel et al. 2012. Naef war von 1907 bis 1910 mit der späteren Analytikerin Elisabeth Naef, geb. Rosenbaum verheiratet (www.psychoanalytikerinnen.de).

[12] Siehe den Briefwechsel Sprangers mit Käthe Hadlich: bbf.dipf.de/digitale-bbf/editionen/spranger-hadlich, Briefe vom 7. 12. 1928 und 10. 2. 1929. Nach einem Bühnenstück ihrer Schwester bezeichnet er Maria in diesen Briefen als „Frau von Korinth“, abgekürzt „Fr. v. K.“. Wenn er beide Schwestern erwähnte, hieß es manchmal: „die Frauen von Korinth I und II“. ‒ Den Hinweis auf diese Quelle und auf die einschlägigen Stellen darin verdanke ich Stephan von Minden.

[13] Siehe seinen Brief an Hadlich vom 23. 2. 1929.

[14] Spranger an Hadlich, 20. 1. 1930. Im November 1929 hatte er einen weiteren, 52-seitigen Brief Marias erhalten.

[15] Nachlass Ilse v. Stach. ‒ Am Ende dieses Briefes erfährt man auch, dass Horneys „Älteste“ – also die Tochter Brigitte Horney – „einen guten Anfang gemacht hat mit dem Theater, diesen Winter spielt sie in Würzburg, nächstens bei Reinhardt. Sie ist einen schöne, starke, selbstbewusste Frau ‒ und es könnte viel aus ihr werden.“

[16] Hätte Maria nach der Ermordung Ernst Röhms am 1. 7. 1934 geschrieben, hätte sie mehrfach andere Formulierungen verwenden müssen.

[17] Für eine differenzierte Einordnung der wissenschaftlichen und politischen Ausrichtung ihres Gatten Hugo Dingler während der NS-Zeit siehe Weiß 2006.

 

Literatur:

Beuys, B. (2014): Die neuen Frauen. Revolution im Kaiserreich: 1900‒1914. München (Hanser).

Minden, S. v. (2011): Viktor Emil v. Gebsattel und Maria v. Stach: Neue Aufschlüsse über zwei Teilnehmer am 3. Psychoanalytischen Kongress in Weimar. Luzifer-Amor, 24 (48): 99–105.

Nekula, M. (1997): Lou Andreas-Salomé und Theodor Lessing. Eine Begegnung im Jahre 1906. https://digilib.phil.muni.cz/bitstream/handle/11222.digilib/105980/1_BrunnerBeitratgeGermanistikNordistik_11-1997-1_8.pdf?sequence=1 (Zugriff: 5. 9. 2015).

Peglau, A. u. Schröter, M. (2013): Relative Ruhe nach und vor dem Sturm. Der III. Psychoanalytische Kongress in Weimar 1911. Luzifer-Amor, 26 (52): 126−157.

Quinn, S. (1988): A mind of her own. The life of Karen Horney. Reading, MA etc. (Addison-Wesley).

Rieppel, O., Williams, D. M. u. Ebach, M. C. (2012): Adolf Naef (1883–1949). On foundational concepts and principles of systematic morphology. J. Hist. Biol. www.researchgate.net/profile/David_Williams53/publication/231210748_Adolf_Naef_%2818831949%29_On_Foundational_Concepts_and_Principles_of_Systematic_Morphology/links/02bfe510001055aba1000000.pdf. (Zugriff: 5. 9. 2015).

Rubins, J. L. (1980 [1978]): Karen Horney – Sanfte Rebellin der Psychoanalyse. Biographie. München (Kindler).

Seeberg, M. L. (1981): Geschichten um die Familien Stach von Goltzheim, v. Basse, v. Barby. Alsen (Privatdruck in Privatbesitz).

Weiß, U. (2006): Hugo Dingler, der Nationalsozialismus und das Judentum. In: Janich, P. (Hg.): Wissenschaft und Leben. Philosophische Begründungsprobleme in Auseinandersetzung mit Hugo Dingler. Bielefeld (Transcript):.235‒266.

 

Tipp zum Weiterlesen:

https://andreas-peglau-psychoanalyse.de/sigmund-freud-in-weimar/